Kolumne
«Zuger Ansichten:» Junge, Corona und Politik

FDP-Kantonsrat Stefan Moos zur Situation der Jugendlichen während der Corona-Pandemie.

Stefan Moos, Kantonsrat FDP, Zug
Stefan Moos, Kantonsrat FDP, Zug
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Kürzlich war ich zufällig wieder einmal in den Büroräumlichkeiten, in welchen ich vor ziemlich genau 35 Jahren meine politische Laufbahn begonnen hatte. Kurz nach meinem 18. Geburtstag nahm ich dort als Interessent an einer Parteiversammlung der Jungliberalen (heute Jungfreisinnige) des Kantons Zug teil. Inzwischen sind meine drei Kinder im ähnlichen Alter. Neben dem Schwelgen in alten Erinnerungen löste das in mir Gedanken zur aktuellen Situation aus.

Vor kurzem gingen in St.Gallen Hunderte Jugendliche auf die Strasse und demonstrierten gegen Coronamassnahmen. Leider artete es in eigentlichen «Krawallnächten» aus. Gewalt, Zerstörungen, Sachbeschädigungen und Respektlosigkeit verurteile ich aufs Äusserste! Ich werde jeweils richtig wütend, wenn ich solche Bilder in den Medien sehe. Dennoch habe ich inzwischen grosses Verständnis für die junge Generation. Ihre Schwierigkeiten infolge der Coronamassnahmen wurden bisher – auch von mir – wesentlich unterschätzt und viel zu wenig berücksichtigt. Ich verstehe jeden Unternehmer und seine Angestellten aus den schwer getroffenen Bereichen (Gastro, Event, Kultur und so weiter), die sich jetzt aufregen und denken: «Was will der jetzt, bei uns sind Existenzen gefährdet.» Ich will auf keinen Fall Betroffene gegenseitig ausspielen. In Gesprächen mit meinen Kindern habe ich bisher nämlich ähnlich argumentiert: Es sei ja nur ihre Freizeit eingeschränkt und andere müssen ums Überleben kämpfen. Ich habe meine Meinung geändert.

Ausser praktischer Arbeit oder Schule (zu Hause oder vor Ort) wurden während Monaten fast sämtliche Tätigkeiten für Junge massiv eingeschränkt oder verboten. Dabei denke ich nicht nur an Konsum-Vergnügen wie Ausgang, Freunde treffen, Konzertbesuche oder Partys, sondern auch an aktive Freizeitbeschäftigungen wie Sporttrainings, Wettkämpfe, Musikunterricht, Konzerte, Theaterproben und Aufführungen sowie an weitere Beschäftigungen. All dies fiel komplett aus, obwohl es für die Entwicklung von jungen Menschen bedeutend ist. Bei jungen Leben wirken sich ein bis zwei «verlorene» Jahre viel stärker aus als bei den «Ü40».

Die Jungen machen deshalb zu Recht auf sich aufmerksam. Die Politik muss dringend mit ihnen in Kontakt treten, sie in Taskforces und Arbeitsgruppen aufnehmen. So können ihre Sorgen und Nöte genügend berücksichtigt werden. Die Folgen zeigen sich jetzt schon in den zunehmenden psychischen und familiären Problemen bis hin zu steigenden Suizidzahlen. Sollte die Situation der jungen Coronageneration weiterhin unterschätzt werden, befürchte ich Auswirkungen auf die Gesellschaft, mit denen wir noch Jahrzehnte zu kämpfen haben.

Als Optimist versuche ich aber auch immer Positives in Krisen zu finden. Wegen teilweise zweifelhafter Entscheide des Bundesrates ist unsere direkte Demokratie vermehrt in den Fokus geraten. Vielen Bürgerinnen und Bürgern ist die Wichtigkeit dieser hervorragenden Errungenschaft wieder bewusster geworden. Der direkten Demokratie muss nämlich stetig viel Sorge getragen werden! Sie kann sich in kleinen Schritten verschlechtern und wenn uns dies bewusst wird, ist es schon fast zu spät. Ich bin überzeugt, dass die direkte Demokratie gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wird. Das empfinde ich als positiv.

Darum mein Aufruf auch an die Jungen: Meldet euch, werdet aktiv, engagiert euch, geht abstimmen und wählen. Werdet auch laut, wenn man euch nicht zuhört. Aber tut dies mit Respekt, ohne Gewalt, ohne Zerstörung und ohne Sachbeschädigung.

Hinweis: In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.