Kolumne
Seitenblick: An die Katze – ein Liebesbrief

Sie können mit Katzen nichts anfangen? Das konnte unser Autor auch nicht. Dann kam sie.

Kilian Küttel
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Kilian Küttel

Kilian Küttel

Liebe Leila

Einmal mehr hast du meinen Schoss zum Ort deines Verweilens auserkoren. Dein dunkles Schnurren dringt zu mir hinauf, während ich diese Zeilen verfasse und dabei versuche, mit krampfhaft angewinkeltem Handgelenk und Unterarm ausserhalb deines Beissradius zu bleiben. Aber Leila, kümmere dich nicht um meine Schmerzen. Für dich nähme ich viel mehr in Kauf als diese kleine Verrenkung.

Leila, hiermit möchte ich meiner tiefen Dankbarkeit dir gegenüber Ausdruck verleihen. Dafür, dass du mich in deiner direkten Nähe tolerierst; Dafür, dass du mich tagtäglich zum Lachen bringst. Wenn du mit offener Abscheu den Staubsauger beäugst, ehe du in panischer Hast vor ihm fliehst. Wenn du echte Insekten wie eingebildete gleichermassen jagst und wenn du auf deinem Hinterteil über den Boden schrubbst, als unternähmest du nach Jahren des Zusehens einen Versuch, dich am Putzplan zu beteiligen.

Danke Leila, dass du bleibst, wie du bist; das mit Krallen bewehrte Kondensat einer lieb gemeinten Naivität; die miauende Essenz ehrlichen Nichtwissens, 5,3 Kilogramm unfreiwilliger Komik. Und doch auch ein Abbild stiller Anmut, wenn du dahockst und die Geschehnisse in einer grazilen Neugierde beobachtest, von der der kläffende Haufen Unverständnis von Nachbarshund nicht zu träumen im Stande ist.

Danke Leila, dass du es stoisch erträgst, wenn ich dich hochhebe, obwohl du das so hasst wie den Staubsauger. Und danke, dass du die Verballhornung deines Namens zulässt, weil du so gut wie ich weisst, dass «Leila» zu banal ist, um die Komplexität deines Wesens zu erfassen.

Hupiña Leilita Dos Santos Del Algua La Gorda, kurz Hupi, in meinem Universum bist du der pelzige Fixpunkt. Egal, wie schnell sich die Welt drehen will, deine Prioritäten werden bis zum Schluss aus Fressen und Schlafen bestehen, gelegentlich unterbrochen von einem Schaben an der Fensterscheibe, wenn du den Palast verlassen willst, um die Gärten deines Reiches zu inspizieren.

Hupi, es ist mir eine Ehre, dieses Verlangen zu stillen, bist du doch nicht unsere Katze, sondern wir sind deine Menschen. Du bist nicht mein Haustier, ich bin dein Portier. Darauf bin ich stolz. Und deine Gesellschaft ist eine Ehre. Danke, Hupi. Für alles.

Aber jetzt runter von mir. Du sabberst.