Kolumne
«Die junge Sicht»: Umweltverantwortung – jetzt erst recht!

Jungpolitikerin Delia Meier zur Klimapolitik.

Delia Meier, Co-Präsidentin Junge Alternative Zug
Delia Meier, Co-Präsidentin Junge Alternative Zug
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Delia Meier, Präsidentin Junge Alternative Zug.

Delia Meier, Präsidentin Junge Alternative Zug.

Bild: PD

Nach der Ablehnung des CO2-Gesetzes am 13. Juni rast die Schweiz ohne Plan direkt auf die Klimakrise zu. Das macht Angst. Die grossen Unwetter in den letzten Wochen haben uns zudem eindrücklich vor Augen geführt, dass uns die Auswirkungen der Klimakrise sehr wohl auch in der Schweiz und im Kanton Zug treffen werden. Weitermachen wie bisher ist keine Option. Und statt eines halb garen Kompromisses braucht es jetzt einen gesamtheitlichen Wandel. Wahre Veränderung, die das Problem bei der Wurzel packt: Denn bei all den kontroversen Debatten um das CO2-Gesetz wurde über den eigentlichen Elefanten im Raum – das Klima! – kaum mehr gesprochen.

Am 24. August lancierten die Jungen Grünen Schweiz deshalb die Umweltverantwortungsinitiative. Die Initiative fordert, dass die Schweiz innerhalb von zehn Jahren nach Annahme die sogenannten «planetaren Grenzen» einhält und somit die zahlreichen Umweltkrisen endlich gemeinsam bekämpft werden.

Das wissenschaftliche Konzept der planetaren Grenzen berechnet die natürlichen Belastungsgrenzen unserer Erde. Wenn diese Belastungsgrenzen überschritten werden, ist die Stabilität der Ökosysteme und damit auch die Lebensgrundlage für uns Menschen gefährdet. Die Initiative will, dass die Schweiz sechs planetare Grenzen einhält: Klimawandel, Artensterben, Wasserverbrauch, Landnutzung, Luftverschmutzung sowie Stickstoff- und Phosphoreintrag in die Böden. In diesen Bereichen soll es nach Annahme der Initiative klare Grenzwerte geben, die mit den planetaren Grenzen vereinbar sind. Im Fall der planetaren Grenze des Klimas heisst dies beispielsweise Netto Null Treibhausgas-Emissionen.

Somit ist die Umweltverantwortungsinitiative weit tiefgreifender und einschneidender als das abgelehnte CO2-Gesetz, doch es ist die einzige Initiative, die sich aktuell mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen deckt: Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) präsentierte Anfang August seinen neusten Bericht, der in aller Deutlichkeit zeigt, dass wir bei gleichbleibenden Emissionen die Klimaerwärmung von 1,5 Grad bereits 2030 erreichen werden. 1,5 Grad, warum ist das so wichtig? Ab dieser Schwelle werden zahlreiche Kipppunkte erreicht: Gefahr von Hitzetod für dreimal so viele Menschen, 80 Millionen mehr Menschen würden Hungerrisiko aufgrund der Erderwärmung ausgesetzt werden und für 420 Millionen Menschen drohten schlimme Hitzewellen. Ab 1,5 Grad sind die Folgen einer ungebremsten Erwärmung wie extreme Wetterereignisse, Artensterben und Erntemangel irreversibel. Deshalb ist es so wichtig, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, denn uns läuft die Zeit davon.

Netto-Null bis 2040 wird also nicht reichen und 2050 schon gar nicht. Nicht, wenn wir bereits Jahrzehnte zuvor die wichtige 1,5-Grad-Grenze überschreiten. Wir müssen unsere Emissionen jetzt senken. Wir haben keine Zeit mehr für Herauszögern und Ausreden. Die Umweltverantwortungsinitiative ist nicht zu radikal, sondern die einzige Lösung, die im Moment auf dem Tisch liegt, die sich mit den wissenschaftlichen Prognosen deckt. Darum braucht es mehr Umweltverantwortung – jetzt erst recht.

In der Kolumne «Die junge Sicht» äussern sich Mitglieder der Zuger Jungparteien zu frei gewählten Themen. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.