LEBENSMITTEL: Die Rettung vor dem Abfallkübel

Die App «Too Good To Go» sagt der Verschwendung den Kampf an. Und sie will verhindern, dass noch essbare Lebensmittel weggeworfen werden.

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Was in der Sushi-Bar Kaiten nicht verkauft wird, kann später über eine App günstig gekauft werden. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 14. Februar 2017))

Was in der Sushi-Bar Kaiten nicht verkauft wird, kann später über eine App günstig gekauft werden. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 14. Februar 2017))

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

«Allein in der Schweizer Gastronomie landen rund 300000 Tonnen Lebensmittel direkt im Abfall. Dem wollen wir entgegenwirken», sagt Jörgen Munter. Er ist Mitgründer der Organisation «Too Good To Go». Das Prinzip ihrer neuen App ist einfach. Betriebe bieten dort ihre Frischwaren wie Sushi, Sandwiches oder Menüs vom Mittag, die sie nicht verkaufen konnten, kurz vor Ladenschluss zu einem deutlich günstigeren Preis an. «Es kostet meist noch rund die Hälfte des Originalpreises», erklärt Munter.

Auch der Weg zu diesem günstigen Essen ist einfach: in der App einen Betrieb auswählen, einen Gutschein für eine Portion kaufen und dann innerhalb der vorgegebenen Abholzeit mit dem Gutschein auf dem Handy im Betrieb erscheinen und sich für eines der übrig gebliebenen Gerichte entscheiden.

Drei Betriebe in Zug und zehn im Kanton Luzern

Seit vergangenem Herbst gibt es nun auch in der Zentralschweiz Betriebe, die mitmachen: drei im Kanton Zug und zehn im Kanton Luzern. Unter ihnen ist auch die Kaiten Sushi AG. Diese hat Lokale in beiden Kantonen. Für Inhaberin Stefanie Mambelli ist die App eine gute Lösung: «Was wir an einem Tag nicht verkaufen können, werfen wir sonst weg. Das tut mir weh.» Sie habe schon vieles ausprobiert, um das Essen weiterzugeben. Doch bisher habe nichts funktioniert. Nun machen alle vier Lokale des Unternehmens bei «Too Good To Go» mit. In Luzern sei es schon sehr gut angelaufen, auch wenn die Nachfrage nicht konstant sei. «An manchen Tagen geht alles weg, an anderen gar nichts oder nur wenig», so Stefanie Mambelli. In Zug hingegen sei es bisher nur selten benutzt worden, aber man bemerke eine Steigerung. «Ich habe das Gefühl, dass in Zug die Konsumenten etwas anders sind als in Luzern.»

Dass in Zug das Angebot noch wenig genutzt wird, könnte auch mit der bescheidenen Anzahl Lokalen zusammenhängen, die bisher mitmachen. Neben der Sushi-Bar Kaiten sind dies «Dean & David» in der Stadt und das Café Brändle in Unterägeri. Ins­besondere bei Bäckereien hat der Kanton Zug wohl aber Potenzial für eine Erweiterung des Angebotes. Über 60 sind im Telefonbuch registriert. Und offenbar ist auch etwas in der Pipeline, wie Geschäftsführer Jörgen Munter sagt: «Wir sind mit einigen Bäckereien und an­deren Betrieben im Kanton Zug in Verhandlung.»

Viele Nutzer im Kanton Zürich

Im Kanton Zürich läuft die App seit vergangenem Sommer. Mit Erfolg. Nach eigenen Angaben des Unternehmens wurde die App allein im Raum Zürich schätzungsweise gegen 70 000 Mal runtergeladen. Die Nutzer können aus rund hundert Betrieben in Zürich auswählen. Darunter Bäckereien, Sushi-Läden und Take-Aways, aber auch Hotels, die so ihre übrig gebliebenen Speisen der Buffets weiterverwenden können. «Die Betriebe können mit diesem System eigentlich nur gewinnen», erklärt Munter. Die Preise für die übrig gebliebenen Portionen sind mit rund fünf bis zehn Franken zwar sehr günstig. Die Betriebe können aber einen Grossteil der Einnahmen für sich behalten. Einzig ein Fixbetrag von 1.50 Franken pro Kauf geht vom Kunden direkt an die App-Anbieter.

Keine Konkurrenz für die klassischen Betriebe

Beim Zuger Gastroverband Gastro Zug sieht man das neue Angebot nicht als Konkurrenz zu den klassischen Gastrobetrieben. «Das Restaurant deckt an­dere Bedürfnisse ab als ein Take-Away», sagt Vizepräsident Kuno Trevisan. Er findet die Idee des günstigen Verkaufs am Abend eine gute Sache. «In klassischen Restaurants ist das Wegwerfen von Lebensmitteln aber weniger ein Thema.»

Hinweis

Mehr Infos: www.toogoodtogo.ch.