KUNSTHAUS ZUG: «Ich will, dass mehr Besucher kommen»

Nach internen Querelen verfügt die Zuger Kunstgesellschaft nun über eine neue Führungsperson. Diese will Konflikte vermeiden.

Wolfgang Holz
Drucken
Teilen
Neuer Präsident der Zuger Kunstgesellschaft: der 71-jährige Richard T. Meier aus Hünenberg See. (Bild Stefan Kaiser)

Neuer Präsident der Zuger Kunstgesellschaft: der 71-jährige Richard T. Meier aus Hünenberg See. (Bild Stefan Kaiser)

Herr Meier, wie fühlen Sie sich als neuer Präsident der Zuger Kunstgesellschaft?

Richard T. Meier: Sehr gut!

Haben Sie sich schon Ziele gesetzt?

Meier: Ich nehme die Dinge eher etwas «vorewäg». Das lehrt einen die Börse. Sicher habe ich in Sachen Kunsthaus noch einiges zu lernen. Andererseits schwebt mir vor, dass wir an der Doppelstruktur mit Kunstgesellschaft und Stiftung – zwei Vorständen, zwei Präsidenten – etwas arbeiten müssen, um die «Konfliktanfälligkeit» dieser Organisation zu reduzieren. Das machen wir am besten jetzt, da wir – die beiden Präsidenten – ein völlig unproblematisches und entspanntes Verhältnis zueinander haben. Sicher verfolge ich auch das Ziel, die Zahl der Besucher des Kunsthauses, insbesondere aus dem Kanton Zug – zu erhöhen.

Sie sind ein erfahrener Mann in Sachen Grossprojekten. Wie geht es nun mit dem neuen Kunsthaus weiter?

Meier: Meine Erfahrung mit so grossen Projekten – erst noch, wenn sie mit mehrstufigen politischen Prozessen verquickt sind – ist die, dass sie lange dauern und dass sie auf ihrem langen Weg von der Planung bis zur Realisierung viele unerwartete Windungen und Schlaufen durchlaufen. Prioritäten können sich da schnell ändern. Dann können Türen plötzlich wieder aufgehen, die jetzt definitiv zugeschlagen scheinen. Aber es werden zweifellos auch neue Möglichkeiten auftauchen. Wachsamkeit und Umsicht sind erstes Gebot, sich nicht auf irgendwas zu versteifen, ist das Zweite.

Könnten Sie sich eine Erweiterung am alten Standort vorstellen oder plädieren Sie für einen neuen Standort?

Meier: Mein Kenntnisstand reicht noch nicht aus, um diese Frage zu beantworten. So viel ich weiss, hat man an einer Erweiterung am jetzigen Standort herumstudiert. Das Ergebnis kenne ich nicht.

Welche Rolle soll denn Ihrer Meinung das Kunsthaus in Zug spielen?

Meier: Es soll für die Bevölkerung Begegnungsmöglichkeiten mit der Kunst bieten und das Verständnis in dieser Richtung unterstützen.

Chur erweitert sein Museum, Aarau hat schon lange ein neues – braucht Zug auch ein neues Kunsthaus?

Meier: Im Grunde genommen sind wir wieder in einer ähnlichen Situation wie vor 25 Jahren. Das Kunsthaus war damals im alten Kunsthaus in der Altstadt. Dort war und ist es eigentlich sehr hübsch und heimelig. Aber trotzdem hat man den Aufbruch zu neuen Ufern gewagt. Und das Resultat ist sehr beachtlich. Ich will nicht auf Einzelheiten eingehen. Aber man muss nur in die aktuelle Ausstellung gehen und sich den wunderschönen Balthasar-Burkhard-Saal ansehen oder auch die gewaltige «grüne Schlange» von Tuttle, um zu erfassen, was für Potenzial im heutigen Kunsthaus steckt. Mit den bestehenden Räumlichkeiten kann man zwar weiterhin ein Kunsthaus betreiben, aber man kann sein effektives Potenzial nicht ausnützen.

Wolfgang Holz

Zur Person

Die Zuger Kunstgesellschaft hat an ihrer jüngsten Generalversammlung Richard T. Meier zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Meier wohnt in Hünenberg See und hatte Führungspositionen bei der Zürcher und Schweizer Börse inne. Er war in kulturellen Gremien auf gemeindlicher und kantonaler Ebene tätig. Der 1943 geborene, promovierte Ökonom war von 1979 bis 2001 Präsident der Hünenberger Musikschule und spielt seit 50 Jahren als Bratschist im Orchester Cham-Hünenberg mit. Seit seiner Pensionierung übt er diverse Tätigkeiten an der Uni Zürich aus

«Nun werden wohl kleinere Brötchen gebacken»

wh. Wie geht es weiter mit dem vorerst gescheiterten Projekt eines neuen Kunsthauses? Bekanntlich konnte kein Mäzen mobilisiert werden für einen Neubau am See.

Für Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller,Mitglied im Stiftungsrat der Freunde Kunsthaus Zug, ist klar, «dass nun wohl erst mal kleinere Brötchen gebacken werden und intelligente Lösungen gefragt sind». Damit spricht er auch eventuelle neue Erweiterungsmöglichkeiten im jetzigen alten Kunsthaus an der Dorfstrasse an. «Man muss analysieren und eine Auslegeordnung anstellen, wie man das Beste aus der Situation machen kann.» Dass die Zuger Kunstgesellschaft einen neuen Präsidenten hat, sieht Müller als Chance – vielleicht sogar für ein neues Kunsthaus oder eine Kunsthalle. «Wenn die Gelegenheit kommt, nehmen wir sie wahr», sagt Müller optimistisch. Klar sei aus der jüngsten Erfahrung aber auch: So ein komplexes Projekt könne nur mit Hilfe von auswärtigen Spezialisten gestemmt werden. «So ein Kunsthaus ist ja wie ein kleines KKL.»

Auch Baudirektor Heinz Tännlermacht dem Kunsthaus Mut. «Grundsätzlich steht es dem Kunsthaus frei, über ein neues Projekt an einem anderen Standort nachzudenken.» Was Erweiterungschancen in grossem Stil am alten Standort betrifft, zeigt sich der Landammann eher skeptisch. «Abklärungen haben ergeben, dass aufgrund des Denkmalschutzes im Zusammenhang mit der alten Stadtmauer und angesichts der Tatsache, dass das Nachbarhaus nicht käuflich ist, ein Ausbau an der Dorfstrasse nicht möglich ist», so Tännler. Andererseits stünde generell in den nächsten Jahren eine Sanierung des Kunsthauses an.