Kultur
Intendantin Katrin Kolo verlässt das Theater Casino Zug

Die Intendantin und der Vorstand der Theater- und Musikgesellschaft Zug haben im Einvernehmen entschieden, ihre Zusammenarbeit wegen Diskrepanzen hinsichtlich der längerfristigen strategischen Ausrichtung des Hauses nicht fortzuführen. Die Nachfolge ist noch nicht bestimmt.

Andreas Faessler
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Die bisherige Intendantin des Theaters Casino Zug, Katrin Kolo.

Die bisherige Intendantin des Theaters Casino Zug, Katrin Kolo.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 14. August 2020)

Am 21. Oktober 2019 trat Katrin Kolo die Nachfolge des langjährigen TMGZ-Intendanten Samuel Steinemann an, welcher am Künstlerhaus Boswil eine neue Herausforderung gefunden hatte. Die gebürtige Münchnerin, akademisch ausgebildete Tänzerin und Diplomvolkswirtin mit Führungserfahrung, fand in Zug – so sagte sie damals –, wonach sie gesucht hatte: ein Vielsparten-Haus mit hohem Potenzial und viel Raum für neue Ideen.

Diese brachte sie bereits – und trotz der erschwerten Bedingungen durch die Pandemie – in der Gestaltung des Saisonprogrammes 20/21 ein, legte einen Schwerpunkt auf vermehrte Co- und Eigenproduktionen auf lokaler und internationaler Ebene sowie Bezüge zu Zug und zur Zuger Bevölkerung. Sie stellte ein umfassendes, künstlerisches Programm für verschiedene Publikumsschichten auf die Beine. Dabei setzte sie sowohl auf Begegnungen zwischen Publikum und Künstlerinnen und Künstlern wie auch auf eine stärkere Öffnung des Hauses für die Zuger Kunstszene.

Jedoch konnten nicht alle Ideen und Pläne Katrin Kolos vom Vorstand geteilt werden, wie aus einer Mitteilung der Theater- und Musikgesellschaft Zug (TMGZ) am Mittwoch hervorgeht. «In den Gesprächen über die längerfristige strategische Ausrichtung des Theaters Casino Zug hat sich gezeigt, dass sich die Vorstellungen von Katrin Kolo und dem Vorstand nicht decken», schreibt TMGZ-Präsident Johannes Stöckli. Es habe sich nach und nach abgezeichnet, dass beide Seiten diesbezüglich unterschiedliche Ziele verfolgen. Deshalb sei man einvernehmlich zum Entschluss gekommen, die Zusammenarbeit nicht fortzuführen. Wo konkret die Diskrepanzen lagen und liegen, darüber möchte sich der Vorstand zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht äussern.

Was Katrin Kolo in ihrer kurzen Amtszeit für das Haus geleistet hat, würdigt die TMGZ dankend. Präsident Stöckli sagt:

«Wir waren mit ihrer Arbeit zufrieden, und sie hat für die Saison 20/21 ein gutes, reichhaltiges Programm auf die Beine gestellt.»

Was die künftige Strategie des Hauses angeht, das werde sich erst noch zeigen, der Prozess sei im Gange. «Jedenfalls wollen wir die bisherige Kontinuität erhalten und auf dem, was Samuel Steinemann und nun auch Katrin Kolo in der kurzen Zeit realisiert haben, aufbauen.»

Phil Dankner springt ein

Aufgrund der vorläufig immer noch unsicheren Lage für Kulturbetriebe sieht die TMGZ davon ab, einen festen Ersatz für die frei werdende Stelle zu suchen. Dank persönlicher Vernetzung hat die TMGZ Phil Dankner, ehemals künstlerischer Leiter der Chollerhalle Zug, für ein temporäres Mandat verpflichten können, vorerst bis Ende 2021. «Diese Lösung kommt für beide Seiten gelegen», sagt Johannes Stöckli dazu. «Wegen der Pandemie ist es Phil Dankner als Kulturschaffendem zeitlich möglich, diese Aufgabe zu übernehmen. Er hat einschlägige Erfahrungen und ist deshalb auch im Stande, in Abstimmung mit dem Vorstand kurzfristig ein solides Programm für das Theater Casino auf die Beine zu stellen.»