In der Zuger Chollerhalle wird Kunst mit Kunst hinterfragt

Die 15. Ausstellung der Kunstpause präsentiert unter dem Motto «Ist das Kunst?» freche und tiefsinnige Malerei, Fotografie, digitale Kunst, Installationen, Musik und Performances.

Monika Wegmann
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Sam Heller (links) und Laura Hürlimann mit der Installation «Tangierte Grenzen» von Darja Shatalova. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 6. Juni 2019))

Sam Heller (links) und Laura Hürlimann mit der Installation «Tangierte Grenzen» von Darja Shatalova. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 6. Juni 2019))

So manche künstlerische Arbeit löst beim Betrachten die Frage aus, ob das noch Kunst sei. Vor allem bei den modernen Werken. Doch das Thema hat nicht erst mit der Abstraktion begonnen, sondern schon früher und steht in engem Zusammenhang mit dem Zeitgeist. Und die einzige Konstante ist der Wandel.

Einen Einblick in das zeitgenössische Kunstschaffen vermittelt bis Sonntag, 9. Juni 2019 die Ausstellung zum 15-jährigen Bestehen der Kunstpause Zug in der Chollerhalle. Die 20 jungen Teilnehmer zeigen die Vielfalt des heutigen künstlerischen Schaffens auf. Unter dem Motto «Ist das Kunst?» sind 18 Stationen aufgebaut, welche Kunst mit Computertechnik, Grafik, Foto, Design, Installationen und Performance verbinden. In den Arbeiten hinterfragen die Teilnehmer selber den Kunstbegriff und regen den Beschauer zum Nachdenken an.

Verschiedene Medien und Formen

So zeigt das Zürcher Duo TBC drei plüschige Wandbilder mit einer aus dem Wort «contemporary» durcheinander gewürfelten Buchstabenfolge, um auf die Dekonstruktion der Kunst-Welt hinzuweisen. Fernando Obieta hat sich in seiner interaktiven Videoinstallation CTRL mit dem Begriff der Kritik in den Künsten beschäftigt. In den zwei Videos der Zürcherin Franziska Winkler geht es auf ironische Art um den Kunstbegriff: In einem filmt sie sich im Atelier, während sie Videos über Bruce Naumann anschaut, der einmal gesagt habe, «whatever i do as an artist in the studio must be art».

Die experimentelle Filmerin Amélie Bargetzi, Zürich, hat sich in den Videoinstallationen mit dem Bauernleben beschäftigt. Es geht um eine Milchkuh, die für die Wahl der «Missvache» vorbereitet wird. Ronja Römmelt, Zürich, lässt in der Videoinstallation «UUAAWH» das Publikum miterleben, wie das Gähnen anstecken kann, und was passiert – vielleicht auch beim Zuschauer.

Mit der originellen Collage «Schlafende Hunde wecken» macht sich das Künstlerpaar Jasmin Polsini & Mynt über das Schubladendenken lustig. Frech, witzreich und gesellschaftskritisch sind die Malereien von Isabel Jakob, Wädenswil. Auch Raphael Viert schreckt in seiner Malerei nicht vor heiklen Themen zurück. Seda Uçak aus Ostermundigen vermittelt per «Pink Art Therapy I» Harmonie in Pastellfarben: Auf drei schmalen Fotos hat sie Naturmotive rosarot transformiert. Der Zuger Oliver Kümmerli zeigt eine analoge Fotoserie von einer Wanderung im Engadin. «Ich zeige den Weg objektiv und subjektiv: Bilder der Strecke habe ich mit Kartenausschnitten und Wegweisern wie eine Collage neu kombiniert», erklärt der Künstler und ergänzt: «Mein Hauptfokus ist die Fotografie. Mit der Collage kann ich eine neue Ebene hineinbringen.»

Beeindruckende Fotoserien

Der riesige Transferdruck auf Leinwand stammt von der Luzernerin Helen Eggenschwiler. Das Motiv vom Vierwaldstättersee hat sie durch Überlagerung mehrerer Schichten in eine imaginäre Landschaft verwandelt. Beeindruckend ist auch die Fotoserie des Baarers Shawn Teh, die eine Durchmischung von östlicher und westlicher Kultur darstellt. Dominic Wenger prangert den zunehmenden Druck der Gesellschaft an, welchem viele zum Opfer fallen, wie seine sensible Reportage aus einem Männerheim deutlich werden lässt. Als letztes Jahr das Werk «Salome» von Denys Shantar, Stäfa, durch Vandalen im Zugersee versenkt worden war, hat er davon das Video «Salome 2» erstellt und die Geschichte mit heiterem Unterton weiter gesponnen.

Um das Spannungsfeld von Mensch und Maschine geht es Daniel Züsli, Cham, der mit der Installation darauf hinweist, dass viele Menschen den technischen Entwicklungen und Möglichkeiten kritisch gegenüberstehen.

Die Ausstellung hat die Präsidentin der Kunstpause, Laura Hürlimann, mit einem Team sowie der Kuratorin Sam Heller zusammengestellt. «Der Kunstbegriff ist ein Thema, das immer wieder diskutiert wird. Schön, wenn sich die Leute eine Meinung bilden, denn es geht auch um den Betrachter», so Hürlimann. Wichtig ist ihr, den jungen Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten. Laut Sam Heller wird die Ausstellung nicht kopflastig präsentiert: «Im Rahmenprogramm wird die bildende Kunst mit Musik verbunden.»

Im Jubiläumsjahr sind weitere kulturelle Veranstaltungen geplant: www.kunstpause.ch

Hinweis: Die Ausstellung in der Chollerhalle Zug läuft bis Sonntag: Fr ab 17.30 Uhr, zwei Konzerte und Kunsttalk; Sa ab 14 Uhr, Kunstsause ab 22 Uhr, und So ab 12 Uhr, Führungen, 13 und 15.30 Uhr, Kunsttalk, 15.30 Uhr, 16.30 Uhr Finissage.