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Landesstreik: «Für Vaterland und Vaterunser»

Eine Zuger Delegation probt für ihren Auftritt im Rahmen eines nationalen, mehrsprachigen Theaterereignisses zum 100. Jahrestag des Landesstreiks 1918. Im August wird in Olten Premiere gefeiert.
Dorotea Bitterli
Lina (Maria Greco) und Ueli (Erich Güntensperger) machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Juni 2018)

Lina (Maria Greco) und Ueli (Erich Güntensperger) machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. Juni 2018)

Eine Hand in ihre gestreifte Schürze verkrampft, die andere auf die Brust gedrückt, steht sie in schwarzem Rock und groben Schuhen vor der grünen Tür der Gewürzmühle und blickt sorgenvoll: Lina, Fabrikarbeiterin bei der Glühlampenfabrik. Sie erzählt von ihren Kindern, die nicht genug zu essen haben, von Lebensmittelkarten, rationierter Milch und Butter: «Von Gummel und Siedfleisch kann man eh nur noch träumen.» Von früh bis spät muss sie in der Fabrik Drähte einfädeln, es riecht dort giftig. Deshalb hat sie einen Husten, der nicht mehr heilt. Ihr Mann Ueli ist bei Landis & Gyr angestellt, rackert sich ab. Aber beider Löhne reichen nirgends hin, denn die Teuerung ist nach dem Ersten Weltkrieg horrend. Uelis Flucht in den Alkohol macht alles noch schwerer.

Lina findet, dass man sich wehren muss, liebäugelt mit sozialistischem Gedankengut und hat den landesweiten Streikaufruf vernommen. Aber sie ist im Zwiespalt, weil der Pfarrer auf der Kanzel gegen den gottlosen, landesverräterischen Streik wettert – für Vaterland und Vaterunser. Und die Arbeitgeber drohen mit Entlassungen und Waffengewalt. Das Bataillon 48 ist bereits dem Regierungsrat unterstellt, einfache Soldaten vom Lande sollen gegen die Streikenden eingesetzt werden.

Die Eisenbahn ist lahmgelegt. Es gibt die ersten Toten, das Gespenst eines Bürgerkriegs schwebt über dem Land.

Im November 1918 kommt es zum schweizweiten Generalstreik unter der Leitung des «Oltener Aktionskomitees». Die Eisenbahn ist lahmgelegt. Es gibt die ersten Toten, das Gespenst eines Bürgerkriegs schwebt über dem Land. Neben Lina steht Ueli mit einem Koffer in der Hand, an dem Metallröhren und Ketten befestigt sind. Er streicht mit einem Stab darüber, produziert Geräusche, welche die Stimmung von Maschinen-, Werk- und Industriehallen evozieren.

Zuger Beitrag zum nationalen Theaterereignis

Lina und Ueli, das sind heute in der Theaterprobe vor der Gewürzmühle die Baarer Geschichtenerzählerin Maria Greco und der Schlagzeuger Erich Güntensperger, beide in Kostümen von 1918. Letztes Jahr wurden sie vom Kanton angefragt, ob sie den Zuger Beitrag zum nationalen Theaterereignis «1918.CH – 100 Jahre Landesstreik» gestalten wollten, das im Spätsommer 2018 in Olten stattfinden soll. Ein professionelles Leitungsteam inszeniert mit zirka 120 Laiendarstellern einen Theaterabend, der zugleich den dramaturgischen Rahmen für theatrale Beiträge aus anderen Kantonen und Städten bildet. Gespielt wird in den Alten Werkstätten der SBB, dem Arbeitsort vieler Eisenbahner zur Zeit des Landesstreiks.

Weitere Veranstaltungen wie performative Installationen, Führungen, Hörstücke, Museumsausstellungen und eine von Radio SRF 2 moderierte Debatte umrahmen den Anlass. Den Text des Zuger Beitrags hat Maria Greco selber entworfen, beraten durch den Historiker ­Adrian Scherrer. Im Darstellerischen wird sie unterstützt durch Rémy Frick, für die Kostüme zeichnet Sarah Grangier verantwortlich. Bei ihren Recherchen hat Greco im Zuger Staatsarchiv ein Foto von 1918 gefunden. Es zeigt Arbeiter und Arbeiterinnen, wie sie aus den Toren der damaligen Landis & Gyr strömen und ähnlich kritisch in die Kamera schauen wie die beiden Darstellenden an ihrer Probe.

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