Kolumne
«Zuger Ansichten»: Eine Welt voller Experten

Kantonsrat Martin Schuler über vermeintliches Expertentum dank Smartphone.

Martin Schuler, Kantonsrat SVP, Hünenberg
Martin Schuler, Kantonsrat SVP, Hünenberg
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Wiederum spalten Initiativen unsere Schweiz. Was in den beiden Agrarinitiativen knackig verpackt daher kommt, hat enorme Auswirkungen auf unsere Landschaft und unsere Landwirtschaft. Smart präsentiert und stark argumentiert kommen die Initianten auf allen Informations- und Unterhaltungsmedien daher.

Dank einer sicheren Nahrungsmittelversorgung konnte sich unsere Gesellschaft diversifizieren. Jeder konnte seinen Stärken und Interessen nachgehen und diese im besten Falle in einem Beruf ausüben. Die verfügbare Zeit jedes einzelnen besteht nicht nur aus Nahrungsmittelsuche und Vorrat anlegen. Diese überlebensnotwendige und zeitaufwendige Tätigkeit wurde erfolgreich ausgelagert. Somit entstanden neue Spezialisten, Anwälte, Mechaniker, Ärzte etc. niemand ist mehr gezwungen selbst Nahrung zu produzieren oder zu suchen.

Landwirte produzieren die Nahrungsmittel, Handel und Industrie übernehmen die Lagerung, Verarbeitung, ja sogar die Zubereitung der Mahlzeit. Fast Food und Fertigprodukte gehören genauso zum Alltag wie Restaurants und andere Verpflegungsmöglichkeiten. Niemand muss Hunger leiden, zumindest bei uns nicht.

Nun ist eine neue Entwicklung bereits tief in unserem Alltag verankert. Seit der Smartphone-Revolution gibt es nur noch Experten. In zwei Minuten dank Google allwissend. Ein spektakulärer neuer Lebensentwurf. Millionen von neuen Virologen, Ärzte, Landwirte und beliebige andere Spezialisten werden, dank des kleinen Helfers Smartphone, jeden Tag auf unsere Gesellschaft losgelassen. Was jedoch zu kurz kommt, ist das Erkennen und Verstehen von Zusammenhängen und Kreisläufen. Unsere Welt, unsere Umwelt sind extrem komplex, alle Eingriffe haben auch Folgen. Neue Technologien und Analysemöglichkeiten zeigen die Auswirkungen unserer Aktivitäten schonungslos auf. Dank freien Informationen kann jede Smartphone-Benutzerin sich ein eigenes Bild machen. Doch werden die Zusammenhänge erkannt?

Die Landwirtschaft steht einmal mehr im Kreuzfeuer. Vorwürfe sollten jedoch gut überprüft und Zusammenhänge erkannt werden, bevor Schuldzuweisungen getätigt werden. Wieso und warum wurde das so gemacht? Kann das besser gemacht werden? Was wird dazu benötigt? Dies sind für mich wichtige Fragen. Auch in der Landwirtschaft.

Fakt ist, das Einkaufsverhalten widerspricht nicht den gestellten Anforderungen an die Landwirte. Gewünscht wird eine Landwirtschaft wie vor 100 Jahren zu den Discountpreisen von heute. Das ist nicht möglich. Wenn ich als Milchproduzent zum Milchverarbeiter gehe und einen kostendeckenden Preis verlange, wird mir erklärt, dass ich diesen nicht brauche, da ich für die Kostendeckung die Direktzahlungen erhalte. Wenn auf dem Schweizer Markt zu wenig Milch vorhanden ist, steigt nicht etwa der Preis, nach Angebot und Nachfrage, sondern die fehlende Menge wird ganz einfach importiert. Das ist die Realität.

Wenn neue Analysemöglichkeiten Pflanzenschutzrückstände aufdecken, so wird der Schuldige gefunden und ein Umkrempeln des Systems mittels Vorschlaghammers verlangt. Anstatt besonnen Massnahmen zu ergreifen, damit dies in Zukunft vermieden wird. Das Regulativ für eine aktualisierte Umsetzung der Erkenntnisse ist vorhanden. Pflanzenschutzmittel müssen vom Bundesamt zugelassen werden. Die Zulassung wird auch, basierend auf aktuellen Erkenntnissen, wieder entzogen. Wie bereits mehrfach geschehen. Niemand will Rückstände im Wasser, wir alle brauchen es täglich und wollen es sorgenfrei geniessen. Legen sie zwei besonnene Nein in die Urne. Danke.

Hinweis: In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.