Coronapandemie
Nach den Lockerungen: Die Zuger Kultur kommt langsam ins Rollen

Seit der Bundesrat grünes Licht für einen beschränkten Kulturbetrieb gegeben hat, erwachen die Veranstaltungsorte wieder aus ihrem Coronadornröschenschlaf. Ein kostendeckender Betrieb jedoch bleibt vorerst Wunschdenken.

Andreas Faessler
Merken
Drucken
Teilen

Allmählich kehrt allgemein etwas Leben zurück in den Alltag, seit die Aussenbereiche der Gastrobetriebe, Sport- und Kultureinrichtungen wieder geöffnet sind. Es herrscht – zumindest vordergründig – ein Hauch von Normalität. Die zögerliche Wiederbelebung bedeutet selbstredend noch lange nicht eine Prä-Coronasituation, vor allem nicht für die Kultureinrichtungen, wie eine Nachfrage bei Zuger Betrieben zeigt. Denn wie wohl in den meisten anderen Branchen ist hier an eine rentable Bespielung bei weitem nicht zu denken angesichts der Auflagen: Diese erlauben Veranstaltungen mit maximal 50 Personen respektive nicht mehr als einem Drittel der Kapazität.

«Für uns ist das aber sicher besser als gar nichts», sagen Madeleine Flury und Giannina Masüger vom Theater im Burgbachkeller dazu. «Es erlaubt uns, im kleinen Rahmen Veranstaltungen durchzuführen und so den Kulturschaffenden Auftrittsmöglichkeiten zu bieten und den Kontakt zum Publikum nicht zu verlieren.» Dieser Ansicht ist man auch bei der Theater- und Musikgesellschaft Zug (TMGZ). «Obwohl wir einzelne internationale und sehr teure Produktionen haben absagen müssen, freuen wird uns jetzt, dass zumindest wieder Leben in unsere Säle kommt», sagt die TMGZ-Marketing und Kommunikationsverantwortliche Jennifer Fluck. Es fänden im Theater Casino allerdings nur Veranstaltungen statt, die aus Kostengründen und hinsichtlich Reiseaufwand der Künstler «guten Gewissens» realisiert werden könnten, «denn ein kostendeckender Betrieb ist so natürlich nicht möglich», fährt Jennifer Fluck fort.

«Die uns zur Verfügung gestellten Gelder der öffentlichen Hand investieren wir nun in die Wiederbelebung des – analogen – Kulturlebens.»

Die finanzielle Frage beschäftigt den Burgbachkeller nicht weniger: Die Einbussen bleiben hoch, ebenso die Absagen von Anlässen und der damit verbundene administrative Aufwand. «Immerhin kommt nun durch den eingeschränkten Betrieb durch die Ticketverkäufe wieder etwas Geld rein», fügen Madeleine Flury und Giannina Masüger an. «Und die Motivation von allen Mitarbeitenden steigt, denn es ist toll, wieder Zuschauende im Burgbachkeller zu begrüssen.»

Publikum ist noch zurückhaltend

Im Theater Casino stehen die ersten Kulturanlässe seit der Wiedereröffnung erst kurz bevor. Am Dienstag, 27. April, macht die English Stand-up Comedy den Anfang. «Die Reihe ist sehr beliebt, daher ist der Kartenverkauf sehr gut gestartet», sagt dazu Jennifer Fluck. Generell lasse sich festhalten, dass die Ticketverkäufe für Vorstellungen in den nächsten zwei Wochen gut liefen.

«Doch merkt man, dass das Publikum noch eher zurückhaltend ist bei Ticketkäufen weiter im Voraus.»

Auch der Vorverkauf im Burgbachkeller kommt allmählich wieder ins Rollen. Am Samstag, 24. April, ging's los mit dem Duo Luna Tic. Die Vorbereitungszeit sei allerdings recht kurz und somit auch die Werbeaktivitäten entsprechend eingeschränkt gewesen, sagen die beiden Betreiberinnen. «Aber unser Stammpublikum hat auch schon für einige weitere Veranstaltungen Tickets gebucht.»

Starke Produkte fehlen

In den Zuger Kinos ist der Startschuss am Donnerstag gefallen: An jenem Nachmittag und Abend fanden im Kino Seehof – das «Gotthard» und das «Lux» in Baar bleiben vorerst noch zu – insgesamt sechs Filmvorführungen statt. Auch für Kinobetreiber Thomas Ulrich ist ein eingeschränkter Betrieb die bessere Option als weiterhin geschlossen zu haben, selbst wenn hier an eine Kostendeckung ebenfalls nicht zu denken ist, erst recht nicht wegen des Konsumationsverbotes.

«Immerhin aber dürfen jene,
die wollen, so wieder ins Kino.»

Eine besondere Herausforderung angesichts dieses stark eingeschränkten Betriebes sei die Tatsache, dass man sich nicht auf gewohnte Arbeitsabläufe stützen könne und vieles neu erfinden müsse. Doch sei der Kinobetrieb hinsichtlich Angebot das Hauptproblem: «Viele starke Produktionen bleiben für uns unzugänglich, solange Frankreich, Deutschland und Grossbritannien noch keinen flächendeckenden Kinobetrieb haben.»

Doch was an Filmen bei der Wiederaufnahme vorhanden war, erfuhr eine Nachfrage, so Thomas Ulrich – auch wenn keine der Nachmittagsvorstellungen ausverkauft gewesen sei, wohl wegen des schönen Wetters. «Aber jene, die hier waren, hatten sichtlich Freude, wieder ins Kino zu können.»