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LAUFEN: 85 Kilometer durch die Wüste

Der in Zug wohnhafte Spanier Miguel Alcober nahm vorletzte Woche am «Gobi March» teil, einem mehrtägigen Lauf-Event in China. Er legte die insgesamt 230 Kilometer am viertschnellsten zurück. Seine Strategie heisst: langsam loslaufen.
Miguel Alcober (rechts) gönnt sich mit einem Mitläufer, der trotz Handicap am Gobi March teilnimmt, eine kleine Pause. (Bild: PD)

Miguel Alcober (rechts) gönnt sich mit einem Mitläufer, der trotz Handicap am Gobi March teilnimmt, eine kleine Pause. (Bild: PD)

Dreimal die Woche schulterte der Spanier Miguel Alcober in den letzten Monaten seinen Rucksack, den er zuvor mit mehren Kilogramm Gewicht gefüllt hatte, und machte sich Richtung Zugerberg, Wildspitz oder Rigi auf den Weg. «Ich liebe die Berge hier in der Umgebung, um zu trainieren», sagt der 46-Jährige. Seit 2015 wohnt er in Zug, wo er in einem Finanzunternehmen tätig ist, zuvor hat er schon während mehrerer Jahre in London gearbeitet. Seine Familie befindet sich weiterhin in seiner Heimat Spanien. Deshalb steigt er mehrmals im Monat übers Wochen­ende ins Flugzeug.

Alcobers Leidenschaft ist das Laufen. Erst waren es Marathons auf hartem Boden. Seinen ersten lief er vor 18 Jahren auf Malta. «Dann, vor etwa sieben Jahren, begann ich, in den Bergen und längere Strecken über Land zu laufen, also auf weichem Untergrund. Meine Knie schmerzten nicht mehr, es war ein ganz anderes Laufgefühl», sagt er. Er begann dann auch, an mehrtägigen Lauf-Events teilzunehmen. Dreimal schon ging er am Marathon des Sables an den Start. Rund 1000 Läufer legen an diesem während sieben Tagen 250 Kilometer in der Sahara zurück. «An mehrtätigen Lauf-Events fasziniert mich, dass die Gesamtstrategie eine Rolle spielt, man muss seine Kraft aufteilen.» Doch das Wichtigste am Laufen sei für ihn, den Blick fürs Wesentliche zu gewinnen. «Man ist konzentriert, lernt, seine Bedürfnisse zu reduzieren, und wird auch im Alltag bescheidener.» Als Alcober vor einigen Wochen das Flugzeug bestieg, ging es nicht nach Spanien.

Im Gebiet der Uiguren

Alcober flog nach Ürümqi, die Hauptstadt des uigurischen autonomen Gebietes Xinjiang in der Volksrepublik China, südlich der Mongolei. Von dort fuhr er mit dem Schnellzug in die 500 000 Einwohner zählende Stadt Kumul. In der Nähe startet der Gobi March. Dieser Lauf-Event dauert normalerweise sechs Tage und führt über eine Strecke von 250 Kilometern, auf denen die Läufer sich erst auf der Hochebene, dann in den Bergen auf etwa 2000 Metern und schlussendlich in der Wüste Gobi befinden. Doch dieses Jahr war es anders. «Die chinesische Verwaltung hat die Strecke kurz vor dem Start abgeändert, wie uns von den Veranstaltern erklärt wurde.» Das Gebiet, in dem der Marathon stattfindet, ist von Uiguren bevölkert. Es kommt immer wieder zu Konflikten. So starben 2014 bei einem Anschlag in Ürümqi 43 Menschen. «Wir wurden auch in gewissem Abstand von Polizisten begleitet», so Alcober. Sehr schlimm sei die Streckenänderung aber nicht gewesen. «Die Gesamtstrecke hat sich um 20 Kilometer verkürzt, und wir liefen fünf statt sechs Tage und etwas länger in den Bergen als normalerweise und deshalb nur 85 Kilometer in der Wüste.»

Extreme Temperaturunterschiede

Eine Herausforderung bei einem solchen Lauf sei, dass man den gesamten Proviant und die Schlafutensilien von Anfang an mit sich tragen müsse. Auch deshalb hat Alcober in der Schweiz mit Gepäck trainiert. «Man startet mit rund zehn Kilogramm». Wasser hingegen würde ihnen alle 10 Kilometer neues gereicht werden. «Es ist aber so warm, dass man Tee kochen könnte.» Übernachtet werde dann jeweils in Zelten, die sich mehrere Läufer teilen. Doch die mitunter grösste Herausforderung am Gobi March seien die Temperaturunterschiede. «In den Bergen ist es nachts minus 10 Grad, in der Wüste dann tagsüber plus 40 Grad, das ist extrem», sagt Alcober. Trotzdem gelang es ihm schlussendlich, mit seiner Gesamtzeit von rund 30 Stunden den vierten Platz zu belegen. Auf seine Strategie angesprochen, sagt er: «Ich habe gelernt, dass es am besten ist, den Tag jeweils langsam laufend zu beginnen, ich bin dann nie in der ersten Gruppe.» So verteile er seine Energie und hole dann mit der Zeit auf. Als Nächstes wird er am 24. März 2018 an einem 220-Kilometer-Langlauf-Sportevent namens Nordenskiöldsloppet in Schweden teilnehmen.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

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