Kolumne
«Seitenblick»: Arbeit im Krankenbett

Unsere Mitarbeiterin Zoe Gwerder schreibt über die Mühen, von beruflichen Verpflichtungen abzulassen.

Zoe Gwerder
Zoe Gwerder
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Ach, wie schön waren die Zeiten, als Corona nur ein Bier war. Na ja, diesen abgedroschenen Satz möchte ich hier lieber nicht verwenden, haben wir doch den grössten Teil der Massnahmen hinter uns – zumindest für den Moment – und konnten vor wenigen Tagen die Fasnacht in vollen Zügen geniessen. Und eigentlich geht es hier auch gar nicht wirklich um Corona, sondern nur um etwas, was durch die Pandemie in vielen Branchen so richtig Schwung bekam und nun wohl auch zu einem grossen Teil möglich bleiben wird: Homeoffice.

Dieses hat viele Vorteile und kann das Leben einfacher machen, was auch schon vielfältig in den vergangenen zwei Jahren beschrieben wurde. Trotzdem eine kleine, persönliche Auswahl: kein Arbeitsweg, Mittagsschlaf im eigenen Bett und günstige Verpflegung.

Doch wenn einem der Käfer erwischt, sei es der C-Käfer oder ein anderer Infekt, kann Homeoffice auch an der Erholung hindern. Denn seit wir nur noch unseren Laptop einstecken müssen und auf so gut wie alle Systeme zugreifen können, ist man ratzfatz ein zwei Stunden am Arbeiten – E-Mails beantworten oder dringendes Zeugs erledigen. Was aus Sicht des Arbeitgebers zwar super ist – keine ansteckenden Mitarbeitende im Büro und doch wird das Dringendste erledigt –, kann den Betroffenen an der Genesung hindern. Denn wie schon unsere Grossmütter wussten: Schlaf und Erholung wären in einer solchen Phase wichtig.

Doch hier sitze ich nun, schreibe diese Zeilen vom Bürotisch zu Hause aus und wäre sicher nicht in diesem Zimmer unseres Zuhauses, gäbe es Homeoffice nicht. Wobei ich ehrlicherweise sagen muss: Vor der Pandemie wäre ich wohl zur Arbeit gegangen, hätte mich durch den Tag geplagt, meine Kolleginnen und Kollegen angesteckt und wäre niemals zu mehr Schlaf gekommen. Im Gegenteil: Das Homeoffice ermöglicht mir nun, mir eine ausgiebige Mittagspause inklusive Mittagsschlaf zu gönnen.

Und sollte es mich einmal so richtig ins Bett legen, ist auch im heimischen Büro Hopfen und Malz verloren. Dann gilt es, Selbstdisziplin zu wahren und eine klare Botschaft zu senden: «Ich bin krank und arbeite heute nicht.»

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