Serie

Im Jahr 1970 setzte sich in Steinhausen der Landschaftsschutz durch

Um neue Gebiete in Steinhausen zu entwässern und bebaubar zu machen, sollten die örtlichen Bäche korrigiert werden. Vertreter des Natur- und Landschaftsschutzes verhinderten jedoch tief greifende Veränderungen.

Cornelia Bisch
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Dank des beherzten Eingreifens von Naturschützern wurden die Einmündung des Dorfbaches Steinhausen in den Zugersee und das Chamer Ried in ihrer natürlichen Schönheit als Naherholungsgebiet erhalten.

Dank des beherzten Eingreifens von Naturschützern wurden die Einmündung des Dorfbaches Steinhausen in den Zugersee und das Chamer Ried in ihrer natürlichen Schönheit als Naherholungsgebiet erhalten.

Bild: Stefan Kaiser (31. August 2020)

Die Gemeinde Steinhausen war Ende der 1960-er Jahre im Umbruch: Der Bau der Nationalstrasse schnitt dem Dorf die Zugänge zum See ab. Zudem mussten die National- und sämtliche Zubringerstrassen sowie ausgedehnte neue Baugebiete entwässert werden. Die bestehenden Bäche reichten für das anfallende Meteorwasser nicht mehr aus. Der Mensch musste in die Natur eingreifen. Das neue kantonale Gesetz über die Gewässer schrieb jedoch vor, sämtliche Gewässer gesund und nach Möglichkeit in ihrer ursprünglichen Reinheit und ihrem natürlichen Zustand zu erhalten. Dies stellte die Gemeinde Steinhausen vor grosse Herausforderungen. Der Dorfbach in seinem Unterlauf, aber auch alle übrigen Bäche in der Städtler- und Steinhauser Allmend sollten einer «Korrektion» unterzogen werden.

Am 30. November 1970 wurde der Öffentlichkeit das Projekt über den Sumpfbach, wie der Mündungsbereich des Dorfbachs heisst, präsentiert. Ingenieure und Techniker, Mitglieder der Kreisdirektion der SBB und der kantonalen Ämter sowie der Bauämter Zug, Steinhausen und Cham waren geladen. Einsam nahm auch eine Vertretung des Natur- und Landschaftsschutzes im Kreis der Baufachleute Platz.

Eine Transportpiste sollte ins Ried gebaut werden

Das Projekt sah vor, den Sumpfbach ab der Überbauung Alpenblick bis zum See zu verbreitern, zu vertiefen und die Ufer zu sichern. Die Ufersicherung sollte mit einem auf Pfählen ruhenden Betonfundament und darüber eingemauerten Steinblöcken erfolgen. Mit einer im Ried geschütteten Transportpiste sollten die Bauarbeiten ermöglicht werden. Diese Massnahmen wurden für notwendig erklärt, damit der Bach die anfallenden Wassermengen würde schlucken können.

In der nachfolgenden Diskussion stellten sich die Vertreter des Natur- und Landschaftsschutzes vehement und mutig quer. Den gewaltigen Eingriff in die Ufervegetation der Gebiete Choller und Sumpf konnten sie nicht gutheissen. Schliesslich erreichten sie, dass sich die Verantwortlichen des Projekts auf die Ziele der neuen Bau- und Gewässerschutzgesetzgebung besannen und es entsprechend anpassten. Es wurde das Bachbett des Sumpfbachs ohne jegliche Sicherung von Ufer und Sohle verbreitert. Zur Schonung der Riedwiese wurde auf den Bau einer Transportpiste verzichtet, der anfallende Aushub wurde mit einem Boot abtransportiert. Entlang der Überbauung Alpenblick wurde das bestehende Gehölz verstärkt.

Trotz Bemühungen in diese Richtung gelang es der Gemeinde Steinhausen nicht, den gesamten Dorfbach als offenes und belebtes Gewässer zu erhalten. Umso wertvoller ist heute der offene Bach im Unterlauf mit seiner Funktion einer Grünverbindung zur Uferlandschaft des Zugersees.

Die elfteilige Serie «Mensch vs. Natur» beleuchtet Projekte, deren geplante Eingriffe in die Landschaft die Emotionen hochkochen liessen. Im 8. Teil lesen Sie über die Korrektur des Dorfbachs Steinhausen. Quelle: «Zug, natürlich», Peter F.X. Hegglin, 2008.