KONSUM: Ausbrechen ohne erbrechen

Dass an der Fasnacht mehr Alkohol getrunken wird als sonst, ist kein Geheimnis. Während die Suchtberatung den Mahnfinger hebt, reibt sich mancher Getränkehändler die Hände – aber nicht alle.
Raphael Biermayr
Fasnacht und Alkohol gehören für viele zusammen. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 8. Februar 2018))

Fasnacht und Alkohol gehören für viele zusammen. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 8. Februar 2018))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Je nach Sichtweise trinkt man an der Fasnacht Alkohol, um Teil davon zu sein – oder sie aushalten zu können. Beiden Motiven liegt der Leitspruch zugrunde, dass man masshalten soll. Das kann man zweideutig verstehen. Die Suchtberatung versteht darunter einen Konsum mit viel Vernunft, die Getränkebranche und die Veranstalter eher mit weniger.

In jährlicher Regelmässigkeit kommt es an der Fasnacht zu einer unvergleichlich weiten Verbreitung dieses Interessenkonflikts. «Für viele ist die Fasnachtszeit eine Gelegenheit, aus dem Alltagstrott auszubrechen», beschreibt Judith Halter, Leiterin der Suchtberatung, den Stellenwert dieser Tage. Dies könne bedeuten, mehr Alkohol als üblich zu trinken (Tipps für vernünftiges Verhalten siehe Box).

2 Prozent des Jahresumsatzes

Das merken auch die grossen Getränkehändler wie die Brauerei Baar. Der Geschäftsleiter Martin Uster spricht von «einem guten Geschäft» und belegt das mit Zahlen: In den sieben Fasnachtstagen würden etwa 2 Prozent des Jahresumsatzes erzielt. Wie zu vermuten ist, verkauft die Brauerei während dieser Zeit vor allem von ihrem eigenen Bier. Interessanterweise unterschieden sich die Bestseller nach Gemeinde: In Baar sei es das «1862»-Lagerbier, andernorts das «Bügel-Spez». Bier setzt auch die Weber-Vonesch AG aus Zug während der Fasnacht am meisten ab. Allerdings sei die Fasnacht für sie kein wesentlicher Umsatztreiber. Die Erklärung dafür ist naheliegend: «Da gleichzeitig Sportferien sind, sind viele Kunden weg, und entsprechend ruhig ist es im Laden», schreibt Judith Weber von der Geschäftsleitung auf Anfrage. Ebenfalls als «nicht so relevant» stufen Bösch-Getränke in Sihlbrugg die aktuellen Tage ein. Sie verkauften gemäss dem Eigentümer Hanspeter Bösch vor allem Spirituosen, was den Liebhabern von «Kafi Schnaps», «Holdrio» et cetera geschuldet sein dürfte. Diese werden in dieser kalten Zeit aber kaum je von Etter-Schnäpsen gewärmt: Auf Anfrage teilt das Zuger Unternehmen mit, dass die Fasnacht kein interessantes Segment sei. Das gilt aus anderen Gründen nicht für die Suchtberatung. Mo­nique Portner-Helfer, Mediensprecherin von Sucht Schweiz, weist darauf hin, dass die Fasnacht zwar «Grenzen sprengen» kann, die Gesetze aber weiterhin gelten würden. Das Ausschankpersonal soll über die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich der Alterslimiten instruiert werden. Und es darf im Kanton Zug von Gesetzes wegen kein Alkohol an Betrunkene ausgeschenkt werden. Sucht Schweiz erwähnt ausserdem, dass der Satz «Wer fährt, trinkt nicht» auch an der Fasnacht gültig ist, und empfiehlt Anlassveranstaltern, «einen Taxiservice für eine sichere Heimkehr der Gäste zu ermöglichen». Auch im fremden Auto gilt natürlich: An der Fasnacht darf man ausbrechen – aber ohne erbrechen.

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