Komisch und frisch: das Improtheater im Zuger Burgbachkeller

Die Gruppe «ab und zufällig» aus Zug zeigt, wie spannend, frisch und überraschend Improvisationstheater sein kann.

Haymo Empl
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Der Wettbewerb begeisterte das Publikum.

Der Wettbewerb begeisterte das Publikum.

Bild: Christian H. Hildebrand (Zug, 3.Oktober 2020)

Die Schauspieler hatten keine Ahnung, was auf der Bühne passieren wird. Die Zuschauer ebenfalls nicht: Am Freitagabend fand im Burgbachtheater der Auftakt zur neuen Serie «ab und zufällig – Kellerduell» statt. Die heimische Theatertruppe «ab und zufällig» tritt dabei in einen Theaterwettbewerb mit jeweils anderen Improvisationstheater-Gruppen.

Am Freitag waren es Hirschwahn aus dem Kanton Aargau. Dass die Idee funktioniert, zeigte sich einerseits im restlos ausverkauften Burgbachkeller, andererseits auch an der Begeisterung des Publikums.

Einbezug der Zuschauer

Beim Improvisationstheater spielen die Zuschauer eine wichtige Rolle, denn diese geben verbal durch Zuruf die Stichworte – meist in Form von Adjektiven oder Orten/Plätzen den Spielenden auf der Bühne, diese müssen dann mit den Begriffen eine Szene darstellen, die jeweils von der gegnerischen Gruppe gefordert wurde. Beispielsweise wurde das Thema «unerfüllte Liebe» von den heimischen «ab und zufällig» mit Hilfe von den Begriffen «Toilette» und «Kommissar» aus dem Publikum zur szenischen Umsetzung der Gastdarsteller gefordert.

Es gab dabei keine Bedenkzeit, aber in vielen Fällen eine Zeitvorgabe für die Dauer der Szene: Dass diese Frist eingehalten wurde, überwachte eine Jury. Diese waltete am Freitagabend ihres Amtes mit strengem Blick und einer Signalhorn-Tröte und achtete penibel darauf, dass alle Regeln eingehalten wurden – und von diesen gab es eine Menge.

Damit sich auch Neulinge in Sachen Improvisationstheater zurechtfanden, wurden diese akkurat und mit Charme von Basil Koller, der am Freitag die Moderation übernahm und Gründungsmitglied von «ab und zufällig» ist, erklärt. Bei Regelverstoss musste die jeweilige Person den «Korb der Schande» aufsetzen und theoretisch damit spielen. Überhaupt macht das Drumherum beim Improvisationstheater mindestens so viel Freude wie die Szenen selbst, denn nebst Duellen und vorgegebenen Situationen wurde das Ganze mit Piano (hervorragend: Daniel Gieger) musikalisch unterlegt. Auch hier wurde selbstverständlich ohne Noten gespielt und entsprechend improvisiert.

Am Freitagabend überzeugten sowohl «ab und zufällig» aus Zug als Gastgeber als auch Hirschwahn. Die Aargauer wagten sich teilweise im wahrsten Sinne des Wortes auf sehr dünnes Eis, etwas bei der Vorgabe «eine Epoche, in welcher Haare eine wichtige Rolle spielen». Hirschwahn entschied sich für die Eiszeit und verzettelte sich in Überlänge und Klamauk, was von der Jury mit besagter Tröte abgebrochen wurde.

Etwas gar oft – und das galt für beide Gruppen – hielt man sich auch nicht ganz an die ungeschriebene Theater- und Filmregel «Show, don’t tell». Wenn man sich also dafür entschied, am heissesten Ort der Erde (Vorgabe des Publikums) eine Amphore zu spielen, dann wird es natürlich schwierig, eine ebensolche darzustellen, ohne dem Publikum zu sagen: «Ich bin eine Amphore.» Hier wäre es vielleicht einfacher gewesen, ein anderes Thema zu wählen. Wobei dies auch wiederum im Sinne des Publikums war: Die Herausforderungen sollen abstrakt und vielleicht gar absurd sein, damit die Darstellerinnen und Darsteller an ihre Grenzen kommen und die Aufgaben möglichst unkonventionell, überraschend und kreativ meistern. Letztlich begeisterten das Gesamtkonzept und der Enthusiasmus, gepaart mit Mut und spannenden Ideen zur Problemlösung.

Freude am Theater

Ein wesentlicher Punkt des Improvisationstheater-Abends waren die diversen Wettbewerbselemente, beispielsweise musste eine bestimmte Szene in 90 Sekunden, 60 Sekunden, 30 Sekunden usw. gespielt werden, ohne die Essenz der Aussage zu verlieren. Es galt, sich ohne Uhr möglichst an die jeweilige Zeit zu halten, aber auch inhaltlich zu überzeugen. Durch diese diversen «Challenges» waren die 90 Minuten Theater am Freitagabend zu jeder Zeit spannend, kurzweilig und teilweise umwerfend komisch. «Ab und zufällig» aus Zug und die Gegner Hirschwahn bewiesen mit Können, Charme und Freude an der Sache, dass Theater auch im Jahr 2020 noch neu und spannend sein kann. Gewonnen hatten schliesslich die Gastgeber aus Zug, wobei dieser «Sieg» unerheblich war: Der Spass stand im Vordergrund und dieser war der eigentliche Sieger.

Das nächste Improvisations­theater mit «ab und zufällig» als Gastgeber im Rahmen der ­Improsport-Theaterreihe findet am 19. Februar statt. Infos.

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