Landwirtschaft soll sich einschränken

Drucken
Teilen

Bauzone Der Entwurf des überarbeiteten Richtplans befasst sich auch mit dem Thema Bauen ausserhalb der Bauzone und der Entwicklung der landwirtschaftlichen Gebiete. Dazu soll festgehalten werden, dass sich neue Bauten «harmonisch in die ländliche Landschaft einbetten». Daneben soll der Anteil versiegelter Flächen – dazu zählen bebaute, betonierte, asphaltierte oder gepflasterte Flächen – ausserhalb der Bauzone stagnieren. Dies auch, weil in der Landwirtschaft aufgrund des Strukturwandels und eidgenössischer Vorschriften sowohl die Volumen der Bauten als auch der Verbrauch von landwirtschaftlichem Kulturland zugenommen habe.

«Der bessere Schutz des Kulturlandes ist ein Gebot der Stunde. Denn mit der Verdichtung innerhalb der Siedlungsgebiete wird der Druck auf die Bauten und Flächen ausserhalb der Bauzone weiter steigen», sagt Martina Brennecke, Abteilungsleiterin Natur und Landschaft beim Amt für Raumplanung. Es bestehe die Gefahr, dass man versuche, Bedürfnisse, die innerhalb der Bauzonen nicht mehr erfüllt werden könnten, nach ausserhalb zu verlagern. «Die Forderung, den Anteil der versiegelten Flächen nicht weiter zu erhöhen, ist eine logische Konsequenz.» Die Bauten sollten sich so ins Landschaftsbild einfügen, dass sie die Landschaft in erheblichem Mass prägen, erklärt Brennecke. Moderne Tierhaltungen und technischer Fortschritt verändern das Erscheinungsbild landwirtschaftlicher Ökonomiebauten, zeitgemässe Wohnbedürfnisse das Gesicht der Bauernhäuser. «Dabei muss es gelingen, die Qualität unserer Kulturlandschaft zu erhalten und die gesellschaftlichen Ansprüche an das vertraute Landschaftsbild mit den individuellen Vorstellungen der Bauherrschaften zusammenzubringen.» Es gehe nicht darum, aus der Landwirtschaftszone ein Ballenberg-Museum zu machen. Die Bauten könnten modern sein. Sie müssten aber sorgfältig in das Bestehende eingefügt werden, erklärt Brennecke.

«Diese Forderungen lassen sich nicht vereinbaren»

Es handle sich um wichtige Punkte, die auch von der Landwirtschaft unterstützt würden, sagt Hans Baumgartner, Vorstandsmitglied des Zuger Bauernverbands und CVP-Kantonsrat aus Cham. «Wichtig ist aber, dass sich die Landwirtschaftsbetriebe weiter nach den marktwirtschaftlichen Gegebenheiten entwickeln und ausdehnen und sich gerade bei der Tierhaltung den immer strengeren Vorgaben anpassen können.»

Dass der Anteil versiegelter Flächen ausserhalb der Bauzone stagniere, erachtet Baumgartner nicht als realistisch. «Er kann vermindert werden, ganz gestoppt werden kann er aber nicht.» Denn oft seien die Vorgaben bei zwingenden Stallneubauten so, dass die alten Gebäude oder das Hofbild erhalten bleiben sollen. Dadurch dehne sich die versiegelte Betriebsfläche unweigerlich weiter aus. «In diesem Zusammenhang stellen sich auch andere Fragen: Inwieweit sollen ausserhalb der Bauzone die Landwirtschaftsflächen mit Zonen für öffentliches Interesse oder überlagernde Nutzung wie beispielsweise Hundeausbildung, Freizeitzonen oder für Energie und Wärmegewinnung sowie für Infrastrukturprojekte, vor allem Strassen, beansprucht und versiegelt werden dürfen?», sagt Baumgartner. Er ist überzeugt: «Mit dem Bevölkerungswachstum wird die Tendenz, dass Landwirtschaftsflächen verschwinden, verstärkt, auch wenn vordergründig die Bauzonenflächen nicht ausgedehnt werden.» Überhaupt gibt sich Baumgartner skeptisch bezüglich der Entwicklung und den damit verbundenen Folgen für die Landwirtschaft. «Die Raumansprüche unserer Gesellschaft steigen. Die landwirtschaftliche Produktion soll sich auf Kosten der Erholungssuchenden weiter einschränken, und dabei soll das Bild der Zuger Landschaft gemäss Richtplan gestärkt werden. Diese Forderungen lassen sich nicht vereinbaren.» (st)