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KUNST: Expertentag in Zug: Viele wollten zu Sotheby’s

Ist es echte Kunst, und was ist es wert? Am rekordverdächtigen Expertentag von Sotheby’s in Zug brachten Privatpersonen ihre Objekte zu den Fachleuten. Darunter waren einige sehr kostbare Raritäten. Für manche aber fiel die Expertise ernüchternd aus.
Andreas Faessler
Experte Stefan Puttaert von Sotheby’s Zürich nimmt ein Gemälde aus dem 18. Jahrhundert unter die Lupe. Rund 70 Zugerinnen und Zuger haben am gestrigen Expertentag ihre Preziosen zur Begutachtung vorbeigebracht. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 4. April 2017))

Experte Stefan Puttaert von Sotheby’s Zürich nimmt ein Gemälde aus dem 18. Jahrhundert unter die Lupe. Rund 70 Zugerinnen und Zuger haben am gestrigen Expertentag ihre Preziosen zur Begutachtung vorbeigebracht. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 4. April 2017))

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Wo Sotheby’s ist, da gehts um wertvolle Kunst. Und Kunst fasziniert, hat sie schon immer, quer durch alle Generationen. Am gestrigen Tag hat jedermann zwischen 10 und 17 Uhr seine mutmasslichen Kunstgegenstände von zu Hause zur UBS in Zug bringen können, wo Experten des renommierten Auktionshauses einen fachmännischen Blick drauf geworfen und Licht in so manches Dunkel gebracht haben.

Als kleiner, sagen wir Hobbykunstliebhaber will auch ich diese Gelegenheit beim Schopf packen. Gleich zwei Bilder habe ich von der Wand über dem Sofa genommen und vorbeigebracht. Das Interesse an der Aktion ist dem Anschein nach sehr gross. «Wir sind bereits zu Beginn förmlich überrannt worden», wird mich Stefan Puttaert später wissen lassen. Er ist Chef von Sotheby’s Zürich und selbst auch als Begutachter vor Ort (siehe auch «Nachgefragt»). Erwartungsvolle Besucher sitzen im Vorraum, sie tragen Taschen bei sich. Was wohl alles drin ist?

Den Experten werden Objekte aus allen möglichen Sparten vorgelegt. «Ein Grossteil der Gegenstände, die wir an Expertentagen evaluieren, haben einen Wert zwischen null und tausend Franken», weiss Sotheby’s-Experte Urs Lanter. «Sehr oft erhalten wir auch Werke von lokalen Künstlern gezeigt, die zwar gut sind, aber keinen grossen Marktwert haben.» Aber es kommt ja nicht jeder Besucher mit Verkaufsabsichten. Viele Leute haben zu Hause seit Jahrzehnten einen Gegenstand stehen oder hängen, über dessen monetären Wert sie nichts wissen. «Da nutzen sie die Gelegenheit und kommen zu uns, wenn wir in der Stadt sind. Einfach um Näheres darüber zu erfahren.»

Enttäuschende Erkenntnisse

Die Bandbreite an zu prüfenden Objekten am gestrigen Tag ist gross. Bereits nach drei Stunden sind Stiche begutachtet, Gemälde aus allen Epochen, viel Schweizer Kunst, afrikanische und asiatische Objekte, Silber, Schmuck, Porzellan oder römische Skulpturen – die sich dann als Kopien herausgestellt haben.

An solchen Expertentagen gibt es immer auch Enttäuschung und Desillusion. Wie etwa im soeben erwähnten Fall oder wenn der Wert beispielsweise einer antiken Zuckerdose aufgrund ihres sehr schlechten Zustandes als kaum nennenswert eingestuft werden muss und der emotionale Wert den Marktwert um ein Vielfaches übersteigt. Oder wenn eine vermeintlich uralte Meissen-Vase mit fernöstlichem Dekor als Massenware aus neuerer Zeit identifiziert wird. Und da ist auch ein Besucher gekommen mit einem geerbten Gemälde, hinter dessen Monogramm er einen hoch gehandelten Künstler vermutet hatte. Leider erweist sich diese Vermutung als falsch.

Ein gutes Objekt für den regionalen Markt

Garantiert nicht falsch hingegen ist meine Zeichnung von Max von Moos. Seine Signatur ist schliesslich klar und deutlich zu lesen. Ich erwarte gespannt das Fazit von Experte Urs Lanter. Er dreht das Werk um, schaut, ob es Etiketten oder Vermerke gibt, die auf die Provenienz des Bildes, also auf die Herkunft, hinweisen. «Das machen wir grundsätzlich. Unter anderem um auszuschliessen, dass es sich etwa um gestohlenes Kulturgut handelt», erklärt Lanter. Dann prüft er den aktuellen Markt für Von-Moos-Werke. «Der war vor 10 bis 15 Jahren besser als heute», weiss er. «Dann hängt es noch von der Technik ab. Ein gutes Ölgemälde des Luzerners ist höher zu bewerten als ein Aquarell oder eine Zeichnung.»

Mein von Moos zeigt einen Männerkopf, mit Kugelschreiber wohl in einem einzigen Zug zu Blatte gebracht. Das recht aussergewöhnliche Bild findet sichtlich Anklang bei den Experten. Dennoch fällt Urs Lanters Einschätzung auf einen Wert von «nur» 700 bis 900 Franken, was für die internationale und nationale Kundschaft von Sotheby’s weniger in Frage kommen würde. «Das wäre ein interessantes Werk für den lokalen Markt», zieht Lanter Fazit. Macht nichts, ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat. Ich möchte meinen von Moos ja gar nicht verkaufen. Ich bin fasziniert – die Experten verstehen ihr Handwerk und verfügen über enorm viel Wissen und Erfahrung. Sieht Sotheby’s im eigenen Hause eine zu geringe Erfolgschance für ein Objekt, so zeigt das Auktionshaus die besten Alternativen auf, wie und wo Verkaufswillige ihr Kunstwerk erfolgreich an den Mann bringen können.

Eine Besucherin sorgte gestern für besondere Begeisterung bei den Experten. Sie hat Fotos vorbeigebracht von ihrer sehr ansehnlichen Sammlung an Grafiken und Schweizer Kunst. «Das sind die Momente mit dem ‹Wow›-Effekt» sagt Stefan Puttaert. Erst recht, wenn die Person dann noch bereit ist, einige gute Stücke aus der Sammlung in eine Sotheby’s-Auktion zu geben.

Zur Abklärung nach London

Dazu wäre auch ich bereit im Falle meines nächsten Bildes, das ich jetzt Stefan Puttaert vorlege. Es ist ein sehr altes, unsigniertes Ölgemälde auf Holz, in späterer Zeit dem berühmten deutschen Barockmaler Philipp Peter Roos, genannt Rosa da Tivoli, zugeschrieben. Zumindest verrät das eine nachträglich angebrachte Plakette. Und tatsächlich gleicht der Malstil stark demjenigen von Roos. Aber dies lässt Stefan Puttaert vorerst ausser Acht. Er schaut sich das Gemälde genau an. «Ich würde sagen italienische Schule, 18. Jahrhundert, der Rahmen stammt wohl aus dem 20. Jahrhundert. Die Zuschrift muss angezweifelt werden. Stellenweise ist die Ausarbeitung etwas zu grob.»

Dennoch freut mich die Einschätzung: Als Werk eines anonymen Malers taxiert er das Bild auf einen Wert im unteren vierstelligen Bereich. «Toll», denke ich. «Wenn es als echter Roos identifiziert würde, läge der Wert natürlich weit höher», fügt Puttaert an. Ich lasse ihn mein Bild ablichten, damit er es an die Experten in London zur Beurteilung schicken kann. Jetzt bin ich gespannt.

Eine kostbare zeitgenössische Fotografie und mehr

Um 17 Uhr ist der letzte Ratsuchende weg. Stefan Puttaert ist hochbegeistert – rund 70 Zugerinnen und Zuger sind im Verlauf des Tages von den drei Sotheby’s-Experten beraten worden. «So viele Besucher an einem Expertentag hatten wir schon lange nicht mehr», sagt Puttaert. Neben der erwähnten wertvollen Sammlung der einen Besucherin hat gestern jemand eine sehr seltene zeitgenössische Fotografie vorbeigebracht, deren Wert im sechsstelligen Bereich liegt. Auch ein Altmeister der französischen Schule hat für besondere Aufmerksamkeit gesorgt, dessen Authentizität nun abgeklärt wird. Dasselbe gilt für eine antike Keramikfigur aus China.

Ob sich das eine oder andere Zuger Objekt von diesem Tag in der nächsten Auktion von Sotheby’s in Zürich wiederfinden wird? Am 27. Juni kommt dort Schweizer Kunst unter den Hammer.

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