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Kühler Kopf in Krisensituationen

Beatrice Tschanz war langjährige Kommunikationschefin der Swissair. In einem Vortrag in Unterägeri erzählte sie den Besuchern aus ihrem Leben und wie man kommuniziert, wenn es brenzlig wird.
Vanessa Varisco
Beatrice Tschanz erzählte aus ihrem Leben in der gut gefüllten Ägerihalle. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. April 2019)

Beatrice Tschanz erzählte aus ihrem Leben in der gut gefüllten Ägerihalle. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 11. April 2019)

Gute Kommunikation erfordert vor allem Offenheit betont Beatrice Tschanz. So hat sie es auch am Donnerstagabend an ihrem Vortrag in der Ägerihalle gehalten. Die langjährige Kommunikationschefin von Swissair nimmt kein Blatt vor den Mund, als sie aus ihrem Leben berichtet. Sie beleuchtet Aspekte guter Kommunikation und erklärt, wie Pannen und Peinlichkeiten vermieden werden können. «Offenheit ist in Krisensituationen auch deshalb entscheidend, weil es sonst an der Glaubwürdigkeit hapert. Und dann wird es schwierig», beginnt Tschanz. Mit Kommunikation in Krisensituationen kennt sie sich aus, war sie doch Stimme und Gesicht der Swissair, als sich 1998 in Halifax (Kanada) das tragische Flugzeugunglück ereignete. Über 200 Menschen kamen dabei ums Leben.

«Transparenz haben wir geschaffen, indem wir jede gesicherte Information sofort rausgegeben haben», schildert sie. Dabei komme es weniger darauf an, in geschliffenen Sätzen zu reden, vielmehr sei es relevant, «echt» zu sein. Die Zeit war intensiv, es sollte für die Angehörigen gesorgt werden, gleichzeitig schrieb Tschanz nächtelang Trauerreden und die Medien berichteten unaufhörlich über das Unglück. «Kommunikation ist kein Wundermittel und lässt die Krise nicht verschwinden», ruft sie den Besuchern ins Gedächtnis und ergänzt: «Die Krise muss man ertragen.» Dass ihre Idee der transparenten Kommunikation nicht jedermanns Geschmack ist, erlebte Tschanz im Zusammenhang mit dem Dieselskandal. In dieser Situation seien einige Kommunikationsexperten einberufen worden, so auch sie.

In der Kürze liegt die Würze

Der VW-Konzernchef Martin Winterkorn wollte damals nur eines wissen: «Was soll ich jetzt tun?» Da bis dahin die Informationen um die überwiegend illegale Manipulation zur Umgehung gesetzlich vorgegebener Grenzwerte für Autoabgase nur zurückhaltend und häppchenweise öffentlich wurden, riet ihm Tschanz: «Hinstehen und sagen: Ich übernehme die volle Verantwortung.» Daraufhin habe Winterkorn einen roten Kopf bekommen, sie habe ihr Mäppchen genommen und sei wieder gegangen. Zu einem späteren Zeitpunkt habe er sie angerufen und zugeben, ihre Strategie wäre wohl die bessere gewesen.

Die vielen Besucher lauschen der Vortragenden gespannt. Der Andrang war grösser als erwartet, mussten doch zu Beginn der Veranstaltung noch mehr Stühle in die Ägerihalle getragen werden. Durch die Beispiele aus ihrem Leben präsentiert sie die Aspekte guter Kommunikation anschaulich, ohne dabei aktuelle Themen zu vernachlässigen.

Dass glücklicherweise nicht jeder in seinem Leben mit der Aufgabe konfrontiert wird, über einen Absturz mit Todesopfern oder verschmutzte, künstliche Hüftgelenke der Sulzer Medica zu kommunizieren, wie sie es getan hat, weiss Beatrice Tschanz. Deshalb gibt sie Tipps für die Kommunikation im Alltag. Einer davon: In der Kürze liegt die Würze, was bedeutet, einfache und kurze Sätze zu formulieren. Einige Besucher nicken. «Vergessen Sie den gesunden Menschenverstand nicht», resümiert Tschanz und stellt neckisch fest: «Auch wenn er einigen abhanden zu kommen scheint.»

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