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KONFLIKT: Kinderärzte kritisieren Zuger Kantonsspital scharf

Wie soll künftig die Betreuung der Neugeborenen im Kantonsspital sichergestellt werden?, fragen die Zuger Kinderärzte. Denn die Verträge mit ihnen wurden nicht verlängert. Hauptgrund sei ihre Kritik an einem Projekt der Spitalleitung. Das Spital dementiert.
Das Zuger Kantonsspital in Baar. (Archivbild: Christian H. Hildebrand/ZZ, Baar, 10. März 2017)

Das Zuger Kantonsspital in Baar. (Archivbild: Christian H. Hildebrand/ZZ, Baar, 10. März 2017)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

928 Geburten gab es im Zuger Kantonsspitals letztes Jahr. Für Probleme unmittelbar nach der Geburt und Probleme im Wochenbett sowie die Routinekontrolle vor Entlassung der Kinder sind die Zuger Kinderärzte zuständig. Diese haben eine eigene Praxis, arbeiten aber auf Bereitschaft für das Kantonsspital. Sie müssen gemäss Vertrag mit dem Spital innerhalb von 30 Minuten vor Ort sein. Doch seit gestern verfügen sie über keinen gültigen Vertrag mehr, weshalb sie in einem Entwurf für eine Pressemitteilung, die uns vorliegt, Alarm schlagen. «Wir sind ohne Vertrag nicht berechtigt, Neugeborene zu betreuen», steht darin.

Doch wie kam es dazu? «Im Verlauf der letzten Monate wurde im Auftrag der Verwaltung der Zuger Kantonsspital AG – auch die kantonale Gesundheitsdirektion war darüber informiert – die Schaffung einer neonatologischen Abteilung am Zuger Kantonsspital geprüft», sagt Victoria Marty, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendmedizin in Baar und Mitverfasserin des Entwurfes. «Eine solche Abteilung soll es ermöglichen, Frühgeborene vor der 35. Schwangerschaftswoche und leicht erkrankte Neugeborene zu betreuen.»

Nur rund 15 Fälle pro Jahr in Zug

Bisher werden solche Fälle aus Zug im Kinderspital Luzern betreut. «Wir können den Sinn einer solchen Abteilung in Zug nicht nachvollziehen. Pro Jahr gibt es rund 15 Fälle, die für die Betreuung im Kanton in Frage kommen, die Auslastung ist also gering», sagt Victoria Marty. Zudem würden diese Fälle hohe Fachkompetenz bei Ärzten und Pflegenden bedingen. Ein solches Angebot sei also weder fachlich noch wirtschaftlich nachvollziehbar, zudem hätten die Kinderärzte auch für diese Abteilung im Bereitschaftsdienst zur Verfügung stehen sollen. «Das ist nicht möglich, da es zur Behandlung von Komplikationen bei Frühgeborenen mehrere Fachärzte für Neonatologie vor Ort braucht. Das sind wir nicht.» Im Kinderspital Luzern bestehe dieses hochqualifizierte Angebot, so Marty.

Aus Unsicherheit über die bevorstehenden Veränderungen hätte ein Grossteil der Ärzte Ende 2016 ihren Vertrag gekündigt, um diesen nach Bekanntwerden der Veränderungen neu zu verhandeln. Marty: «Bis zum Auslaufen der Verträge versuchten wir mehrfach, mit der Klinikleitung ins Gespräch zu kommen. Sie ignorierte aber unser Vorbehalte gegen die Veränderungen und signalisierte uns, dass unser Mitdenken nicht gefragt ist. Die neuen Vertragsverhandlungen scheiterten, weil wir nicht bereit waren, zu akzeptieren, auch Kinder, die vor der 35. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, zu betreuen.»

Zudem hätten die Kinderärzte verlangt, ihre Leistungen nach dem gleich hohen Tarif wie die Ärzte der Andreas-Klinik in Cham abrechnen zu können. «Ende März wendeten wir uns mit einem Brief an die Gesundheitsdirektion und die Spitalverwaltung und teilten unsere Sorge über einen potenziellen Versorgungsnotstand mit. Er blieb unbeantwortet. Auf unsere Initiative hin finden am 5. Juli erneut Verhandlungen statt.»

Weiterentwicklung der Neugeborenenbetreuung

Bei der Gesundheitsdirektion heisst es auf Anfrage, man habe vom bisherigen Scheitern der Verhandlungen Kenntnis. «Wir haben uns über den Kantonsarzt bei der Spitalleitung versichert, ob sie den Leistungsauftrag ohne die Kinderärzte erfüllen kann, und das ist durch die Ärzte der Frauenklinik der Fall», sagt die Generalsekretärin des Gesundheitsdepartements, Beatrice Gross. Die pädiatrischen Kontrolluntersuchungen würden aber neu nicht mehr im Spital, sondern in der Praxis des Kinderarztes durchgeführt. «Deshalb besteht derzeit kein Handlungsbedarf», sagt Gross. Zu den Plänen mit der neuen Abteilung sagt sie: «Das Zuger Kantonsspital ist frei, im Rahmen des Leistungsauftrags so eine zu führen.

Selbstverständlich müssten vor der Eröffnung jedoch die fachlichen Anforderungen erfüllt werden, was die Gesundheitsdirektion im Rahmen der gesundheitspolizeilichen Aufsicht überprüfen würde.» Zum Grund für die Planung einer solchen Einrichtung schreibt Spitaldirektor Matthias Winistörfer auf Anfrage: «Das stetig steigende Alter der gebärenden Frauen stellt höhere Anforderungen an die Qualität der pädiatrischen Dienstleistungen.» Deshalb wünsche sich das Spital eine Weiterentwicklung der Neugeborenenbetreuung mit Ziel einer Neonatologieabteilung. Diesbezüglich wurden und werden seit mehr als einem Jahr Gespräche geführt, auch mit den Kinderärzten.» Gescheitert seien die Verhandlungen nicht.

Punkte ohne Einigung seien aber die erforderliche Dienstleistungsqualität der Kinderärzte und die aus Sicht des Kantonsspitals überhöhten Honorarforderungen. Zur Sicherstellung der Versorgung sagt er: «Wir mussten damit rechnen, dass die Verhandlungen scheitern, und haben deshalb vorgesorgt. Die Betreuung ist sichergestellt.»

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