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«Komm wir gehen heim sterben»

Beim Herbstanlass von Hospiz Zug wurde einmal mehr das Tabuthema Tod ins Zentrum gerückt und beleuchtet.

Für Hospiz Zug: Ann Cuony
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Die drei Hauptakteure des Herbstanlasses; von links: Melitta Breznik, Andel Strube und Rosetta Rosamilia.

Die drei Hauptakteure des Herbstanlasses; von links: Melitta Breznik, Andel Strube und Rosetta Rosamilia.

«Abenteuer» ist das Motto des Jahres 2021 von Hospiz Zug. Ein Abenteuer im Sinne eines aussergewöhnlichen Ereignisses war auch diese Lesung aus Melitta Brezniks aktuellem Buch «Mutter – Chronik eines Abschieds». Die Geschichte beginnt damit, dass die Mutter der Autorin sich dazu entschliesst, in eine Alterswohnung zu ziehen. Ein Neuanfang soll es sein. Es werden Möbel gekauft und mit Erinnerungen behaftete Stücke mitgenommen. Die Mutter lebt sich schnell ein, pflanzt im Garten des Hauses sogar Gewürze und Rosen an.

Ein weiterer Abschnitt beschreibt die zunehmende «herbstliche Verstimmung» der Mutter. Sie wird zerbrechlich und leicht. Die gemeinsam zubereiteten Speisen mag sie nicht mehr essen. Ihr Zustand wird kritisch und so bringt die Tochter ihre Mutter ins Spital, wo eine schwerwiegende Krankheit diagnostiziert wird. Nach dieser Diagnose sagt die Mutter zu ihrer Tochter «komm wir gehen heim sterben». Eine verstörende Aussage welche die Ausweglosigkeit ihres Zustands aber auch die zu erwartende Zeit des Abschieds beinhaltet.

So, als würde man alles hautnah miterleben

Von nun an wechseln sich akribische Beschreibungen des Zustands der Mutter ab mit Erinnerungen an vergangene Zeiten. Wie Blitze tauchen Bilder auf, die Melitta Breznik mit ihrer warmen Stimme so exakt beschreibt, dass man gebannt zuhört und alles in Echtzeit miterlebt. In den immer länger werdenden Phasen, in denen die Mutter schläft, hört sie auf deren Atem, beschreibt die Stimmung, die sich durch den wechselnden Lichteinfall ins Zimmer verändert. Die Atmosphäre ist dicht und man meint fast, das Atmen der Mutter zu hören.

Rasch schwinden die Kräfte der Mutter. Sie ist oft unruhig und verwirrt. Die Präsenz am Bett der Kranken wird immer anspruchsvoller. Zumal diese fremde Hilfe kategorisch ablehnt. Es stellen sich brisante Fragen: In wiefern darf man in einer solchen Situation beruhigende Medikamente verabreichen? Darf man gegen den Willen eines Kranken pflegerische Hilfe anfordern. Wenn solche Probleme einen eigenen Elternteil betreffen, kommen oft grosse Unsicherheiten und Zweifel auf. Der Druck auf einen pflegenden Angehörigen kann sehr stark werden. Ohne anzuklagen oder zu hadern wird das in den Beschreibungen von Melitta Breznik eindrücklich vermittelt.

Viel Raum für eigene Gedanken

Immer wieder wurden die ausgesuchten Stellen dieser Chronik ergänzt und unterstützt durch die Blockflötenklänge von Andel Strube. Trotz des ernsten Themas entstand so, in der mit rund 50 Menschen besetzten Kirche, eine geborgene und tröstende Stimmung, die gleichzeitig viel Raum für eigene Gedanken und Reflektionen über die eigenen Erfahrungen mit der Auseinandersetzung zu diesem Thema zuliess. Beim anschliessenden Apéro gab es einen angeregten Austausch unter den Teilnehmenden.

Rosetta Rosamilia, Präsidentin des Vereins gab einen Ausblick auf das kommende Jubiläumsjahr 2022 welches unter dem Motto «Präsenz Mittendrin» steht. Geplant sind Anlässe mit Präsenz in allen Zuger Gemeinden, Welt Palliativ- und Hospiz-Tag, die traditionelle Herbstveranstaltung und die Teilnahme an der Zuger Messe. Sämtliche Termine werden laufend in der Tagespresse und auf der Homepage kommuniziert unter www.hospiz-zug.ch.