Kontroverse
EVZ-Matches in der Gruppe oder allein schauen?

Über die Form des Mitfieberns in Zeiten der Pandemie.

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Raphael Biermayr

Raphael Biermayr

Bild: Stefan Kaiser

Auf den Hund kommt man – anders als die Kollegin unten – im Zusammenhang mit dem EVZ höchstens am Folgetag eines Matches, nach Abebben des Siegesrauschs. Dann ist Alleinsein die Erfüllung einer tiefen Sehnsucht. Doch während der Partien ist (fachkundige!) Gesellschaft unerlässlich. Das gegenseitige Runtermachen und Hochjubeln der Mannschaft, die Gesten und die Bemerkungen folgen über Jahre eingeübten Ritualen. In der laufenden Saison ist das leider nur vor dem Fernseher möglich. Diese Konstellation hat noch einen anderen Vorteil des Zusammenschauens aufgezeigt: Man lenkt sich weniger ab. Denn wer es wirklich schafft, die Partie der 33. Runde gegen Rapperswil-Jona allein mit Inbrunst und ohne Smartphone vor der Nase zu schauen, der darf sich wahrlich einen Enthusiasten schimpfen. In einer Gruppe gibt man sich diese Blösse hingegen nicht, die soziale Kontrolle funktioniert also. Diese Kontrolle greift auch oft bezüglich der Coronamassnahmen. Doch sie wird versagen, wenn Lino Martschini den Chübel in die Höhe recken wird. Dann werden eigene Kräfte wirken und die Zuschauer dicht an dicht zusammenrücken lassen. Manche warten einfach zu lange auf diesen Moment, um die Geduld für die verordnete sogenannte Vernunft aufzubringen. Wer das tun will, soll zu Hause bleiben – mit oder ohne Hund.


Vanessa Varisco

Vanessa Varisco

Bild: Werner Schelbert

Noch lebe ich in einem Einzelhaushalt. Zwar nicht mehr lange, aber das Zittern um den Meistertitel wird vorbei sein, wenn sich meine Wohnumstände ändern. Und dieses Ein-Frau-Szenario ziehe ich auch vor dem Fernseher durch, wenn es darum geht, die EVZ-Spiele anzusehen, seit die Hockeysaison ins Wohnzimmer verlegt wurde. Während ich diese Zeilen schreibe, ernte ich einen vorwurfsvollen Blick, dann dreht sich ein junger Mann neben mir beleidigt ab. Gut, ich korrigiere mich: Ganz alleine schaue ich die Matches nicht. Eigentlich bin ich sogar in tierisch guter Gesellschaft, denn da ist immer mein 40-Kilo-Geschoss von Hund dabei, mein deutscher Schäfer, der ziemlich gelassen in die Flimmerkiste blickt, während ich mich ganz dem emotionalen Taumel hingebe. Schlechter als menschliche Gesellschaft ist er keineswegs. Goooooooooal für dem EVZ? Das ist das Kommando für den Hund, Pfötchen zu geben. An all den Abenden, die ich in meinem stillen Kämmerlein verbrachte, um die Spiele anzusehen, habe ich viel über Eishockey gelernt. Und jetzt, in der extrem heissen Phase, bin ich bereit zu geniessen, mich völlig auf das Spiel einzulassen. Ich fiebere allein nicht weniger mit, im Gegenteil. Ich brauche keine fünf Nasen um mich herum, damit ich mich über die Erfolge der Zuger Jungs freue.