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Kunsthaus Zug: Die Farben aus dem Herzen Australiens

Kraftvoll, erdig, bildhaft: Mit seiner aktuellen Ausstellung leistet das Kunsthaus Zug faktisch Pionierarbeit auf dem Gebiet zeitgenössischer Aborigines-Malerei.
Andreas Faessler
Faszination Aborigines-Kunst: das Sammlerehepaar Joëlle und Pierre Clément. Im Kunsthaus Zug zeigen sie ihre hochkarätige Kollektion. (Bilder: Maria Schmid, 26. September 2019)

Faszination Aborigines-Kunst: das Sammlerehepaar Joëlle und Pierre Clément. Im Kunsthaus Zug zeigen sie ihre hochkarätige Kollektion. (Bilder: Maria Schmid, 26. September 2019)

Dass in den unendlichen, kaum besiedelten Weiten Zentralaustraliens ein von den Ureinwohnern intensiv ausgeübtes Kunstschaffen existiert, entzieht sich wohl der Kenntnis eines Europäers. Es ist eine junge Szene: In den frühen 1970er-Jahren reiste der australische Kunstvermittler Geoffrey Bardon in die Gegend und brachte die Malerei unter die Ureinwohner. Ihre traditionelle Kunst auf der Haut, im Wüstensand oder auf einfachem Stoff übertrugen die Ureinwohner schliesslich auf Leinwand. Es entstanden kraftvolle, ausdrucksstarke Gemälde, die in Kunstkreisen innert Kürze hochgeschätzt waren und heute international begehrt sind. Diese Aborigines-Malerei weist auf den ersten Blick so manche Parallele zu westlicher Kunst auf, doch sind ihre Hintergründe mehrheitlich anderer Art: Es sind kulturelle Identität, spirituelle Geisteshaltungen der Ureinwohner, gesellschaftliche Strukturen, eine enorme Erdverbundenheit wie auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Entwurzelung und Verdrängung durch die Weissen.

Intensive Farbigkeit und der Blick «von oben»

Das im Kanton Zug wohnhafte Sammlerehepaar Joëlle und Pierre Clément hat das Northern Territory bereist und ist dabei – eher zufällig – auf die dort erblühende Kunstszene aufmerksam geworden. Nach wiederkehrenden Besuchen und zahlreichen Kontakten hat das Ehepaar Clément eine hochkarätige Sammlung zeitgenössischer Aborigines-Kunst aufgebaut, welche nun in Zug als erste thematische Präsentation dieser Art in einem Schweizer Kunstmuseum zu sehen ist. 80 ausgewählte Werke von 50 Künstlerinnen und Künstlern aus drei unterschiedlichen Regionen des Northern Territory sind im Nordflügel des Kunsthauses Zug vertreten. Die Anordnung der Gemälde ist nach Thematik, respektive Region eingeteilt. Ein Teil der Ausstellung ist Verwandten der wohl bekanntesten Aborigines-Künstlerin, Emily Kame Kngwarreye, gewidmet, von der im Südflügel eine Einzelausstellung eingerichtet ist (siehe Box am Ende des Artikels).

Alle grossformatigen Gemälde zeugen von der tiefen Verwurzelung der Künstlerinnen und Künstler mit ihrem «mother country». Von ihrer Kultur, der Struktur der Landschaft, ja der Seele geleitet, drücken sie ihre ausgeprägte Identität in einer vielfach erdigen, aber intensiven Farbigkeit aus, oft mit dem Blick «von oben» – die Aborigines benutzen kaum Staffeleien, sie pflegen es, auf der am Boden liegenden Leinwand zu malen. Für Kunsthaus-Direktor Matthias Haldemann war es von Anfang an fraglos, dass die Sammlung Clément in ihrer vollen Bandbreite präsentiert werden muss – und nicht nur ein Teil davon. «Diese Malerei gehört denn auch nicht etwa in ein Völkerkundemuseum, sie ist eines Kunsthauses würdig. Wir feiern sie als internationale zeitgenössische Malerei», so Haldeman. Sie sei nicht zuletzt ein Anstoss für ethisch-moralische Fragestellungen im Kontext mit dem Umgang einer alten, hoch entwickelten Kultur.

Ausstellungen «My mother country» und Emily Kame Kngwarreye, Kunsthaus Zug, Ausstellung bis und mit 12. Januar 2020. www.kunsthauszug.ch

Erste Einzelausstellung von Werken Emily Kame Kngwarreyes in Europa

(fae) Thematisch eng verbunden mit der Sammlung Clément sind die grossformatigen Werke von Emily Kame Kngwarreye (1910–1996), eine Aborigine-Künstlerin aus dem Stamm der Anmatyrre. Ihre Werke sind auf dem internationalen Kunstmarkt hochdotiert, gilt Kngwarreye doch als Aborigine-Künstlerin der ersten Stunde. Sie ist in bedeutenden australischen und amerikanischen Sammlungen vertreten. In Zug sind Kngwarreyes Gemälde gemäss Direktor Mat­thias Haldemann erstmals im Rahmen einer Einzelausstellung in einem Europäischen Kunsthaus zu sehen.

Dank der Verbindung des Sammlerehepaares Clément mit der australischen Mäzenin Janet Holt und ihrem Kollegen Peter de Campo war es möglich, aus zwei Privatsammlungen eine Auswahl von 20 Gemälden unterschiedlicher Werkphasen der Künstlerin in die Schweiz zu holen. Janet Holt, die mit Kngwarreye über viele Jahre eng vertraut war, zeigte sich an der Ausstellungspräsentation überwältigt von der intensiven Präsenz der Künstlerin in den beiden Räumen des Kunsthaus-Südflügels. Holt bewundert rückblickend Kngwarreyes enorme Energie und Schaffenskraft, erst recht angesichts der Tatsache, dass die Australierin bereits auf ihre 80 zuging, als sie mit der ernsthaften Malerei begann.

Die in Zug ausgestellten ­Acryl-Gemälde repräsentieren Kngwarreyes Stilentwicklung, welche ihren Ursprung im traditionellen Body Painting und in der Batik hat. Malte sie in der frühen Phase fast ausschliesslich mit Punkten, kamen später Linien und Streifen als Elemente hinzu. Zuweilen erkennt man die Langsamkeit, mit der Kngwarreye die Linien – jedoch mit sicherer Pinselführung – zog. Ihre vielfach erdig-ockerfarbenen Gemälde gehen optisch in die Tiefe, lassen hinter mehreren Schichten feine Strukturen erkennen, welche nur auf den ersten Blick wild und ungeordnet erscheinen.

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