Kommentar «Chefsache»
Trotz oder wegen der Pandemie? Es gibt sie, die Augenblicke der Menschlichkeit

Eine positiv auf das Coronavirus getestete Familie nimmt ein an Corona erkranktes Kind auf, damit dieses nicht alleine in Quarantäne sein muss. Solche Taten sind in der aktuell belastenden Zeit unschätzbare Zeichen der Solidarität.

Harry Ziegler
Harry Ziegler
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Eine an Corona erkrankte Zwölfjährige sitzt zu Hause in Quarantäne, alleine in ihrem Zimmer. Das Wochenende naht. Die Eltern machen sich Sorgen, wie ihr Kind, das unter der Woche online am Schulunterricht teilnimmt und so Beschäftigung hat, das Wochenende verbringt. Näherer Kontakt zur Tochter ist den Eltern ja unmöglich. Die Familie einer Freundin der Tochter beschliesst, die Zwölfjährige während einiger Tage zu sich zu nehmen. Was relativ risikolos möglich ist – die Familie befindet sich ebenfalls in Quarantäne. Familie und «Adoptivkind» verbringen zusammen eine gute, ja auch unbeschwerte Zeit.

Es sind diese Beispiele der Menschlichkeit, diese Geschichten im Verborgenen, welche einem in dieser für alle nicht einfachen Zeit zeigen, dass es trotz aller Widersprüchlichkeiten in der Pandemiebekämpfung und trotz allen Überdrusses auch eine weitere Seite gibt. Menschen, die Anteil am Schicksal anderer nehmen – und handeln. Leider werden diese immer weniger. Oder man nimmt sie wegen des Geschreis der Massnahmenbefürworter und -gegner nicht wahr.

Es ist ja grundsätzlich egal, ob Menschen wegen oder trotz der Pandemie so handeln und sich für andere engagieren. Die Hauptsache ist doch, dass es sie noch gibt. Sie sind es, die mit ihren Beispielen zeigen, dass sich mit grossen und kleinen Gesten Licht in die für viele düstere Aktualität bringen lässt. Wir alle sollten es diesen Menschen viel öfter gleichtun.