Kolumne
Seitenblick: Vom «Meisterchübel» und Strebels Visionen

Redaktor Marco Morosoli über die Leidenschaft zum Eishockey und die Zukunft des EVZ.

Marco Morosoli
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EVZ-Spieler Jérôme Bachofner stemmt den Pokal in die Höhe.

EVZ-Spieler Jérôme Bachofner stemmt den Pokal in die Höhe.

Bild: Jan Pegoraro (Zug, 7. Mai 2021)

In der vergangenen Eishockeysaison habe ich vermutlich so viele National-League-Spiele live gesehen wie noch nie in meinem Leben – leider fast keines in der Arena. Ich jammere nicht. Alles hat seinen Reiz. Wenn an einem Spieltag der EVZ einmal nicht im Einsatz stand, schaute ich mit meinem Nachbarn eine andere NL-Partie.

Dass am Schluss des Meisterschaftsmarathons der EVZ gar noch den Meistertitel holte, war für mich ein Freudentag im Quadrat. Ich vergesse ihn nie, genau wie jenen Ostersamstag im Jahre 1998. Dass der Meisterchübel für mindestens ein Jahr in Zuger Händen bleibt, zeigt doch, dass Zug mehr ist als der Kanton mit den tiefen Steuern, den hohen Mieten und den dubiosen Firmen. Die drei Buchstaben sind über die Kantonsgrenzen hinaus Sympathieträger. Nein, mehr noch, ein auf dem Eis fahrendes Tourismusbüro.

Bald könnte der EVZ noch auf einem anderen Parkett ein Leuchtturm sein. Es ist entschieden, dass ab der übernächsten Eishockey-Meisterschaft in der National League mehr Spieler mit ausländischer Lizenz mittun dürfen. Dazu hat der EVZ-Präsident Hanspeter Strebel eine klare Meinung, die ich mit ihm hundertprozentig teile. Im Fachmagazin «Slapshot» fragte der Reporter, ob es stimme, dass der EVZ auch dann mit vier Ausländern spielen wolle, wenn deren sieben erlaubt wären. Strebels Antwort: «Ja, so wird es sein. Sieben EVZ-Ausländer, das wird es nie geben.» Strebels Begründung: «Ich investiere doch nicht so und so viel in die Nachwuchsförderung, um dann endlos Ausländer einzukaufen.» Ein mutiger Entscheid, der beim EVZ schon oft diskutiert wurde, den er aber bis anhin einfach nie umsetzte. Die Basisarbeit mit den eigenen Kräften bekommt so die Wertschätzung, die sie schon lange verdient hätte. Vermutlich war der Einsatz der jungen EVZ-Spieler in allen Spielsituationen ja gerade der Schlüssel zum zweiten Meistertitel.

Hoffentlich bleibt Hanspeter Strebel seinen Visionen treu. Diese Positionierung erfordert Stehvermögen. Ohne die Propheten zu bemühen, erachte ich es als schleierhaft, wo die zusätzlichen Spieler ohne Schweizer Pass herkommen sollen. Jagen Schweizer Klubs bald Söldner in Bolzano, Neumarkt, Kaltern oder im ungarischen Székesfehérvár? Es mag sein, dass die Zuger Strategie die National-League-Mannschaft ab- und durchschüttelt. Ich gehe trotzdem weiter in die Arena, denn was mir schon 50 Jahre Spass macht, tut es auch weiter. Immer weiter.