Leserbrief
«Lebensmittel-Ampel erspart mir viel Arbeit»

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Ich freue mich richtig, denn scheinbar ist die Lebensmittel-Ampel in der Schweiz auf dem Vormarsch. Bis jetzt musste ich die Packungsbeilagen lesen, um zu entscheiden, was ich kaufen muss, jetzt nimmt mir diese Arbeit der Detailhandel ab. Ich habe die Wahl zwischen Rot für ungesund, Grün für gesund und Gelb für Wischi-Waschi.

Ich kann also von jetzt an einfach alle grünen Produkte kaufen und weiss, dass ich gute Ware habe, Ware mit Geschmack, Struktur und Gehalt. Ich kann die hochgiftigen roten Produkte (ausser regionalen saisongerechten Früchten und Gemüsen und Milchprodukten vom Landwirt in der Nähe) meiden, welche mit Chemie vollgepumpt sind und unter dem Feigenblatt Light und Functional Food für Diabetes, Allergien und wahrscheinlich auch Alzheimer verantwortlich zeichnen, aber so profitabel sind, dass es niemand interessiert, wie tödlich sie sind. Salz, Fett und Zucker sind erwiesenermassen viel weniger ungesund, als die Gesundheitshysteriker uns weismachen wollen. Würde man wieder lernen, dass es immer auf das Mass ankommt: Die Dosis ist entscheidend. Man würde endlich wieder saisongerecht kochen, statt im Winter giftige Erdbeeren von spanischen Plantagen (das, was unsere Grossverteiler unter regionale Produkte verstehen) zu kaufen. Würde man wieder leben, statt alles der Wirtschaft opfern, hätten wir Zeit zum Kochen, und dann würden zwar die Grosskonzerne wie Nestlé, Migros und Coop endlich Konkurs gehen, aber wir würden wieder gesünder und zufriedener werden.

Aber Gesundheit ist kein Geschäft, sondern nur Kranke bringen Umsatz. Also hören wir auf, über Gesundheit zu reden, denn niemand im Wirtschaftskreislauf lebt von der Gesundheit, also will sie auch niemand wirklich fördern. Deshalb ist es auch falsch, von einem Gesundheitsdepartement zu reden, ehrlicher wäre ein Krankheitsdepartement. Noch ehrlicher wäre es, wenn man wenigstens auf staatlicher Ebene von einem Amt für Hysterie reden würde.

Michel Ebinger, Rotkreuz