Kommentar «Chefsache»
Zuschlagen ist weder Lösung noch Hilfe

Harry Ziegler, Chefredaktor der Zuger Zeitung über die besorgniserregende Zunahme von Kindesmisshandlungen.

Harry Ziegler
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Wo Menschen dauernd nahe beieinander sind, kann es zu Konflikten kommen. Diese können in Handgreiflichkeiten oder Schlimmerem gipfeln. Die Coronapandemie ist dazu angetan, das Beste, aber leider auch das Schlimmste, in Menschen hervorzubringen.

Während sich praktisch alle in dieser nicht einfachen Zeit wohl verhalten, gibt es einige wenige, die das nicht können – und sich an den Schwächsten abreagieren. Die Kinderschutzgruppe des Universitätskinderspitals Zürich bekommt dies direkt mit. Die Verdachtsfälle von Kindesmisshandlung steigen an.

«Überraschend sei die besorgniserregende Entwicklung nicht, da verschiedene Beratungs- und Opferhilfestellen unter dem Jahr über eine Zunahme der Fälle berichtet hätten. Als Grund vermuten die Experten die Pandemie: Wegen des Lockdowns, Homeoffice und vorübergehender Schulschliessungen habe es mehr Stress und Konflikte in einigen Familien gegeben. Hinzu kämen allenfalls zusätzliche finanzielle Sorgen der Eltern», stand gestern in unserer Zeitung.

Eine relativ nüchterne Beschreibung familiärer Hölle. Wie gross muss die Verzweiflung, die Sprachlosigkeit, die Ohnmacht in der Familie sein, wenn Gewalt als einzige Möglichkeit bleibt, sich mit der herrschenden Situation auseinanderzusetzen? Opfer von Misshandlungen leiden still. Deshalb wird auch nur marginal Kenntnis vom Leid genommen. Vielleicht sollten sie machen, was andere Gruppen schon längst tun: Lärm.