Ausstellung: Ein Neuanfang in Zug mit frechen Akzenten

Die Jahresausstellung von Kubeis, der Kunstwerkstatt von Menschen mit Beeinträchtigung, wurde am Donnerstag eröffnet.

Monika Wegmann
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Die Ausstellung zeigt Zeichnungen und Malereien, Serien, Drucke Objekte und Installationen. (Bild: Maria Schmid, Zug, 14. November 2019)

Die Ausstellung zeigt Zeichnungen und Malereien, Serien, Drucke Objekte und Installationen. (Bild: Maria Schmid, Zug, 14. November 2019)

Immer wieder gelingt es den Teilnehmern von Kubeis, der Kunstwerkstatt an der Lorze in Cham, mit ihrem vielfältigen und künstlerischen Schaffen zu überraschen. Das ist auch bei dieser Jahresausstellung der Fall, die unter dem Motto «Neuanfang» erstmals in der Shedhalle stattfindet. Am Donnerstag fand die Vernissage statt. Und diesmal sind 233 Werke zu sehen, fast doppelt so viele Arbeiten wie sonst.

Lukas Meyer, Geschäftsführer von Kubeis, begründet das mit dem erweiterten Platzangebot. Das ermögliche es, einmal grössere Werke und Installationen zu zeigen, zudem sei die Halle hindernisfrei und ermögliche einen unverfälschten Blick auf die Kunst. Für ihn ist wichtig: «Hier soll man die Vorstellung von Behindertenkunst abstreifen und dagegen den Blick aufmachen für die breite Palette der künstlerischen Betätigung.»

Es ist ein Neuanfang für alle bei Kubeis, besonders wegen der neuen künstlerischen Leiterin Sandra Bucheli (46), die seit April in der Chamer Instutition tätig ist. Sie hat Kunst studiert und konnte die knapp 40 Teilnehmer animieren, «sich mehr zuzutrauen und Raum zu nehmen». Wie einzelne Arbeiten zeigen, wurde das umgesetzt.

Eine spezielle Raumaufteilung

Zusammen wurde die Ausstellung aufgebaut, aber nicht mit den üblichen Stellwänden, sondern mit einer speziellen Raumaufteilung. Von den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern wurden sieben Begriffe definiert, wie Umkehr, Revolution, Öffnung und so weiter, denen sie ihre Werke selber zugeordnet haben: So sind sieben farblich und atmosphärisch unterschiedliche Inseln entstanden. Hier hängen die Werke nicht an einer Wand, sondern sind ungerahmt auf den Kartonwänden zu sehen. Und auch die Zwischenräume werden für Kunstwerke genutzt.

Die improvisierte Vielfalt enthält abstrakte und figürliche Zeichnungen und Malereien, Serien, Drucke, Objekte und Installationen wie der geheimnisvolle «Darkroom» mit beleuchteten Scherenschnitten von anatomischen Details. Schon am Saaleingang wird das Publikum mit einem «Feuerwerk» über den Köpfen empfangen, das völlig ungefährlich – weil gehäkelt und gestrickt – die Wünsche der Besucher aufnimmt, wenn man sie anhängt.

Ein anderes Werk, die sieben Meter lange Papierbahn mit abstrakten, gezeichneten Formen, schwebt in der Raummitte. Bei Kubeis wird den Teilnehmern keine künstlerische Ausrichtung vorgegeben. Und wie Sandra Bucheli betont, sind alle Stile erlaubt, und «jeder kann mitmachen, aber niemand muss». «Mir ist wichtig, die Leute künstlerisch abzuholen, einen Diskurs oder Prozess zuzulassen. Ich rege sie an, auch zu erforschen, was in einer Ausstellung zwischen Werk und Besuchern passiert. Es ist wichtig für den Künstler, seine Arbeit zu hinterfragen, um ihn stärker zu fördern. Die meisten Teilnehmer sind offen für solche Impulse und lassen sich inspirieren.»

Moderner und vielfältiger

Lukas Meyer ist überzeugt, dass sich die neue Linie bereits im künstlerischen Ausdruck bemerkbar macht: «Ein Teil der Leute ist aufgeblüht, sie saugen alle Impulse auf, andere sind zurückhaltender. Aber auch das ist ok. Vieles ist bei uns möglich. Im Unterschied zu vorher erscheint mir das Schaffen jetzt frecher, moderner und vielfältiger.»

Die Ausstellung läuft bis zum 24. November in der Shedhalle Zug, Hofstrasse. Sie ist geöffnet: Di und Mi 11-8 Uhr, Do und Fr 11-20 Uhr, Sa und So 11-16 Uhr. Rahmenprogramm: Sa, 16. November, 19 Uhr Konzert von Anna Trauffer; Sa, 23.November, 19 Uhr, Lesung mit Judith Keller, jeweils ab 18 Uhr.