Leserbrief

Leben! Nicht bloss überleben

Zur Coronapandemie

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Überexponentiell zu den Fallzahlen steigen momentan die Hektik in der Taskforce des Bundes und die Panikmache in den Medien. Bevor nun aber übereifrige Kantonsärzte vorsorglich wieder Schliessungen anordnen, profilierungssüchtige Politiker mit Maskenpflichten vermeintlich Führungsstärke zeigen wollen und die Boulevardpresse weiter Tag für Tag sensationsgesteuert Fallzahlen melden, sollten wir kurz innehalten und uns Fragen, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind. Was soll das aufwendige und mühselige Contact-Tracing bei einem Virus, welches in der grossen Mehrheit der Fälle symptomfrei verläuft und gar nicht bemerkt wird? Sowieso: Soll sich die Frage, ob jemand gesund oder krank ist, künftig an einem Test manifestieren? Sind die verschiedenen Massnahmen mit dem heutigen Wissensstand tatsächlich noch verhältnismässig? Macht es Sinn, sich derart von Angst treiben zu lassen, obwohl inzwischen sichtbar wird, dass das Virus nur in den wenigsten Fällen tödlich verläuft? Oder können wir vielleicht gar akzeptieren, dass das Leben letztlich immer auf die eine oder andere Art endlich ist?

Zugegeben, schwierige Fragen, welche sich kontrovers diskutieren lassen. Diese einer Demokratie würdige Diskussion fehlt aber momentan und geht im Einheitsbrei der Meinungen weitgehend unter. Ja noch schlimmer: Personen, welche eine andere Meinung vertreten, werden öffentlich diffamiert, so zuletzt geschehen beim höchst profilierten St. Galler Mediziner Prof. Pietro Vernazza.

Meine persönliche Meinung ist, dass wir – und darauf scheint es ja momentan herauszulaufen – nun nicht über Jahre in dem momentanen Dämmerzustand verbleiben sollten, in der blossen Hoffnung irgendwann mal einen sicheren Impfstoff zu finden. Wollen wir wirklich warten, bis das letzte Restaurant seine Türen schliessen muss, der letzte Laden digital wird? Wollen wir der Jugend tatsächlich den Einstieg ins Berufsleben derart erschweren, den künftigen Generationen einen enormen Schuldenberg hinterlassen? Tausende Jobs gefährden? Uns abschotten?

Wagen wir doch wieder eine gesamtheitlichere Sicht der Dinge und folgen nicht bloss dem Imperativ der Gesundheit. Denn mindestens so wichtig ist das, was uns als Menschen einmalig macht: das gesellschaftliche und soziale Miteinander, kulturelle Veranstaltungen, unsere entdeckende Neugier auf Reisen, gesellige Abende mit Familie und Freunden, das gegenseitige Messen bei sportlichen Veranstaltungen, das sich durch Musik treiben lassen und Emotionen geniessen. Oder auf einen Nenner gebracht: Das Leben leben und nicht bloss überleben.

Martin Würmli, Zug