Kolumne
«Die junge Sicht»: Ja, wir wollen auch!

Matúš Bielik zur Ehe für alle.

Matúš Bielik, Co-Präsident Junge Alternative Zug
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Matúš Bielik

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Nun steht es fest: Am 26. September wird darüber abgestimmt, ob künftig auch gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz heiraten dürfen. Nach einer regelrechten Pingpong-Partie, bei der die im Jahr 2013 eingereichte Vorlage zwischen National- und Ständerat hin und her gespielt wurde, schien die langersehnte Ehe für alle zum Greifen nahe. Entsprechend gross war die Enttäuschung, als deren Gegnerinnen und Gegner die rund 60'000 Unterschriften sammelten und damit das Referendum ergriffen.

Nach der Einführung der eingetragenen Partnerschaft, der im letzten Jahr mit 63 Prozent angenommenen Erweiterung der Antirassismus-Strafnorm und der Verbannung des Begriffs «Homo-Ehe» aus dem alltäglichen Sprachgebrauch, würde man meinen, wir sind in der Schweiz an einem Punkt angelangt, wo die Ehe für alle als eine Selbstverständlichkeit gilt. Auf der anderen Seite erwartet uns im September eine Abstimmung, in der wir als queere Bevölkerung der Schweiz unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger via Abstimmungszettel bitten müssen, ob wir denn nun auch heiraten dürfen.

Dabei handelt es sich bei der Ehe für alle um nichts anderes, als die rechtliche Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Paaren. Die eingetragene Partnerschaft war ein Schritt in die richtige Richtung, trotzdem ist es widersinnig, zwei separate Partnerschaftsbündnisse zu haben, wenn wir vom Schweizer Gesetz als gleich behandelt werden sollen. Wohlbemerkt, ich spreche nicht von der kirchlichen Ehe, sondern von der staatlichen. Demnach finde ich es rückständig und nicht zeitgemäss, die Ehe nur für gegengeschlechtliche Paare reserviert zu behalten.

Die Trennung der Ehe und der eingetragenen Partnerschaft führt zu einer Hierarchie, bei der die eingetragene Partnerschaft als eine Art «Ehe zweiter Klasse» erscheint. Die Unterschiede erschweren gleichgeschlechtlichen Paaren eine Sache, die eigentlich eines der schönsten Kapitel des Lebens sein könnte. Dabei werden homosexuelle Paare beispielsweise mit Unterschieden in Sachen Adoptionsrecht, Erbrecht oder Einbürgerung gegenüber den heterosexuellen diskriminiert. Bei der «Trauung» einer eingetragenen Partnerschaft gibt es nicht einmal Trauzeuginnen und -zeugen. Es geht nicht darum, die Definition der Ehe radikal umzuschreiben, es geht auch nicht um irgendeine Korruption von grundlegenden gesellschaftlichen Werten, wie es einige Gegnerinnen und Geg­‑ ner der Ehe für alle erscheinen lassen wollen. Es geht nur darum, die Ehe für alle zu öffnen – wie es der Name schon sagt. Die Tatsache, dass zwei Frauen oder zwei Männer legal heiraten dürfen, ändert nichts an der Ehe und sollte ausser die Heiratenden auch niemanden etwas angehen.

Die eingetragene Partnerschaft ist nicht genug, um eine vollständige Gleichstellung zu gewährleisten. Zudem ist die Schweiz umgeben von Ländern, in denen homosexuelle Paare heiraten dürfen und im Grossteil von Westeuropa ist dies auch der Fall. Für eine moderne und vorwärts denkende Schweiz ist es an der Zeit, dass wir auch punkto LGBTQ*-Rechte auf dem neuesten Stand sind und die Ehe für alle ermöglichen. Denn ja, wir wollen auch!

In der Kolumne «Die junge Sicht» äussern sich Mitglieder der Zuger Jungparteien zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.