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Kriminaltouristen in Zug vor Gericht: Rumänen stahlen Spielkonsolen für Geld und Drogen

20 Spielkonsolen stahlen drei Rumänen mit Hilfe einer präparierten Ikea-Tasche während ihres kurzen Aufenthalts in der Schweiz. In Zug konnten sie dann geschnappt werden. An der Verhandlung zeigten sie sich sogar dankbar für die Zeit im Gefängnis.
Christopher Gilb

Es ist wie oft bei Kriminaltouristen. Erzählt wird von einem Freund in der Schweiz, von dem man aber weder den Vornamen noch den Wohnort kennt. Der jedenfalls habe einem Arbeit zugesichert, in der Schweiz angekommen, sei er aber plötzlich nicht mehr erreichbar gewesen. Um doch an Geld zu kommen, sei man dann zum Dieb geworden.

Nur blöd, dass einer der drei angeklagten Rumänen am Dienstagvormittag vor dem Zuger Strafgericht sagte, wie es wirklich war: «Wir kamen, um zu stehlen.» Dies untermauerte auch der Umstand, dass die drei zwischen 34 und 48 Jahre alten Rumänen in diversen anderen Ländern einschlägig wegen Raub und ähnlichen Delikten vorbestraft sind. Die Diebstähle selbst hatten aber alle drei vollumfänglich gestanden.

Am 9. Dezember 2018 waren die Familienväter in die Schweiz gekommen. Am 10. Dezember stahlen sie im Manor Rapperswil sechs Spielkonsolen im Wert von 1476 Franken und tags darauf sechs weitere Spielkonsolen. Am 12. Dezember dann trieben sie erst im Manor in Rüti ihr Unwesen und klauten dann am Nachmittag im Zuger Manor ebenfalls sechs Konsolen. Bereits in die Schweiz mitgebracht hatten sie ihre präparierte Ikea-Tasche. Diese schirmte das Diebesgut gegen den Alarm ab. Doch in Zug fielen sie auf und wurden geschnappt. Ihr Diebesgut hatten sie da bereits fortlaufend bei Dealern gegen Heroin und Geld eingetauscht gehabt.

Vorbildliche Gefangene

Alle drei waren damals süchtig gewesen. Ohne Drogen habe er nicht einmal gerade laufen können, beichtete einer der Angeklagten. Wie sie denn im Gefängnis mit der Sucht umgehen würden, wollte der Richter wissen. Sie gaben an gar nicht oder nur kurz Methadon genommen und ihre Sucht inzwischen überwunden zu haben. «Das Gefängnis hat uns gutgetan, weil wir von den Drogen weggekommen sind», fasste der grösste der Truppe, ein muskulöser 34-Jähriger mit kurzem Haarschnitt und engem schwarzen T-Shirt, zusammen. Bis auf einige Einsätze in einer Autowerkstatt ging er nie einer geregelten Arbeit nach. Auch die Gefängnisse zeigten sich zufrieden mit den Drei: Er habe selten so gute Berichte zu Gefangenen erhalten, bemerkte der Richter positiv überrascht.

Das Einzige, was es überhaupt noch vor Gericht zu klären gab, war, zu wie vielen Monaten Haft sie für ihre unbestritten banden- und gewerbsmässigen Diebstähle zu verurteilen waren. Der Staatsanwalt forderte eine unbedingte Haftstrafe von zwölf Monaten abzüglich der Untersuchungshaft. Sie seien schliesslich einschlägig vorbestraft. Den Verteidigern war dies deutlich zu hoch. Sie forderten Strafen im Bereich der Mindeststrafe für solche Delikte, die sechs Monate beträgt. Die einen wiesen auf den «eher kleinen» Gesamtdeliktsbetrag von etwas über 7000 Franken hin und dass keine Gewalt verübt wurde. Die anderen auf die Biografie der Drei und die Drogensucht. Aufgewachsen in schwierigsten Verhältnissen im Ceaușescu-Rumänien sei ihre Kindheit durch Entbehrungen geprägt gewesen. Ein sozial angepasstes Verhalten und Respekt vor dem Eigentum sei nie gelernt worden.

Der Richter entschied sich für einen Mittelweg. Auch weil keine Gewalt verübt worden sei. Er verurteilte die Drei je zu einer Haftstrafe von zehn Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft und sie werden für fünf Jahre des Landes verwiesen. Entlassungstermin ist Ende September. Als Opfer ihrer Umstände sieht er sie aber nur bedingt. Irgendwann müsse mit der Vergangenheit auch Schluss sein, sagte er an die Adresse der Anwälte. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig.

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