Leserbriefe
Kontroverse Haltungen im Zusammenhang mit der Coronapandemie

Lesermeinungen zur Covid-Impfung beziehungsweise der Abstimmung über das Covid-19-Gesetz vom 28. November

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Vorab zu meiner Person: Ich habe den Intelligenztest nicht bestanden und offensichtlich in Mathe geschlafen. Warum? Michel Jacquemai, schreibt in seinem Leserbrief vom 18. November, die Frage des Impfens sei ein simpler Mathematik- und Intelligenztest. Nach seiner Berechnung ist das Resultat ein klares «Nein». Allerdings ein Ergebnis einer egoistischen Risikoschätzung.

Somit sollte ihnen nun klar sein, dass ich geimpft bin, also eher dumm wie die über 60 Prozent anderen Bewohner der Schweiz. Ich kann, für mich nur in Anspruch nehmen, dass ich mit dem Impfen versucht habe, einen Beitrag zur Entlastung des Spitalpersonals zu leisten. Dieses Vorhaben ist, zusammen mit allen anderen Geimpften, doch einigermassen gelungen. Die Spitaleintritte von Geimpften sind bis jetzt deutlich geringer als die der Ungeimpften und erst recht auf den Intensivstationen. In Abänderung des Sprichwortes «Wer wagt, gewinnt» denke ich: «Nur wer den Stich wagt, kann etwas bewirken»!

Auf dem in diesen Tagen verteilte Flyer «Die Schweiz überwindet Covid 19» – empfiehlt die Gruppe «Angst-freie Schweiz», dass man sich gegen das Virus schützen kann, indem das Immunsystem gestärkt wird durch Vitamine, Sonne und Bewegung. Für alle Covid-Patienten im Spital und die, die noch dorthin kommen werden wohl ein sehr zynischer Hinweis – denn es bedeutet, nur «ihre» mangelnde Anwendung aller gesundheitsfördernden Massnahmen sie ins Spital gebracht hat. Die Art und Weise, wie die Kampagne der Gesetzgegner geführt wird, bestärkt mich, ein deutliches Ja einzulegen.

Hans Peter Müller, Cham


Es zahlen ja auch diejenigen, die nicht geimpft sind, den Impfstoff derer, die sich impfen lassen. Oder glaubt jemand, dass dies gratis war, was bis jetzt angeschafft wurde. Und glaubt jemand, dass die 42Millionen Dosen, die für das Jahr 2022 und 2023 bestellt worden sind, dass das ein Geschenk der Pharmaindustrie ist?

Ich glaube, man muss in diesem Zusammenhang mit dem grössten Argument eine ganz andere Frage stellen, nämlich die Frage: Wie kommen alle Steuerzahler, nämlich die Geimpften wie die Ungeimpften, dazu, den Pharmafirmen Milliarden an Gewinnen zu ermöglichen durch den Abkauf eines Produktes, von dem wir jetzt wissen, dass das, was versprochen wurde, nicht immer funktioniert? Es ist im Normalfall ein Fall für eine Reklamation: So was geht wieder zurück. Bei uns wird nicht reklamiert, sondern nachbestellt. Wie kommen all die Steuerzahler dazu, dies mitzumachen und wie kommen sie dazu, letztendlich das gesamte Haftungsrisiko für allfällige Folgeschäden aus dieser Impferei zu übernehmen? Weil da haben sich die Pharmafirmen ja schadlos gehalten, was mich so wundert, wenn sie so von der Ungefährlichkeit ihrer Impfstoffe überzeugt sind. Diese Verantwortung haben sie auf den Steuerzahler überwälzt. Und der Bundesrat stellt noch 100Millionen Franken zur Impfpropaganda zur Verfügung. Mit welchem Recht? Mit welchem Ziel? Einfach lachhaft. Wir scheinen in der Schweiz im Geld zu schwimmen. Jetzt fragt man sich: Wenn das so ist, dass die Impfung nicht das hält, was sich die Politik von ihr verspricht, was ist die Konsequenz daraus?

Ich denke, dass man die Strategie wechseln sollte. Man müsste doch einmal darauf kommen, dass wir auf dem falschen Gleise sind. Möglicherweise ist es ein falscher Ansatz herzugehen, und nur das Virus bekämpfen zu wollen. Allenfalls müsste man den Wirt stärken. Vielleicht wäre dies ein sinnvollerer Weg. Da meine ich Präventionsmassnahmen, einen verstärkten Einsatz von Medikamenten und eine entsprechende Unterstützung der Forschung in diese Richtung. Die Impfung hält nicht das, was sie verspricht, und die Reaktion des Systems ist, jetzt müssen wir noch mehr impfen. Und dies ist aus meiner Sicht ein Paradoxon. Widersprüchlicher geht es nicht mehr. Also für mich ist dies ein Tritt, ein Schlag ins Gesicht. Wo bleibt der gesunde Menschenverstand?

Hier geht es nicht mehr um Gesundheitspolitik, hier geht es um etwas anderes, hier geht es um das Beibehalten der Geschäftsinteressen der Pharmaindustrie, und hier geht es um gehörige Verantwortungslosigkeit, derer die hier politisch am Werk sind. Sonst würden sie nicht auf die Idee kommen, bei diesem noch umfassenderen Impfansatz auf die Kinder und die Jugendlichen loszugehen.

Béatrice Moesch, Zug


Bisher war es üblich, dass man als Abstimmungsverlierer das Resultat akzeptiert – und in einem nächsten Anlauf wieder für seine Ansichten kämpft. Im Wissen darum, dass an der Auszählung einer nationalen Abstimmung Tausende von Personen – Befürworter und Gegner einer Vorlage – beteiligt sind, wäre es absurd, der Behörde eine breit angelegte Manipulation des Ergebnisses vorzuwerfen. Doch beim Covid-Gesetz geschieht genau das: Für den Fall einer knappen Annahme des Gesetzes wird schon im Voraus reklamiert, das Resultat sei nur durch Manipulation zu Stande gekommen.

Die Freiheitstrychler geniessen unter den Covid-Gegnern eine grosse Sympathie. Es ist deshalb verantwortungslos, wenn ein führender Trychler die Behauptung der Abstimmungsmanipulation am Fernsehen von sich gibt. Damit eine Verschwörungstheorie à la Trump bei uns chancenlos bleibt, braucht das Covid-Gesetz eine möglichst hohe Zustimmung. Mit einem Ja zum Covid-Gesetz lassen sich die Gesundheitsversorgung sichern, das Gesundheitspersonal entlasten, Kranke schützen und betroffene Arbeitnehmende und Unternehmen weiter unterstützen. Und dank dem Zertifikat können wir alle weiter ins Kino, ins Konzert oder ins Restaurant.

André Guntern, Präsident Alternative – die Grünen, Baar


Am 28. November geht es um unsere Grund- und Bürgerrechte, um unseren liberalen Rechtsstaat, um unsere Freiheit, für die über Jahrhunderte viele Opfer gebracht wurden. Sind wir so gleichgültig und verängstigt, dass wie unsere Freiheit, unsere Eigenständigkeit, unsere Eigeninitiative, unsere Selbstverantwortung in eine – wie passend! – Urne werfen werden, nur um vermeintlich Sicherheit zu erlangen, indem wir unser Schicksal in die Hände eines Siebner-Gremiums legen? Das ist und war nie das Erfolgsrezept, die DNA unserer stolzen Nation.

Als Schriftsteller mit Vorstellungsvermögen frage ich mich selbstverständlich, um was es bei dieser Pandemie auch noch gehen könnte, zumal die zugänglichen Statistiken weder in einem akzeptablen Verhältnis zu den Massnahmen, noch in einem solchen zu den bisher angerichteten Kollateralschäden stehen. Ist es nur eine These oder doch ein weiteres reales geopolitisches Manöver – ein trojanisches Pferd – mit zeitgemässen Mitteln, wovon die Weltgeschichte nur so strotzt? Der Auftakt zum chinesischen Jahrhundert?

Am 30. Oktober 2019 gab Ueli Sigg, der langjährige Schweizer Botschafter in China, ein interessantes Interview. Immer mehr Länder stünden dem demokratisch-liberalen System kritisch gegenüber. Es gäbe vielleicht noch 40 oder 50 Länder, welche im demokratischen Lager sind – weil sie gute Erfahrungen gemacht haben oder daran glauben. An die 150 Länder sähen aber China als Vorbild. Ein chinesischer Minister würde sein System so erklären: «Ihr regiert mit Mehrheitsentscheiden. Wir regieren wissenschaftlich. Die Erkenntnisse setzt die Regierung dann um, ohne Widerstände von anderen Parteien überwinden zu müssen. Das ist der effizienteste Weg, um ein Land (oder die Welt?) zu regieren». Aldous Huxley (Autor des Buches «New brave World») prognostizierte genau das. Das entsprechende Interview findet sich (noch) auf Youtube. Aber auch Friedrich Dürrenmatt thematisierte die Wissenschaft als neue Religion, als neuen Absolutismus. Drei Physiker leben als Patienten in einer psychiatrischen Klinik. Einer von ihnen hat eine Entdeckung gemacht, die die Gefahr der Vernichtung der Welt in sich birgt und damit zur Grundfrage des Stücks nach der Verantwortung der Wissenschaft führt. Dürrenmatt verknüpft diese Thematik mit seiner Dramentheorie, nach der jede Geschichte, ausgelöst durch den Zufall, die schlimmstmögliche Wendung nehmen müsse. Niemand erklärt es so trefflich, warum Medizin und Naturwissenschaften nicht zur Waffe der Politik werden dürfen, wie der Professor der Philosophie Michael Esfeld (Universität Lausanne, Mitglied Leopoldina). Liebe Schweizerinnen und Schweizer, stimmt am 28. November Nein zum Covid-Gesetz. Es geht um nichts weniger als die DNA unserer Heimat.

Thomas Brändle, Unterägeri

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