Zuger Bauerntag: Landwirte als Klimaschützer

Projekte zu Klimaschutz und Bodenverbesserung standen am Zuger Bauerntag in Steinhausen im Vordergrund.

Cornelia Bisch
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Fredy Abächerli von der Verora AG vor einer Kompostmiete mit Nährhumus auf seinem Hof in Edlibach.

Fredy Abächerli von der Verora AG vor einer Kompostmiete mit Nährhumus auf seinem Hof in Edlibach.

Bild: Matthias Jurt
(16. Januar 2020)

Am Zuger Bauerntag wurden landwirtschaftliche Konzepte vorgestellet, die in eine ganz neue Richtung gehen und aufzeigen, dass den Landwirten bezüglich Bodenverbesserung und Klimaschutz künftig eine zentrale Rolle zukommt. Der Agronom Fredy Abächerli aus Edlibach referierte über das «Klimafarming», eine Initiative von Zuger Bauern, welche gemeinsam die Gesellschaft Verora AG gegründet haben. Diese betreibt eine Biogas- und zwei Kompostieranlagen sowie die Produktion und den Verkauf von Holzschnitzeln, Pflanzenkohle und Schwarzerden.

«Lange Zeit sind wir mit unserer Arbeit gegen den Strom geschwommen», betonte er. «Heute findet sie breite Beachtung.» Der Mensch habe in den natürlichen CO2-Kreislauf der Natur eingegriffen durch den Abbau von Erdöl und Kohle beziehungsweise durch deren Verbrennung. «Zusätzlich ist das Humuslager durch die auf tiefe Kosten getrimmte Landwirtschaft weitgehend abgebaut worden.» Mit Humuswirtschaft, unterstützt durch den Einsatz von Pflanzenkohle, könne eine Bodenregenerierung und eine Kohlenstoffsenke erzielt werden.

Pflanzenkohle aus Neuheim

Abächerli stellte den Pionierbetrieb Wies in Neuheim von Franz und Albin Keiser vor, auf dem Pflanzenkohle sowie getrocknete Holzschnitzel hergestellt werden. Der Betrieb, welcher den Agropreis 2019 gewann, gehört ebenfalls zur Verora AG.

Auf dem Hof Wies wird sauberer Baum- und Strauchschnitt angeliefert, gehackt, getrocknet gesiebt und sortiert. Die groben Holzschnitzel werden zum Verheizen verkauft, die feineren in einer Karbonisierungsanlage zu Pflanzenkohle verarbeitet. Mit der dabei entstehenden Wärme werden Wohnhaus und Holzschnitzel-Trocknungsanlage geheizt. Landwirte verwenden die Pflanzenkohle als Tierfutterzusatz oder Stallstreumaterial und mischen sie der Gülle sowie dem Kompost bei. «Der Einsatz von Pflanzenkohle reduziert die Klimagasemissionen», erläuterte Abächerli und zeigte die sichtbaren Unterschiede bildlich auf. «Die angereicherte Erde weist eine deutlich dunklere Farbe auf.» Mit der dauerhaften Einlagerung von Kohlenstoff durch Pflanzenkohle, kombiniert mit Humuswirtschaft, sei eine klimaneutrale Landwirtschaft möglich, bekräftigte Abächerli.

Weitere Vorträge am Zuger Bauerntag befassten sich mit der Bodenverbesserung durch Mikroorganismen sowie Lebensmitteln, die aus Insekten hergestellt werden. Der Landwirt Felix Bärtschi aus Freiburg berichtete von seinen Erfahrungen mit der Milchproduktion für die Käse-Marke Maréchal.

Produzenten und Konsumenten gemeinsam

Die junge Umweltingenieurin und Landwirtin Tina Siegenthaler stellte das Konzept der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) vor, wie sie auf ihrem Hof im Limmattal mit der regionalen Gartenkooperative Ortoloco praktiziert wird.

Dabei handelt es sich um den Zusammenschluss von Produzenten und Konsumenten, die gemeinsam und zu eigenem Nutzen Landwirtschaft betreiben. «Unsere Kooperative hat 500 Mitglieder und drei festangestellte Gartenfachkräfte, die auf einer Fläche von zwei Hektaren gemeinsam rund 60 verschiedene Gemüsesorten anbauen», berichtete Siegenthaler. Jedes Mitglied zahle jährlich einen Beitrag von 600 Franken und leiste zirka fünf Tage Arbeitsdienst im Garten, in der Logistik, Infrastruktur oder Administration. «Die Ernte wird wöchentlich aufgeteilt, in Taschen abgepackt und in Abholdepots gebracht, wo sie die Mitglieder zum Verbrauch holen können.»

Die Kooperative Ortoloco sei genossenschaftlich organisiert, es werde ein Vorstand gewählt und sämtliche Entscheide würden gemeinsam gefällt. «Auf diese Weise gibt es keine Preisschwankungen, und das unternehmerische Risiko tragen alle gemeinsam», so Siegenthaler. Nachhaltigkeit und Fairness würden hoch gehalten.