Lebensretter warnen vor Weltrekordversuch

Nach Ansicht der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) ist beim geplanten Gummiboot-Weltrekordversuch auf der Reuss das Risiko für Teilnehmer und Zuschauer zu gross. Das Sicherheitskonzept sei mangelhaft. Der Veranstalter lässt die Kritik nicht gelten.

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Das «Reussböötle» ist abgesagt. Das «Aareböötle» findet wie geplant statt. (Bild: PD)

Das «Reussböötle» ist abgesagt. Das «Aareböötle» findet wie geplant statt. (Bild: PD)

Die Teilnahme am Weltrekordversuch ist nicht gratis. 89 Franken kostet ein Boot-Ticket, das für zwei Personen gilt. Im Preis inbegriffen sind das Gummiboot, das jeder nach Hause mitnehmen darf, ein wasserdichter Schwimmsack, der Gepäcktransport von Hünenberg nach Rickenbach, ein alkoholfreier Welcome-Drink am Start sowie Wurst und Bier am Ziel. (Bild: PD)

Die Teilnahme am Weltrekordversuch ist nicht gratis. 89 Franken kostet ein Boot-Ticket, das für zwei Personen gilt. Im Preis inbegriffen sind das Gummiboot, das jeder nach Hause mitnehmen darf, ein wasserdichter Schwimmsack, der Gepäcktransport von Hünenberg nach Rickenbach, ein alkoholfreier Welcome-Drink am Start sowie Wurst und Bier am Ziel. (Bild: PD)

Die Schweizer Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG hat den geplanten Weltrekord-Anlass auf der Reuss kritisch geprüft. 1500 Freizeitkapitäne sollen beim «Reussböötle» bei der Reussbrücke in Hünenberg einwassern und rund zwei Stunden bis Rickenbach bei Obfelden paddeln. Wie die SLRG am Freitag mitteilte, habe sie bereits am 19. Juni den Event-Veranstalter Gonnado kontaktiert und auf die Sicherheitsmängel hingewiesen.

Erste Verbesserungen vorgenommen

Inzwischen seien für den Anlass Reussböötle erste Verbesserungen erzielt worden, so die SLRG weiter. So hat der Veranstalter 1500 Schwimmwesten für die Teilnehmer vorgesehen. Zudem wurde mit einer Outdoor-Firma ein Sicherheitskonzept erarbeitet und der SLRG Einblick in die geplanten Massnahmen gegeben. Gemäss den Flussexperten der SLRG ist das Konzept im Vergleich zum letztjährigen Weltrekord Aareböötle zwar ein Fortschritt, doch noch nicht ausreichend.

Laut SLRG zuwenig Rettungskräfte im Einsatz

So müssten nach den Berechnungen der SLRG allein für den Anlass Reussböötle 66 in der Flussrettung ausgebildete und mit Funkgeräten ausgerüstete Rettungsschwimmer sowie neun Motorboote mit erfahrenen Bootsführern zum Einsatz kommen. So wäre gemäss SLRG ein Rettungsschwimmer für 23 Teilnehmer verantwortlich. Der Veranstalter geht jedoch von rund drei Mal so vielen Personen aus, nämlich von einem Retter für 70 Menschen. Dies ist auch der Grund dafür, dass die zuständige Zuger Bewilligungsbehörde die Genehmigung für die Durchführung des Anlasses bis jetzt nicht erteilt hat.

Gleichzeitig mit dem «Reussböötle» findet am 4. August auf der Aare der Weltrekordversuch «Aareböötle» statt. Der ebenfalls vom Event-Veranstalter Gonnado organisierte Anlass steht im direkten Wettstreit mit dem «Reussböötle». Auch dieses wird von der SLRG kritisiert. So fehlen in Bern 1350 Schwimmwesten und ein Sicherungs- und Rettungskonzept.

Gonnado lässt Kritik nicht gelten

Samuel Maeder von Gonnado bezeichnete die Kritik der SLRG auf Anfrage als Versuch der SLRG, auf dem Buckel von Gonnado die Öffentlichkeit auf die Gefahren und Regeln beim Schwimmen und bei Flussfahrten aufmerksam zu machen. Gonnado verfüge über ein Sicherheitskonzept für beide Anlässe und werde die Teilnehmer auf die SLRG-Regeln aufmerksam machen.

Auf der Aare gebe es - anders als auf der Reuss - keine Schwimmwestentragpflicht. Doch werde Gonnado den Bootsfahrern das Tragen einer Weste empfehlen und 300 statt 150 Schwimmwesten abgeben. Die eigene Internetseite habe das Unternehmen angepasst. Noch einmal einen Weltrekordversuch organisiert Gonnado, weil das die Nutzer der Seite gewünscht hätten.

pd/zim/sda

Hinweis:
Das sind die 6 Flussregeln der SLRG