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Zuger Schüler merken schnell, dass Kohle scheffeln kein Schleck ist

Im Rahmen des Zuger Ferienpasses sind rund 20 Schüler ins Kohlebergwerk Käpfnach in der Gemeinde Horgen eingefahren. Sie blieben sauber. Das ist aber früher nicht der Fall gewesen.
Wolfgang Meyer
Zuger Schüler sind im Rahmen des Zuger Ferienpasses ins Bergwerk Käpfnach in der Gemeinde Horgen am linken Zürichseeufer eingefahren.

Zuger Schüler sind im Rahmen des Zuger Ferienpasses ins Bergwerk Käpfnach in der Gemeinde Horgen am linken Zürichseeufer eingefahren.

Von der glühenden Hitze am stahlblauen Zürichsee hinab zu kühlen 13 Grad und dickster Finsternis sind es in Horgen gerade einmal zwei Schritte. Hinein in den Fels. Der Zuger Ferienpass führte am Mittwoch (25.Juli) eine aufgeweckte Schar Kinder in die Tiefen des alten Kohlebergwerks Käpfnach. Das rund fünfzig Zentimeter starke Flöz lässt sich im Vergleich zu den bis zu zwei Metern tiefen Kohlevorkommen in Deutschland kaum lukrativ bewirtschaften. Doch in Krisenzeiten diente es der Region wiederholt als Energiequelle.

Im Film rattern Güterloren voll Kohlebrocken und dreckverschmierte kräftige junge Männer mit abgewetzten Kleidern durch die Schächte. Der Bergwerkführer Paul Gisler zeigt seinen jungen Besuchern im örtlichen Museum einen kurzen Schwarz-Weiss-Film aus der Zeit, als der Berg noch lebte. Heute führt die kleine Lokomotive zwei rappelvolle Bänke auf seinen Wagen. Die rund zwanzig Kinder müssen die Köpfe einziehen, damit ihre bunten Helme nicht an der Decke des Stollens entlang schrammen. Gisler beugt sich tief über das Steuerpult der kleinen Zugmaschine. Links und rechts zieht sich knapp über dem Boden das schlanke Schwarz durch die höhlenartigen Wände. «Diese Kohle ist vor rund 16 Millionen Jahren unter Luftausschluss und viel Druck aus alten Bäumen und Pflanzen entstanden», versucht Gisler die unvorstellbaren Zeitverhältnisse zu erklären.

Harte Bedingungen beim Kohleabbau

Rund fünfhundert Meter tief dringt die Rundfahrt im Bergwerk Käpfnach in den Fels vor und illustriert die damaligen Arbeitsbedingungen. «Bergarbeiter wurden damals nicht sehr alt», sagt Gisler. Verdient hätten sie für ihre Zeit aber gut. Auch soziale Sicherheit gab es. «Wer ein Jahr lang im Stollen gearbeitet hatte, kriegte eine Mütze als Zeichen dafür, dass er für den Rest seines Lebens hier das Recht auf eine Anstellung hatte.» Die Jungen pickelten und schleppten zu zweit die Kohle im Stollen. Die alten Arbeiter kriegten Arbeiten unter freiem Himmel zugeteilt. Wie beengend der Berg sein kann, zeigt Gisler an einer Abzweigung, welche der muntere Trupp zu Fuss erkundet. Ohne elektrisches Licht, nur mit einem brennenden Kienspan im Mund, zeigt er den Kindern, wie damals in den schmalen Schächten gearbeitet wurde.

Mit Hammer und Meissel wurde die Kohle bei schummrigem Licht aus dem Berg gelöst. Dann geht das Licht ganz aus. Es ist zappenduster. Nur still will es nicht werden. Die Kinder vom Ferienpass rufen aufgeregt durch den Stollen und albern auf ihrer Bank herum. Als sich auf dem Rückweg jeder ein Stück Kohle sichern durfte, ruckelt der Zug noch ein Stück fröhlicher durch die Gänge. «Kohle! Kohle! Kohle!» singen die kleinen Bergarbeiter vergnügt, wie eine romantisierte Darstellung vom zufriedenen Bergmann.

Der Bergwerkverein Käpfnach (www.bergwerk-kaepfnach.ch) hält den Schacht seit 1982 in Schuss und macht ihn dank ehrenamtlicher Mitarbeit wie jener von Paul Gisler für die Öffentlichkeit zugänglich. Führungen gibt es auch für Erwachsene. Er sagt stolz: «Und auf Wunsch gibt es sie sogar mit Apéro im Stollen.»

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