KULTUR: Sie sucht den Inhalt, nicht die Form

Die junge Zuger Musikerin Jasmin Lötscher spricht über ihre Musik, über Neue Musik und darüber, was Erfolg bedeutet.

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Jasmin Lötscher in der Altstadt «ihrer Stadt». (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 8. Februar 2017))

Jasmin Lötscher in der Altstadt «ihrer Stadt». (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 8. Februar 2017))

«Ich habe diese Liebe, dieses Verlangen nach schönen Melodien und Geräuschen. Sogar nach solchen, die eigentlich gar nicht schön sind.» Ein Strahlen huscht über ihr Gesicht, und die eigenen Spiegelneuronen schlagen Purzelbäume. Die Zuger Musikerin mit der ansteckenden Ausstrahlung nennt sich Jazzmin. An der Musikhochschule Luzern ist sie jedoch mit ihrem bürgerlichen Namen Jasmin Lötscher immatrikuliert. Die knapp 21-Jährige lernte die Musik in spielerischer Neugier und Unvoreingenommenheit kennen, seit sie als Kind mit ihrem Vater durch die Musikgeschäfte tingelte. «Mein Vater war selbst Musiker und kaufte mir ab und an kleine Instrumente, wenn ich ihn in die Musikgeschäfte der Stadt begleitete.»

«Die Stadt», das ist für Lötscher Zug. Hier ist sie geboren und aufgewachsen. Eng mit der Musikschule verbunden, geniest sie hier jedes Eckchen Kultur, das sie ergattern kann, und bemüht sich, mit ihrem eigenen Schaffen der Szene und der Gesellschaft wieder etwas zurückzugeben – das Schwungrad der kreativen Kraft in dieser kleinen Stadt am Laufen zu halten. Dabei beschränkt sie sich nicht darauf, als Jazzmin, Singer-Songwriterin, Multiinstrumentalistin und Loop-Künstlerin die Bühnen der Stadt zu bespielen, sondern bringt sich in verschiedenen Projekten und Formationen kreativ ein. «Ich finde es wahnsinnig spannend, diese absolute Freiheit zu entdecken. Musik kann man machen, wie man will: Es gibt keine Grenzen, keinen, der mir vorschreibt, wie Musik klingen soll.» Der herkömmlichen Grenzen in Form und Klang der populären und der klassischen Musik entledigt sich Lötscher spielend und erkundet neugierig, was jenseits der herkömmlichen Hörgewohnheiten auf sie wartet. «Das einzige Kriterium, das ich an meine Musik stelle, lautet: Ist das authentisch? Bin das ich?» Das hält sie so, seit ihr der Posaunenlehrer Roland Dahinden vorgeschlagen hat, zur Abwechslung mal zu Walgesängen zu improvisieren.

Nicht immer harmonisch

«Freie Impro» nennt sich das. Oder auch Neue Musik. Und dabei dreht sich alles darum, ausserhalb der tradierten Form einen eigenen Ausdruck für Gefühle zu finden: mit «sounds» und «noises» – so der dem Englischen entlehnte Fachjargon –, also mit Klängen und Geräuschen, die nicht immer wohlgeformt und harmonisch sein müssen. Nacktes Gefühl soll transportiert werden. Losgelöst vom Glitter und Tüll der Musikgeschichte. Ohne Rücksicht auf die Form. Eigentlich ein bisschen wie Ausdruckstanz, nur lauter. Eines der Projekte, in denen sich Lötscher ganz dieser Entdeckungsreise hingab, war das Raumfahrtorchester der Musikschule Zug. Roland Dahinden sagte dazu einmal gegenüber «Zug Kultur»: Das Projekt solle ein Statement sein gegen die Vollzugskultur in Musikschulen, und es solle ein Kontrastprodukt zur üblichen Musikpädagogik bilden, welche die Schüler viel zu oft nur streng nach Noten exerzieren lasse. Bei Lötscher muss man sich in puncto musikalischer Selbstständigkeit jedoch keine Sorgen machen. Seit ihrer Maturaarbeit und ihrer ersten Platte «Rhymes, Loops & Soul» geht sie ebenso versiert wie selbstsicher ihren eigenen Weg. Neben dem freien künstlerischen Schaffen studiert sie seit einem halben Jahr Musik und Bewegung an der Musikhochschule Luzern. «Ich möchte mir mit dem Studium eine Basis schaffen, auf der ich arbeiten kann – sowohl pädagogisch wie auch künstlerisch.» Dem «grossen Durchbruch» fiebert Lötscher nicht entgegen. «Sollte mir so etwas einmal passieren, würde es mich freuen, aber um Erfolg im kommerziellen Sinne bin ich nicht bemüht. Ich will mein Leben lang Musik machen. Wenn ich das schaffe, habe ich mein Ziel erreicht.»

 

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch