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Luzerner Künstlerin lässt sich im Baarer Kunstkiosk über die Schulter blicken

Helen Eggenschwiler arbeitet mit Fotografie und Druck. Sie ist für eine Woche zu Gast im Kunstkiosk Baar.
Dorotea Bitterli
Die Luzerner Künstlerin Helen Eggenschwiler spielt mit der Fotografie. Bild: Stefan Kaiser (Baar, 5. Oktober 2019)

Die Luzerner Künstlerin Helen Eggenschwiler spielt mit der Fotografie. Bild: Stefan Kaiser (Baar, 5. Oktober 2019)

Zuerst sieht man das schöne, klare Auge. Es gehört zum Porträt einer jungen Frau. Das Strahlen des zweiten Auges aber ist gedämpft – weil darunter ein drittes, kleineres ist. Das vierte Auge, lächelnd zu einem Schlitz zusammengezogen, prangt auf der Wange des jungen Gesichts. Es handelt sich offensichtlich um zwei übereinandergelegte Fotografien. In seinen vielen Schattierungen wirkt das Schwarz-Weiss-Bild licht und verspielt, aber auch verwirrend und irritierend.

Die 27-jährige Helen Eggenschwiler spielt explizit mit dem, was Fotografie ausmacht und nur sie kann: dass Licht mehrere Bilder gleichzeitig und übereinander durchstrahlt. Überblendungen aber wirken oft wie Träume oder Albträume, mischen Früher und Später, Hier und Dort. «Die junge Frau auf dem Foto ist eine Studienkollegin von mir. Die ältere Frau stammt aus einem Fotoalbum, das ich im Brockenhaus aufgestöbert habe», erklärt die Künstlerin. «Mich interessiert die Wirkung, die das Übereinanderlagern auf den Betrachter hat.» Dahinter leuchten Geschichten auf: Wer sind die Unbekannten aus den Brocki-Alben, welche die Künstlerin so faszinieren? Wer hat ihre Fotos aufbewahrt und dann doch dem Vergessen anheimgegeben?

Besucher können ihr über die Schulter schauen

Eggenschwiler hat vor einem Jahr ihr Kunststudium in Luzern abgeschlossen. An der diesjährigen «Kunstpause» in der Chollerhalle wurden ihr gleich beide Preise zugesprochen, eine Einzelausstellung und ein «Artist in Residence». Letzteren kann sie vom 7. bis zum 12. Oktober im Kunstkiosk wahrnehmen: Täglich von 11 bis 15 Uhr dürfen ihr die Ausstellungsbesucher beim Arbeiten über die Schulter schauen. Sie bearbeitet ihre Bilder einerseits digital, andrerseits bringt sie sie per Transferdruck auf verschiedene Arten von Papier oder Leinwand.

Im Kunstkiosk hängt direkt gegenüber dem Eingang ein plakatgrosses Bild, welches den Blick auf sich zieht, weil es farbig ist. Ein Ausschnitt aus einem Wald, ganz in Grün, es muss Frühling sein – strahlende Helligkeit über dem Blätterdach färbt ab auf den bräunlichen Weg in der unteren Mitte. Auch hier habe sie mehrere Fotos übereingelegt, aber den Eindruck eines einheitlichen Bildes beabsichtigt, so Eggenschwiler. Sein Titel «Wenn das Licht den Weg beleuchtet, und ich die Augen schliesse», ist programmatisch, denn alle Werke der Künstlerin wirken so, als ob man mit halbgeschlossenen Augen auf die Realität blickte: Es entstehen Unschärfe, Verschwimmen und Verschiebung. Und Durchlässigkeit – auf andere Zeiten, andere Orte und andere Bewusstseinszustände.

Inspiriert durch Landschaftsbilder

Die Vernissage am Freitagabend wurde durch eine sensible Performance von Eggenschwilers Tessiner Kollegin Chiara Ottavi gefeiert. Inspiriert durch eines der Landschaftsbilder, demonstrierte sie mit Kieselsteinchen, Erde, T-Shirt, Nadel, Faden und Schere, wie Fragen an vergangene Zeiten solche nach der Zukunft aufwerfen: Was passiert mit unseren Landschaften im Klimawandel, wie können Frauen Kinder gebären in eine gefährdete Umwelt, und was geben wir der Natur zurück?


Ausstellung mit Helen Eggenschwiler im Kunstkiosk Baar: Montag-Samstag 7. bis 12. Oktober 2019, jeweils 11 bis 15 Uhr. Finissage: Samstag 12. Oktober, 14 bis 16h. Weitere Infos: hier zum Kunstkiosk und hier zur Künstlerin.

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