Kolumne

Kopfkino zur Ablenkung

Redaktor Marco Morosoli beschreibt, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus auf seinen Alltag auswirken.

Marco Morosoli
Drucken
Teilen
Marco Morosoli.

Marco Morosoli.

Bild: Stefan Kaiser

Wer mit offenen Augen auf Schienen von Bozen in Richtung Verona fährt, überquert eine Sprachgrenze. Nach Salurn/Salorno folgt Mezzocorona. Auf Deutsch heisst dieser Ort aber nicht Halbkrone, sondern Kronmetz. Corona heisst im Trient zudem nicht Krone, sondern Felsen. Das Corona-Bier aus Mexiko krönt sich auf der Flasche gleich selber, aber ich mag es trotzdem nicht. Diese beiden Dinge habe ich bis Anfang 2020 mit dem Wort Corona in Verbindung gebracht. Von fiesen Viren mit zig Krönchen auf der Oberfläche wusste ich nichts.

Verordnetes Eremitendasein hat dies verändert. Corona hier, Corona dort. Etwas Abwechslung bringt mir das Kopfkino. Zum Beispiel höre ich einen Radiosender aus Amerikanisch-Samoa. Südsee pur. Pago Pago, die Hauptstadt dieses US-Territoriums im Südpazifik, ist der Waikiki- Beach auf Oahu im Quadrat. Träumen ist erlaubt. Nicht Spitze ist Amerikanisch-Samoa im Fussball. Am 11. April 2001 verlor die Inselauswahl gegen Australien mit 0:31. Die bisher höchste Pleite in einem offiziellen Fussball-Länderspiel.

Das bringt mich zu einem anderen notorischen Verlierer: Sportul Studentesc. Die Eishockeyaner aus Bukarest unterliegen seit Jahren ihren Gegnern zweistellig. Seit 2013 hat es dem rumänischen Team zu einem Sieg gereicht. Apropos Rumänien: In Winnetou-Filmen in den 1960er-Jahren bot Kroatien die Wild-West-Kulisse. Bei den beliebten Advents-Vierteilern an der Schwelle zu den 1970er-Jahren wie «Lockruf des Goldes» oder «Zwei Jahre Ferien» war Rumänien, Südsee oder Alaska. Die Transformation schien uns immer gelungen. Ich schaue die Filme heute noch sehr gerne.

Kürzlich habe ich einen anderen Film wiederentdeckt: «Cassandra Crossing» (1976). Terroristen infizieren sich in Genf mit einem lebensgefährlichen Virus. Einer flüchtet in einen Zug und steckt dort andere an. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Katastrophenfilme sind in den 1970er-Jahren der Renner. Die Realität ist wie immer viel tragischer. Bleiben Sie alle gesund.

Hinweis: In dieser Kolumne beschreiben Mitarbeiter unserer Zeitung, wie sich die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf ihren Alltag auswirken.