Kolumne
Seitenblick: Bob, Marley und Franz

Unsere Autorin sinniert über die Liebe zwischen und zu Pflanzen.

Vanessa Varisco
Vanessa Varisco
Merken
Drucken
Teilen

Sie erinnern sich an Bob? Nicht? Ach, kommen Sie. Die kleine Sukkulente, die still und stumm auf meinem Fenstersims steht und in der Not ein Glas Orangensaft abbekommt? Immer noch nicht? Nun denn, Schwamm drüber.

Bob war lange ein Einzelkämpfer. Aber an einem Donnerstag, ich erinnere mich gut, da kam Franz zu uns. Franz im hohen Glas. Der grüne Franz. Der zierliche Franz. Der mittlerweile stolz erblühte Franz. Franz, in den ich mich so sehr verliebt hatte. Für all jene, die bei dieser Formulierung zu Recht befürchten, er sei tot: Nein, er lebt. Aber das Flattern ist verflogen. Keine Sorge, ich wusste, dass das passieren würde; am Tag, an dem ich mit Franz im Arm in meine Wohnung marschierte. Wir hatten uns stillschweigend darauf geeinigt, das so hinzunehmen.

Franz war der Anfang von Van&the Gang. Denn mittlerweile stehen auf dem Sims rund ein Dutzend Jungs. Nicht alle sind grün, nicht alle sind biologisch abbaubar, aber jeder hat eine Geschichte. Da oben auf dem Sims stehen Geschichten und Gesichter. Nicht zu vergessen der Hund, der unter dem Sims herumschwänzelt. Auch der ist neu. Und ein Ticken aufwendiger als Van&the Gang.

Umgeben von so viel Leben, so vielen Freunden, blühte Bob plötzlich auf. Ohne Witz. Die sonst wirre, dürre Frisur trieb in sattem Grün aus. Er wurde stark, war umsorgt und mutig. Mutiger als Franz, der in seinem Glas zwar die Zweige gegen den Himmel ausstreckte – aber eben in seinem Glas blieb. Bob zog wie Felix, der kleine Bilderbuch-Hase, in die Welt hinaus, und traf Marley wieder. Eine attraktive Sukkulentendame, die er schon lange kannte und liebte. Bestärkt durch das mutige und freie Leben, das Bob nun führt, nahm er all seinen Mut zusammen und entschied, Marley zu sagen, was er fühlte. Mittlerweile sind die beiden ein Paar. Bob ist glücklich und ich bin es mit ihm.

Schande über den, der behauptet, die kleine Sukkulente Bob hätte dieses Leben Franz zu verdanken. Nein, Bob hat sich entschieden, dieses mutige Leben zu führen und ist selbst verantwortlich für all das Glück, den Frieden, die Freiheit und die Freunde, die ihn nun umgeben. Danke, kleiner Bob, dass du mich lehrst, mutig zu leben. Und Franz... Na ja, du weisst schon.