Kuriositäten in der Zuger Altstadthalle

In der Altstadthalle zeigt der Zürcher Christian D. Link Raritäten aus seiner Sammlung – geheimnisvoll inszeniert.

Monika Wegmann
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Einige Stücke verkauft Christian Link auch.

Einige Stücke verkauft Christian Link auch.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 1. Oktober 2020)

Die einen sammeln Bilder, andere Bücher, Autos oder eben kuriose Dinge, so wie der 41-jährige Zürcher Christian D. Link. Er präsentiert in der Zuger ­Altstadt in seiner «Wunderkammer – Collecting the world» über 70 Objekte aus aller Welt, in einem originellen Ambiente. Vor der Vernissage von Donnerstag stellt er auf einem Rundgang seine Highlights vor.

Zujedem Stück weiss er, eine Geschichte zu erzählen, und man spürt seine Faszination für seltene Stücke: «Mit dem Sammeln habe ich vor rund zehn Jahren klein angefangen. Zuerst waren es ein paar Böxli oder spezielle Requisiten, die ich damals für die Bühnendekorationen meiner nebenamtlichen Zaubertätigkeit brauchte. Schwerpunkte waren anfangs vor allem Zootiere und Stücke der Raumfahrt. Doch bald wurde es immer mehr, sodass heute alles im Showroom eingelagert ist.»

Raritäten von nah und fern

Inzwischen umfasst die Sammlung Objekte der Naturgeschichte, Biologie, Archäologie und Kunst und Kultur. Darum gibt es in der Altstadthalle, merkwürdige und auch exotische Stücke aus aller Welt zu bestaunen. Im Foyer steht den Besuchern ein mächtiger Eisbär und Löwe Leo gegenüber und ein Krokodil schwebt über dem Buffet. «Das waren fast alles Zootiere», erklärt Link, der vor allem stolz ist über «Dodo», den Knochen eines ausgestorbenen Vogels aus Mauritius und den fast zwei Meter langen Narwalzahn. Daneben das kleine Stück eines weitentfernten Planeten, eingefügt in eine Monstranz. Er sagt:

«In deren Strahlen sehe ich einen Bezug zum Meteoriten, der vielleicht bei einer Explosion weggeschleudert worden ist. Ich liebe das Spiel mit Assoziationen, denn die soll es bei den Betrachtern auslösen.»

Immer wieder staunt man über die Vielfalt der Stücke, welche aus den verschiedensten Kulturen stammen, wie die Samurai-Rüstung aus dem 17. Jahrhundert aus Japan. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt auch kleine überraschende Dinge, wie die Gliederpuppen aus Frankreich, das anatomische Modell einer Wespe und eines Menschen, das Polaroid-Selbstporträt von Andy Warhol oder eine Sarkophagmaske aus Ägypten. Erst im Dachgeschoss sind ganz besondere Stücke der Sammlung ausgestellt: der russische Raumanzug Sokol-KV von 1974 sowie ein Raumfahrhandschuh von 1985. In die Moderne weisen hier die mit staunendem Sujet gemalten Masken der Künstlerin Stephanie Hess.

Beziehungsnetz hilft fürs Sammeln

Warum sammelt Christian D. Link so Kurioses und nicht schwerpunktbezogen? «Das Prinzip der Wunderkammer hat mich fasziniert. Das sind die Vorläufer der heutigen Museen. Früher schon wurden solche Sammlungen von Adligen aufgebaut, wo sie seltene und oft auch exotische Objekte präsentierten und die Menschen zum Staunen brachten. Ich kann hier – auch ganz ohne Konzept – meine Spielfreude ausleben.» So organisierte er bereits mehrmals in der Region Zürich Wunderkammer-Ausstellungen, erstmals nun eine in Zug.

Und wie kommt er zu all den Raritäten? «Immer wieder finde ich aussergewöhnliche Stücke, da hilft mir mein Beziehungsnetz.» Die Sammlung ist inzwischen so angewachsen, dass er begonnen hat, mit den Antiquitäten zu handeln. Wobei Link betont, dass vieles, aber nicht alles, zum verkauf stehe. «Es wird immer noch speziellere, seltene Stücke geben. Das Sammeln ist meine Leidenschaft.»

Die Wunderkammer ist bis 9. Oktober in der Altstadthalle Zug und jeweils von 12 bis 19 Uhr geöffnet.

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