Landwirt übt Kritik an den Armeetests

Bald startet die Erprobung von Radarsensoren auf dem Gubel in Menzingen – zum Unverständnis des Pächters.

Christopher Gilb
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Die geplanten Tests auf dem Gubel sorgen auch für Unverständnis. (Bild: Stefan Kaiser)

Die geplanten Tests auf dem Gubel sorgen auch für Unverständnis. (Bild: Stefan Kaiser)

Seit 22 Jahren ist Benedikt Schmid Pächter des Landwirtschaftsbetriebs auf dem Gubel in Menzingen. Ein Teil des Landes, das er gepachtet hat, befindet sich auf dem Areal des Truppenübungsplatzes. Das sei nie ein Problem gewesen. «Wenn das Militär Übungen macht, haben die natürlich Vorrang», so Schmid. «Nun haben wir aber Bedenken.»

Vom 19. bis 30. August und vom 16. bis 27. September testet die Armeebeschaffungsstelle Armasuisse nämlich werktags auf dem Gubel zwei Kandidaten für ein bodengeschütztes Luftverteidigungssystem grösserer Reichweite. Geschossen wird nicht, es werden aber Messungen am Boden durchgeführt und der Luftraum nach Flugzeugen der Luftwaffe abgesucht. Der Radar sendet dafür einen schmalen, starken Strahl ähnlich eines Autoscheinwerfers aus.

Es seien gleich mehrere Sachen, die ihn stören, sagt Benedikt Schmid. «Erst einmal, dass wir erst vor rund sechs Wochen über die Tests informiert wurden. Wir wurden sozusagen vor vollendete Tatsachen gestellt.»

Ökowiese und Gefahr für Vögel

Auch macht sich Schmid Sorgen wegen Auswirkungen auf die Umwelt: Ein Vertreter von Armasuisse habe auf die Frage zu diesem Thema hin geantwortet, dass sich Kleinlebewesen im Sperrbereich zurückziehen und die anderen das nicht überleben würden. «Das sind dann wohl die Vögel», so Schmid. Später sei die Aussage dann zwar relativiert worden: «Ich lasse aber trotzdem mit Bestimmtheit während der Tests meine Tiere nicht in die Nähe.» Zudem handle es sich bei der Wiese, auf der die schweren Fahrzeuge abgestellt würden, um eine Ökowiese. «Die ist dann schnell zusammengekarrt.»

Der Gemeinderat erfuhr gemäss der zuständigen Gemeinderätin Barbara Beck-Iselin Mitte Juni von den Tests und setzte sich für Anpassungen ein. «Beispielsweise wollte der Bund diese auf einem grösseren Areal durchführen, dann hätten wir zwei Monate die Wanderwege absperren müssen. Das geht nicht», so Beck-Iselin. Nun finden die Tests nur innerhalb des Armeegeländes statt. Zudem habe die Gemeinde abgeklärt, ob die Strassen überhaupt für den Transport von solch schweren Fahrzeugen geeignet seien. «Und wegen der grossen Skepsis der Bauern fand eine gemeinsame Sitzung mit diesen und Armasuisse statt.» Auch sei beschlossen worden, dass das Amt für Umwelt des Kantons die Strahlenmessungen von Armasuisse zu den Tests als unabhängige Instanz überwacht. Auch werden Wohnhäuser mittels technischer Einstellungen abgeschirmt. «Und wir haben erreicht, dass bei den Aufträgen rund um die Übungen das lokale Gewerbe zum Zug kommt.» Für Benedikt Schmid bleiben aber Fragezeichen. «So ein Versuch gehört einfach nichts ins Naherholungsgebiet.»

Stellungnahme von Armasuisse

(cg) Die erste Informationsveranstaltung mit den Pächtern auf der Anlage sei am 14. Juni durchgeführt worden, heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme von Armasuisse. Aufgrund der Wünsche und Bedürfnisse der Bauern sei der Kreis der Beteiligten für eine zweite Besprechung erweitert worden. Selbstverständlich habe man sich um eine einvernehmliche Lösung bemüht, schreibt Armasuisse-Sprecher Kaj-Gunnar Sievert. Der Armeeübungsplatz Gubel erfülle die Anforderungen zur Erreichung der Erprobungsziele sowie die logistischen Anforderungen. «Noch weniger bevölkerte Gebiete erfüllen oft nur wenige bis gar keine dieser Anforderungen.» Dank dem Dialog mit den Anwohnern sei zudem sichergestellt worden, «dass die Bevölkerung nur minimal durch die Erprobung eingeschränkt wird.» Die grösste Einschränkung sei der Zufahrtsverkehr. Um das Material möglichst effizient zum Einsatzort zu transportieren, werde zudem darauf geachtet, den Landschaden möglichst gering zu halten.

Zur Aussage des Armasuisse-Vertreters, auf die Schmid Bezug nimmt, schreibt Sievert: «Vom Leiter des Kompetenzzentrums für nichtionisierende Strahlung wurde beim zweiten Gespräch mit den Bauern klar dargelegt, dass die Aussage des Teilprojektleiters falsch war.» Gemäss weitreichenden wissenschaftlichen Untersuchungen gebe es keine belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und Pflanzen durch hochfrequente elektromagnetische sowie niederfrequente und statische elektrische und magnetische Felder unterhalb der Grenzwerte.