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LANDWIRTSCHAFT: Milchbauernsterben geht weiter

Die Situation am Milchmarkt ist dramatisch: Die Preise sind im Keller. Wie können Milchbauern da überhaupt weiterbestehen? Ein Zuger Landwirt zeigt Überlebensformen auf.
Wolfgang Holz
60 Milchkühe hat die Betriebsgemeinschaft Muriweid: Franz-Toni Imfeld im Stall. (Bild Maria Schmid)

60 Milchkühe hat die Betriebsgemeinschaft Muriweid: Franz-Toni Imfeld im Stall. (Bild Maria Schmid)

Wolfgang Holz

Draussen scheint die Sonne: Idylle pur. Die Kühe grasen friedlich auf den grünen Weiden in der Stockeri bei Risch. Drinnen, auf dem Hof im Büro der Betriebsgemeinschaft Muriweid, ist nicht nur das Licht etwas düster. Auch die aktuelle Milchrechnung für den vergangenen April liegt bei Bauer Franz-Toni Imfeld auf dem Tisch. Und die liest sich alles andere als ermutigend.

Stundenlohn unter 20 Franken

«51 Rappen netto pro Liter Milch haben wir letzten Monat von der Vermarktungsorganisation Nordostmilch in Winterthur bezahlt bekommen», sagt der 44-jährige Bauer. Macht unterm Strich rund 19 518 Franken bei 36 300 Litern produzierter Milch. Für Laien hört sich dies auf den ersten Blick nach viel an. Doch Imfeld, der auch als Präsident des Zuger Bauernverbands amtiert, relativiert. «Seit 2014 hat sich unser Milchertrag aufgrund der gepurzelten Milchpreise sicher um 15 000 bis 20 000 Franken jährlich pro Arbeitskraft reduziert.» Unterm Strich erhalte er so übers Jahr gerechnet einen Stundenlohn von unter 20 Franken, und das bei einem Pensum von 11 bis 12 Stunden pro Tag. Rund 43 000 Franken verdient ein Schweizer Bauer im Schnitt. 65 Rappen gibt es derzeit nämlich nur für einen Liter Bestmilch – bereits 3 Rappen weniger als noch im März.

Vielseitige Betriebsgemeinschaft

Aber wie kann man bei so engen finanziellen Verhältnissen überleben? «Mit diesem Stundenlohn komme ich irgendwie klar», sagt Imfeld, der gerne in der Natur ist und mit Tieren arbeitet. Er tönt sogar optimistisch. Zum einen, weil er überzeugt ist, dass der Milchpreis langfristig wieder steigen wird – wenn wieder weniger Milch aufgrund sinkender Produzentenzahlen auf den Markt kommt – sprich: infolge von Betriebsaufgaben. Sagts und mutmasst, dass es wohl zu 20 bis 30 weiteren Aufgaben von Betrieben in diesem Jahr unter den Zuger Milchbauern kommen wird. Zum anderen habe er mit den zwei anderen Bauern der Rischer Betriebsgemeinschaft Muriweid eine betriebswirtschaftlich stabile Basis aufgebaut.

Will heissen: Innerhalb der Betriebsgemeinschaft der drei Bauern, die es seit 1999 gibt, macht die defizitäre Milchwirtschaft am Gesamtertrag nur noch einen Anteil von 55 Prozent aus. «Die Verluste, die die spezialisierten Milchbauern durch die gefallenen Preise einfahren, liegen nämlich im Vergleich zu 2014 bei rund 30 000 bis 40 000 Franken pro Jahr», sagt Imfeld. Zusammen mit seinen Kollegen verdient er durch Lohnarbeit für das Ausleihen von landwirtschaftlichen Maschinen – wie für Säen, Spritzen und «Ackerservice» komplett – ein zusätzliches Einkommen. Ausserdem arbeite er noch im Bereich Tierfutter als Berater und im Verkauf.

Alternative Standbeine

Ein immer wichtigeres Standbein der Betriebsgemeinschaft Muriweid ist aber – mit einem Anteil von rund 25 Prozent am Ertrag – die Pferdepension. Die 17 Pferdeboxen, die man in der «Vollpension» mieten kann, sind derzeit alle belegt. «Ich zahle 800 Franken hier», gibt eine junge Frau Auskunft, die gerade ihr Pferd striegelt. «Ich bin absolut glücklich über den Service, der hier geboten wird.» Wenige Meter entfernt, hinter den Pferdeboxen, leuchtet der Reitplatz in der Landschaft. Rund 100 000 Franken hat das Karree mit Tonnen von Ostseesand als Unterlage gekostet. Keine Frage: ein lukratives Geschäft. «Doch auch damit wird man kein König, und man muss es mit Herzblut betreiben», sagt Josef Camenzind, Betriebspartner von Franz-Toni Imfeld.

Dass Pferdepensionen auch anderswo im wohlhabenden Kanton Zug eine gute Verdienstmöglichkeit für Milchbauern sind – indem man die Ställe zu Pferdeboxen umbaut –, ist bekannt. Ebenso wie die Tatsache, dass mancher Milchbauer in Zeiten ruinöser Milchpreise umgesattelt hat auf die Mutterkuhhaltung für die Fleischproduktion oder dass man sein Glück in der Schweinemast versucht. Es gibt auch Milchbauern – wie der Letzihof in Zug –, die inzwischen auf Selbstproduktion und -vermarktung der Milch setzen, um deutlich höhere Preise zu erzielen. «Doch das ist auch sehr kostenintensiv und vom Aufwand und vom Risiko her sehr anspruchsvoll», sagt Imfeld. Die Frage ist, warum nicht mehr Milchbauern solche bäuerlichen Betriebsgemeinschaften eingehen, um sich zu diversifizieren und das Risiko auf mehrere Schultern zu verteilen, denn Vielseitigkeit ist derzeit ein Vorteil für die Bauern. «So eine Betriebsgemeinschaft ist eben wie eine Ehe», sagt der Zuger Bauernverbandspräsident. Das funktioniere nur, wenn die örtlichen Gegebenheiten stimmten und man menschlich untereinander harmoniere. «Bauern sind eben traditionell mehr Familienbetriebe und Einzelkämpfer.»

Produktion steigt trotzdem weiter

Fakt ist: Das Milchbauernsterben in Zug ist noch nicht beendet. Laut kantonalem Landwirtschaftsamt gibt es aktuell noch 270 sogenannte Verkehrsmilch produzierende Landwirtschaftsbetriebe – das sind bereits 10 weniger als im Herbst 2015. Im Jahr 2000 waren es noch 486. Die Anzahl der Milchproduzenten ist seitdem stetig gesunken: 2005 waren es noch 385 Betriebe, im Jahr 2010 produzierten 327 Bauern Milch. Allerdings, so hält Amtsleiter Roger Bisig fest, stieg die im Kanton produzierte Milchmenge kontinuierlich an auf heute rund 53 Millionen Kilogramm – trotz des Rückgangs der Milchbetriebe. «Es hat eine Konzentration der Produktion stattgefunden.»

Wichtiges finanzielles Standbein für den landwirtschaftlichen Betrieb: die Pferdepension. (Bild Maria Schmid)

Wichtiges finanzielles Standbein für den landwirtschaftlichen Betrieb: die Pferdepension. (Bild Maria Schmid)

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