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LANDWIRTSCHAFT: «Dieser Vorfall ist mir echt unter die Haut gegangen»

Eine Kuh starb, weil sie eine zerfetzte Aludose frass. Ein herber Verlust für den Bauern – und nicht bloss ein finanzieller.
Bauer Rainer Henggeler aus Oberägeri hat eine Kuh verloren, weil sie Alu gefressen hat. (Bild Stefan Kaiser)

Bauer Rainer Henggeler aus Oberägeri hat eine Kuh verloren, weil sie Alu gefressen hat. (Bild Stefan Kaiser)

Was Rainer Henggeler passierte, ist der Albtraum jedes Bauern: Eine seiner Kühe hat durch die Mähmaschine zerhacktes Alu gefressen. Dieses hat ihr den Magen aufgeschnitten und zu inneren Verletzungen geführt. Nach einem wochenlangen Kampf um ihr Überleben musste sie schliesslich eingeschläfert werden. Besonders bitter: Die Kuh – Romy hiess sie – war trächtig und hätte ihr Kalb rund zwei Wochen später zur Welt bringen sollen. «Dieser Vorfall ist mir echt unter die Haut gegangen», erklärt Rainer Henggeler, der seit 20 Jahren einen Hof in Oberägeri bewirtschaftet. Er ist es gewohnt, von lieb gewonnenen Tieren Abschied zu nehmen. Er kenne seine Tiere gut und habe eine Beziehung zu jeder einzelnen Kuh. Dass er sie zum Metzger schicken muss, nehme er in Kauf: «Das ist der Kreislauf.» Doch dass die Kuh gestorben ist, weil irgendjemand achtlos eine Aludose weggeworfen hat, versteht er nicht. Besonders jetzt im Frühling falle ihm wieder auf, wie viel Dreck auf den Weiden lande. «Die Kühe sind neugierig. Alles, was auf der Wiese ist, wird gefressen.»

Aufwendige Pflege für das Tier

Dass ihm der Vorfall nahegeht, ist offensichtlich. Henggeler erinnert sich ungern an den Augenblick, als die trächtige Romy eingeschläfert wurde. Aber es ist ihm wichtig, dass man davon erfährt: «Es geht mir nicht um mich, sondern einfach darum, dass die Bevölkerung wieder sensibler wird und an die Konsequenzen von achtlos entsorgtem Abfall denkt.» Also erzählt er ausführlich davon: «Ich musste die Kuh halten, und der Tierarzt gab die Spritze. Momente später musste ich dann loslassen. Und als die Kuh stürzte, war sie schon tot.» Mit der Kuh starb auch ihr Kalb.

Für Henggeler war es nicht nur ein emotionaler Verlust, sondern auch ein finanzieller. Rund 4000 Franken hat ihn der Vorfall gekostet. Und natürlich viel Zeit: Er hat Romy über Wochen gepflegt, immer wieder Fieber gemessen, Spritzen gegeben und täglich mehrmals nach ihr gesehen. Ob die Kuh tatsächlich an den inneren Verletzungen, verursacht durch Alu, gestorben ist, kann aber nicht bewiesen werden. «Sie zeigte alle Symptome, zur Aufklärung hätten wir sie ins Tierspital bringen sollen.» Darauf hat der Bauer verzichtet. «Es hätte nichts genutzt, einen Schuldigen hätte man ja sowieso nicht finden können.»

Kühe sind besonders gefährdet

Tatsache ist allerdings, dass die Tiere durch Abfall gefährdet sind. Das bestätigt der Zuger Kantonstierarzt Rainer Nussbaumer: «Es sind vor allem Kühe betroffen, da die anderen Tiere das Futter selektiv aufnehmen.» Besonders gefährlich ist gemähtes Futter, genau wie im Fall von Bauer Henggeler. Die Abfälle, ob nun Plastik, Karton oder Alu, werden zerkleinert und gelangen so mit dem Futter in den Magen der Tiere. «Sie leiden in erheblichem Masse», so der Kantonstierarzt. «Das Eingeben von Magneten in den Magen von Kühen ist eine Therapiemassnahme. Dadurch werden die verschluckten Metallteile angezogen. Die spitzen Gegenstände werden zwar nicht entfernt, aber sie können keine Verletzung der Darmwand mehr verursachen.» Da Aluteile aber nicht magnetisch sind, ist diese Massnahme nutzlos», erklärt Nussbaumer. Weiter bestehe die Möglichkeit, die Fremdkörper operativ zu entfernen, doch das ist aufwendig und sehr teuer. Wie viele Tiere jährlich durch innere Verletzungen, verursacht durch Abfall, verenden, kann Nussbaumer nicht sagen. Es sei einerseits schwierig, die Verletzungen zu diagnostizieren und andererseits bestehe keine Meldepflicht.

Magnet als präventive Massnahme

Die Folgen für die Tiere sind jedoch verheerend. «Es entsteht eine eitrige Bauchfellentzündung, die bis zum Tod führen kann.» Dass mit dem Tier etwas nicht stimmt, zeige sich daran, dass es nicht mehr richtig fresse, Fieber bekomme und Anzeichen von Bauchschmerzen zeige. «Es ist ein langes Leiden von mehreren Wochen.» Genau die Beschwerden also, die Bauer Henggeler bei Romy erkannte.

Franz-Toni Imfeld, Präsident des Zuger Bauernverbands, kennt die Problematik nur zu gut. Er beobachtet auch, dass die Verschmutzung auf den Weiden zunimmt. «Ich glaube nicht, dass jeder, der achtlos Gegenstände auf eine Wiese wirft, weiss, wie sehr er die Kühe damit verletzen kann.» Den Bauern sind in den meisten Fällen die Hände gebunden. Denn die Wiesen nach Abfallresten zu durchsuchen, sei ein Ding der Unmöglichkeit. «Ich weiss von Bauern, die zentrumsnah wirtschaften, dass sie ihren Kühen präventiv ein Magnet verabreichen. Oder von solchen, die ihre Kühe nicht mehr auf die äusseren Meter ihrer Wiesen lassen und diese Abschnitte nicht mehr bewirtschaften.»

Carmen Desax

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