Kolumne
«Zuger Ansichten»: Ortsplanung virtuell

Kantonsrat Heinz Achermann zu Ortsplanungssitzungen über «Zoom».

Heinz Achermann, Kantonsrat CVP, Hünenberg
Heinz Achermann, Kantonsrat CVP, Hünenberg
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«... und es hat zoooom gemacht ...» lautete der Songtext eines Stücks aus den 80er-Jahren (wie waren wir noch jung damals!). Vieles war anders, kleiner, bescheidener. In den Neunzigerjahren, als wir nach Hünenberg zogen, fuhren die SBB noch eingleisig nach Rotkreuz. Die Stadtbahn war noch nicht geboren. Am Bahnhof Cham wartete ich auf dem schmalen Perron, bis der vordere Zug nach Zug abgefahren war, damit ich in den hinteren Zug nach Luzern klettern konnte. Tempi passati. Gut so.

Die Gemeinden sind inzwischen räumlich und finanziell gewachsen. So wollte es die Bevölkerung. Dieser Wille hat ein Verfallsdatum und die Ortsplanung muss regelmässig überarbeitet werden. Bis 2025 sind alle Gemeinden angehalten, dies zu tun.

Unser Gemeinderat hat diese Arbeit auch aufgenommen und will von uns wissen, was wir in unserer Gemeinde schätzen, und was wir vermissen – plus einen Blick in die Zukunft. Dazu waren alle Einwohnerinnen und Einwohner zum Workshop eingeladen, um demokratische Ideen zu sammeln.

Der Workshop musste leider virtuell und aufgrund der vielen Mitwirkenden sogar zweifach durchgeführt werden. Chapeau, wie die Gesprächsleiter und Organisatoren es meisterten, unsere 100-köpfige Gruppe, online zu führen und zu interessanten Diskussionen zu bewegen. In virtuellen Gruppenräumen wurden Vorzüge und Schwächen der Gemeinde analysiert, Ideen diskutiert, Forderungen und Wünsche formuliert – es hat echt «zooom» gemacht.

Zugegeben, die Sitzungen zogen sich hin und dauerten jeweils zweieinhalb bis drei Stunden – die Ohrhörer schmerzten mit der Zeit und die unzähligen Porträts der Teilnehmenden mit Büchergestell im Hintergrund hatte man irgendwann gesehen.

Die Anliegen und Ideen sprudelten. Langsam gingen die elektronischen Post-its zur Neige. Dank gekonnter Analyse durch die Moderationsleitung resultierte ein Destillat, zu dem dann Stimmen verteilt werden durften – virtuell versteht sich. Obenauf schwangen die Dauerbrenner zahlbarer Wohnraum, Verkehrsberuhigung, mehr Begegnungsorte, keine Verstädterung. Beim zweiten Workshop obsiegte der Wunsch für mehr Verdichtung ohne Hochhäuser.

Mehr bezahlbarer Wohnraum! Heisst: Die Gemeinden müssen mehr dafür tun! Eine kürzlich im Kantonsrat beantwortete Interpellation hat Interessantes hervorgebracht: Die Zuger Gemeinden waren nicht untätig, im Gegenteil. Das Problem sind jedoch die fehlenden Landreserven und die hohen Landpreise – und die tiefen Zinsen. Private Investoren sind an Fördergeldern und Darlehen nicht interessiert, weil damit Vorgaben in der Baurealisierung eingehalten werden müssen. Das Geld ist anderswo ebenfalls günstig und ohne solche Vorgaben erhältlich.

Trotzdem: Eine Ortsplanung mit toleranten Rahmenbedingungen bezüglich Ausnützung und Gebäudehöhen, ergänzt mit Erleichterungen für preisgünstigen Wohnungsbau, könnte ein Anstoss sein. Dazu gehört meines Erachtens die Abkehr von Forderungen über sehr limitierende Gebäudehöhen. Eine zusätzliche Wohnetage (z.B. Erdgeschoss, drei statt nur zwei Vollgeschosse plus Attikageschoss) ermöglichen 25 Prozent mehr – auch preisgünstigen – Wohnraum bei gleichbleibender Landfläche. Und städtisch ist das noch keineswegs.

Der gemeindliche Workshop hat bestehende Anliegen wieder ins Rampenlicht gerückt. Gleichzeitig wurden hohe Erwartungen geweckt, sodass bald auch Taten folgen müssen.

Am 11. Mai geht es weiter mit der Präsentation der Ergebnisse aller Gruppen. Ich freue mich darauf, wenn es wieder»zooooom» macht – zusammen mit den anderen 179 Teilnehmenden.

Hinweis: In der Kolumne «Zuger Ansichten» äussern sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit jener der Redaktion übereinstimmen.