Kommentar «Chefsache»
Zug soll in die Impfstoffproduktion investieren – eine gute Idee mit einem Haken

Drei Zuger Kantonsräte fordern mittels Motion die Regierung auf, Verhandlungen mit Herstellern von Corona-Impfstoffen Verhandlungen aufzunehmen. Primäres Ziel: Impfstoff für die Zuger Bevölkerung sichern

Harry Ziegler
Harry Ziegler
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Ist es Kantönligeist, Ungeduld oder Sorge? Drei Kantonsparlamentarier aus der CVP haben eine Motion eingereicht, mit der die Regierung aufgefordert wird, Verhandlungen mit Impfstoffherstellern aufzunehmen. Dies, um mit einer Public-private-Partnership (PPP) in die Corona-Impfstoffproduktion zu investieren.

Die Idee ist nicht derart abwegig, um gleich verworfen zu werden. Zum einen könnte sich der Kanton Zug eine solche Investition leisten. Zum anderen würden die Zugerinnen und Zuger vor allen anderen zu einer Corona-Impfung kommen. Und für was, wenn nicht für das Volkswohl sind Kantonsrat und Regierung verantwortlich?

Das von den Motionären gewählte PPP-Modell jedoch ist zu hinterfragen. In diesem Modell arbeiten öffentliche Hand und private Unternehmen auf ein gemeinsames Ziel hin. Hier liegt nun auch das hauptsächliche Problem. Die Ziele der öffentlichen Hand und eines privaten Unternehmens in der Impffrage dürften ziemlich auseinanderliegen.

Konkret dürfte Zug primär daran interessiert sein, den Impfstoff erstens schnellstmöglich und zweitens ausschliesslich für die Zugerinnen und Zuger herzustellen. Und erst dann würde die weitere Produktion an die Schweiz und den Rest der Welt gehen. Für ein privates Unternehmen muss sich die Herstellung lohnen, Gewinn abwerfen – schliesslich müssen Investitionen getätigt und Löhne bezahlt werden. Und den Staat quasi als guten Geldgeber und Versicherung im Hintergrund zu haben, minimiert den Anreiz für ein Unternehmen, sich innovativ zu bewegen.

Viel eher müsste eine Impfstoffproduktion, die primär der Zuger Bevölkerung zugutekäme, auch vom Staat betrieben und finanziert werden. Sonst sind Probleme zwischen öffentlicher Hand und privaten Unternehmen nur schon wegen der diametral entgegengesetzten Ziele garantiert. Und da sich in letzter Zeit die Stimmen mehren, die staatlichen Interventionen kritisch gegenüberstehen, dürfte sich das Anliegen wohl bereits erledigt haben.