Kolumne
Seitenblick: Familienmitglied im Topf

Unsere Redaktorin über ihre Sorgen, wenn es den grünen Freunden mal wieder schlecht geht.

Zoe Gwerder
Zoe Gwerder
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Könnten sie doch nur sprechen. Na ja, vielleicht wäre das dann doch zu viel Palaver. Doch wenn's ihnen schlecht geht, wäre das definitiv eine Erleichterung. Nein, ich spreche nicht von Babys, sondern von Pflanzen – insbesondere jenen im Topf, die gepflegt und gehegt werden wollen.

Denn auch wenn ich kein schlechtes Händchen für Grünzeugs habe, stehe ich immer mal wieder vor Rätseln. Oft wären diese wohl mit einem kurzen Besuch in einer Gärtnerei erledigt, doch bis es einer Pflanze so schlecht geht, dass sich der Weg zu einer solchen aufzudrängen scheint, ist es meist schon fast zu spät.

Mein grösstes und häufigstes Sorgenkind – auch weil mir am teuersten – ist der Zitronenbaum. Er, der sonst jährlich mehrere Früchte produzierte und uns mit seinem Grün erfreute, ist der Einzige, der nach unserem Umzug vor einiger Zeit unserem alten Zuhause nachtrauert. Stand er dort doch den Sommer über auf einer warmen Terrasse, auf der vom Morgen bis am Abend die Sonne seine Blätter wärmte und nachts der Beton noch bis spät nach Mitternacht Wärme abstrahlte. Und auch wenn unserer Familie unser neuer Garten viel besser gefällt, scheint dieser für den Zitronenbaum nicht zu passen. Zwar blühte er kurz auf, nachdem er von der schattigeren Wiese einen Platz an der sonnigeren Hauswand beziehen durfte. Inzwischen ist aber wieder Serbeln angesagt.

Die Internetrecherche ergibt: Die Anzeichen könnten für so manches stehen. Vielleicht ein Mangel, zu viel Nässe – was diesen Sommer durchaus der Fall sein konnte – oder der Bedarf nach neuer Erde. Doch der Jahreszeit sei Dank, kann und muss ich mich jetzt nicht darum kümmern. Denn bei all den möglichen Massnahmen ist der Herbst für diese sowieso nicht der richtige Zeitpunkt. Und dank unseres grossen Fensters darf unser Zitronenbaum über den Winter nun wieder in unserer Stube stehen, wo er dem alten Zuhause gar nicht nachzutrauern scheint. Und wenn in einigen Monaten die Tage wieder wärmer werden, zeigt sich hoffentlich, ob es ihm noch immer an etwas fehlt oder der Baum nur etwas Erholung vom nassen Sommer nötig hatte – so wie die meisten von uns ja auch.

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