KUNDGEBUNG: Kommen Autonome nach Zug?

Auf einschlägig bekannten Plattformen wird eine Anti-WEF-Demonstration angekündigt. Die Geschäfte in der Umgebung des Treffpunkts blicken dem Anlass gelassen entgegen.

Samantha Taylor
Drucken
Teilen
So wie in Luzern vor einigen Jahren könnte es bei der Anti-WEF-De­mons­tration am 23. Januar in Zug aussehen. (Archivbild Roger Zbinden)

So wie in Luzern vor einigen Jahren könnte es bei der Anti-WEF-De­mons­tration am 23. Januar in Zug aussehen. (Archivbild Roger Zbinden)

Samantha Taylor

«Zug um Zug zur sozialen Revolution – Wipe out WEF»: Mit diesen Worten wird eine Demonstration angekündigt, die sich gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) richtet. Grössen aus Politik und Wirtschaft treffen sich in diesem Jahr vom 20. bis 23. Januar wieder in Davos. Durchgeführt werden soll die Gegendemonstration des Anti-WEF-Bündnisses zu diesem Anlass am Samstag, 23. Januar. Ort des Geschehens ist diesmal Zug. Der Treffpunkt ist auf 15 Uhr auf dem Bundesplatz angesetzt.

Linksautonome Kreise

Zu entnehmen ist dies unter anderem den Plattformen «Indymedia» und dem «Revolutionären Aufbau». Beide sind dem linksautonomen Lager zuzuordnen und bekannt dafür, dass auch Proteste aus ebendiesem Lager über sie organisiert werden. Eines der Gründungsmitglieder des «Revolutionären Aufbau Schweiz» ist die Zürcher Linksaktivistin Andrea Stauffacher. Der Begleittext auf «Indymedia» findet denn auch deutliche Worte für die Demonstration in Zug. «Wir kritisieren nicht nur das WEF als Veranstaltung, sondern das kapitalistische System, welches an ebendieser Veranstaltung die globale Ausbeutung vernetzt und plant», heisst es etwa auf der Seite. Zug erachten die Veranstalter als idealen Ort für ihre diesjährige Kundgebung. «Diverse internationale Konzerne wie Glencore, Roche, Sika und Siemens haben hier ihren Sitz, um im sicheren Steuerparadies bequem ihre Geschäfte zu planen und zu tätigen.» Diese Geschäfte seien verheerend für Hunderte Millionen Menschen und die Umwelt, schreiben sie weiter.

Aber nicht nur die grossen Konzerne sind dem Bündnis ein Dorn im Auge und bringen es nach Zug. Auch der Kanton selbst wird aufgrund seiner Steuerpolitik harsch kritisiert. «Um den Standort attraktiv zu gestalten und noch mehr gut betuchte Steuerzahler anzulocken, werden ganze Quartiere durch Renovation und Neubau moderner Betonklötze und Hochhäuser aufgewertet.» Viele Menschen würden so aus Zug vertrieben. Das Anti-WEF-Bündnis kommt am Ende zu einem deutlichen Slogan und Aufruf: «Steueroase trockenlegen – auf nach Zug!»

Polizei gibt sich bedeckt

Der Zuger Polizei ist der Aufruf bekannt, wie Judith Aklin, Mediensprecherin der Zuger Strafverfolgungsbehörden auf Anfrage unserer Zeitung Auskunft gibt. Auf die Frage, ob die Demonstration bewilligt sei, äussert Aklin: «Es liegt derzeit noch kein Gesuch bei der zuständigen Behörde vor.» Man bereite sich auf die Kundgebung vor. «Die Einsatzplanung läuft», so die Mediensprecherin. Wie diese aussieht, mit wie vielen Personen die Zuger Polizei vor Ort sein wird und mit welcher Anzahl Demonstranten sie rechnet, dazu gibt Aklin jedoch keine Auskunft. Auch will sie keine Angaben dazu machen, ob man mit Ausschreitungen und Chaoten rechnet. Aus polizeitaktischen Gründen, wie es heisst. Nur so viel lässt sie verlauten: «Die Erfahrungen anderer Kantone werden in die polizeiliche Lagebeurteilung einfliessen.» Ausserdem stehe man in Kontakt mit verschiedenen Firmen.

Hoffen auf Polizei

Auch die im Text von «Indymedia» namentlich genannten Firmen halten sich mit Aussagen zu allfälligen Vorbereitungen auf die Demonstration zurück. Bei Glencore ist keine Auskunft zu erhalten. Seitens der Siemens heisst es einzig, dass man mit der Polizei und den Behörden in Kontakt stehe. «Über unseren Werkschutz und unsere Sicherheitsvorkehrungen können wir keine Auskunft geben.»

Etwas gesprächiger hingegen sind einige der Geschäfte rund um den Bundesplatz. «Wir nehmen diese Kundgebung sehr ernst und ich werde an dem Tag selbst im Geschäft vor Ort sein», sagt Bruno Heini, Besitzer der Konditorei Treichler. Grundsätzlich habe er Vertrauen in die Arbeit der Polizei. Darum werden auch keine Vorkehrungen getroffen. «Wir haben aber unsere Mitarbeiter informiert und wir behalten uns vor, falls nötig, das Geschäft zu schliessen. Zum Schutz unserer Mitarbeiter und Kunden», so Heini. Er hoffe jedoch, dass die Polizei bei allfälligen Ausschreitungen rechtzeitig eingreife. «Man darf Mörder der Demokratie nicht einfach gewähren lassen», betont Heini. Elle Steinbrecher, Mediensprecherin bei Manor sagt: «Wir stehen in engem Kontakt mit der Polizei und haben aufgrund der vorliegenden Informationen ein entsprechendes Dispositiv vorbereitet.» Konkreter will sie nicht werden.

Etwas gelassener sieht man bei der Foto-Optik Grau dem Anlass entgegen. «Wir werden das Geschäft nicht schliessen und wir hegen auch keine grossen Befürchtungen, dass es da zu Ausschreitungen kommt», sagt Fotofachmann Beat Grau. Zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Thema äussern will man sich bei Coop City und bei Bücher Balmer.

Zuger Polizei am Davoser WEF

Das Weltwirtschaftsforum findet vom 20. bis zum 23. Januar in Davos statt. Bei dem Treffen werden laut Judith Aklin, Mediensprecherin der Zuger Strafverfolgungsbehörden, auch Einsatzkräfte der Zuger Polizei vor Ort sein. Wie viele Zuger nach Davos reisen und welche Aufgaben sie dort übernehmen werden, kann laut Aklin aber aus polizeitaktischen Gründen nicht bekannt gegeben werden.