Kulisse Zug – wenn sich Sterngucker nahekommen

Der Verein führte ein Kurzstück zum Thema Nähe auf. Eine Herausforderung, die bravourös gemeistert wurde.

Haymo Empl
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Die Kulisse Zug lotet das Thema Nähe aus.

Die Kulisse Zug lotet das Thema Nähe aus.

Bild: Matthias Jurt (25. September 2020)

Dass nicht nur Liebe, sondern Hingabe hinter dem Projekt «Die Kulisse» steckt, wurde am Freitagabend beim Apéro klar: liebevoll gereichte Häppchen und ein Verein, der bereit war, an diesem Abend Ausgewöhnliches zu leisten.

In der Gewürzmühle findet jeweils am letzten Freitag im Monat eine «Lobby» statt: Ein Verein oder eine Gruppe kocht für Gäste und bietet dazu einen kulturellen Anlass. Wie der Name «Die Kulisse» verrät, ging es am Freitag um Theater.

Nähe trotz Schutzkonzept

Aber nicht nur: Serviert wurden nicht nur kulinarische Häppchen, sondern eben auch Theater dazu. Oder war es vielleicht umgekehrt? «Das Anliegen des Vereins ist es, Stücke zu spielen, die unterhalten, die berühren, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen», erklärt Pia Irányi. Sie ist die Präsidentin von «Die Kulisse Zug». «Es soll ein Theaterabend werden, der etwas Nachhall erzeugt, etwas hängen bleibt.» Nach dem Apéro dann die Vorspeise: ein Gedicht. Schliesslich das Theater; der Abend stand unter dem Thema Nähe, was bei Corona doppelt neugierig macht: Wie wird diese Vorgabe erfüllt, trotz vorgegebenem Schutzkonzept? Indem man durch die Protagonisten im Stück eine Intimität erzeugt, die rührend und berührend ist. Und das ist Regisseurin Eva Mann mit ihrem Ensemble mehr als nur gelungen. Zwei Langverheiratete an ihrem nicht ganz harmonischem Hochzeitstag sowie eine Exilzugerin, die nach Dekaden an den Ort ihrer ersten Liebe zurückkehrt. Und dann noch ein kauziger Mann, der die jeweilige Szenerie beobachtet und sich widerwillig ins Geschehen einbringt: Er wollte eigentlich nichts anderes als den Sternenhimmel betrachten. Oder wollte er vielleicht doch mehr? Suchte auch er die Nähe zu anderen?

Genau solche Fragen machte das Theater so spannend. Eva Mann schaffte es, mit dosiert eingesetztem Minimalismus viel zu erzeugen, und liess Raum für die eigene Interpretation. «Wenig Spielende auf der Bühne, minimale Ausstattung, keine Spezialeffekte – da muss alles im Text, den Figuren und ihrem Zusammenspiel liegen. Das ist eine Herausforderung. Aber eine, die ich sehr gerne mag», fasst Eva Mann zusammen. Nähe unter den Figuren, Nähe aber auch zum Rezipienten. «Theater ist Krafttraining für den Empathiemuskel. Die Zuschauenden haben Gelegenheit, jede Figur, ihre Bedingtheit, ihre Stärken und ihre Macken zu verstehen», führt die Regisseurin weiter aus.

Nach dem Hauptgang, dem Dessert und guten Gesprächen unter dem Publikum, angestossen durch das auf der Bühne Erlebte, ging es dann in die regnerische Herbstnacht. Und bei jedem «hallte» das Stück noch nach. Ganz im Sinne der Schauspieler, die am Freitagabend Höchstleistungen vollbracht hatten.