Legaler Hanf bleibt in der Stadt Zug ein Nischenprodukt

Der Hype um das «Wundermittel» Cannabidiol ist auch im Kanton Zug vorbei. Rentabel bleibt das Geschäft offenbar dennoch – unter anderem aufgrund der Professionalisierung der verbleibenden Anbieter.

Laura Sibold
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Verkäuferin Denise Hubacher und Alessandro Bernasconi, Geschäftsführer ad interim, betrachten ein neues Produkt im «Hanflife». (Bild: Maria Schmid, Zug, 15. November 2019)

Verkäuferin Denise Hubacher und Alessandro Bernasconi, Geschäftsführer ad interim, betrachten ein neues Produkt im «Hanflife». (Bild: Maria Schmid, Zug, 15. November 2019)

Hanfspaghetti, Hanfblüten, Nahrungsergänzungsmittel auf Hanfbasis und Hanffläschchen mit dem Wirkstoff Cannabidiol, kurz CBD: Vor wenigen Jahren erfasste der Hype um den legalen Hanf auch den Kanton Zug. Im Frühjahr 2017 öffnete die Hanftheke im Raingässli 3 in der Altstadt ihre Tore, ein halbes Jahr später folgte der Laden Werners Head Shop im Untergeschoss der Metalli. Anfang 2018 kam mit «Hanflife» an der Baarerstrasse 21 ein dritter Anbieter hinzu.

Sie alle profitierten vom schweizweiten Boom um legale Hanfprodukte, wie Alessandro Bernasconi bestätigt. Der 32-Jährige führt gemeinsam mit seinem Bruder die Zuger Läden Hanflife und Robertos Smart-shop (ehemals Hanftheke). «Kaum öffneten wir vor zwei Jahren unsere Läden, strömten Kunden herein. Es gab einen regelrechten Run auf unsere Produkte», erinnert sich Bernasconi. Das habe sich mittlerweile aber geändert.

Kunden sind primär über 50 Jahre alt

Vor zwei Jahren hätten viele Leute die legalen Hanfprodukte günstig ausprobieren wollen, so Bernasconi. Diverse Anbieter sprangen auf diesen Zug auf und boten preiswerte Produkte an, allerdings teilweise mit fragwürdiger Qualität. Inzwischen sei der Anspruch an die Qualität gestiegen, weshalb sich nur noch wenige Läden halten könnten. Die Rentabilität der Zuger CBD-Anbieter erklärt Bernasconi mit deren guter Qualität. Und die hat ihren Preis: Ein Hanföl mit 300 bis 9600 Milligramm kostet im «Hanflife» zwischen 44 und 649 Franken – abhängig vom CBD-Gehalt. Der Geschäftsführer ad interim relativiert aber:

«Dafür stammen unsere hochwertigen Produkte aus eigener Produktion in Zusammenarbeit mit der Firma Swissphytholabs AG in Ballwil und werden regelmässig getestet. Zudem stehen wir mit regionalen Landwirten in Kontakt, um vom Anbau bis in den Laden alles selber herzustellen.»

Neugierige Gelegenheitskäufer gebe es heute kaum mehr. Das Angebot sei bekannt, zudem helfe der Wirkstoff auch nicht allen Kunden. «Inzwischen haben wir eine gewisse Stammkundschaft, die primär über 50 Jahre alt ist», erklärt Verkaufsleiterin Denise Hubacher. Diese Kunden kämen regelmässig wegen desselben Produkts, das ihnen gegen Beschwerden helfe. Cannabidiol gilt denn auch als Wundermittel gegen viele Krankheiten. Aus gesetzlichen Gründen dürfen Verkäufer in der Schweiz jedoch keine Heilversprechen abgeben. «Wir haben allerdings Kunden, die darauf schwören, dass ihnen das CBD gegen Schmerzen, Schlafstörungen oder Depressionen helfe», verrät Hubacher. Darüber hinaus bediene man nun mehr Geschäftsleute, die ein Mittel gegen Stress suchen. Ein Allzeit-Verkaufshit seien daher Tinkturen.

Die Blüten werden auch geraucht

Auch beliebt sind Hanfblüten, die das «Hanflife»-Team primär zum Kochen anbietet. «Es gibt aber immer wieder Kunden, welche uns gestehen, dass sie die Blüten rauchen. Einige tun das, um sich das Kiffen abzugewöhnen», so Alessandro Bernasconi. Besonders oft verkaufe man Blüten in Robertos Smartshop. In diesem Laden in der Zuger Altstadt bediene man hauptsächlich Kunden, die das Headshop-Sortiment bevorzugen.

Der THC-Gehalt in legalem Cannabis beträgt in der Regel zwischen 0,1 und 0,5 Prozent. Da dies für eine berauschende Wirkung nicht ausreicht, gilt CBD-Hanf als legal (siehe Box unten). Der Inhaber des dritten Zuger Anbieters, Werners Head Shop, wollte zum Thema keine Stellung nehmen.

Überblick beim Hanf-Anbau und -Vertrieb fehlt

(ls) Solange der THC-Gehalt kleiner als ein Prozent ist, sind Anbau, Besitz, Handel und Konsum von Hanf legal. Das Cannabidiol oder CBD-Hanf erfüllt diese Vorgabe üblicherweise und fällt nicht unter das Betäubungsmittelgesetz – auch weil es keine mit dem THC-Hanf vergleichbare psychoaktive Wirkung aufweist.

Aus diesem Grund bestehe derzeit kein Handlungsbedarf für eine polizeiliche Kontrolle in den CBD-Hanfläden im Kanton Zug, sagt Frank Kleiner, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden. «Sollten wir Hinweise erhalten oder der Verdacht bestehen, dass der zulässige THC-Wert der verkauften Produkte überschritten wird, werden wir dies – in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Bewilligungsbehörde – entsprechend kontrollieren.» Zur Unterscheidung von Drogen- und CBD-Hanf setzt die Zuger Polizei bei Personenkontrollen seit rund 1,5 Jahren einen Cannabis-Schnelltest ein. Damit können die Einsatzkräfte direkt vor Ort den THC-Gehalt im Hanf feststellen. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Test sind laut Frank Kleiner positiv.

Was im Kanton Zug genau wo angebaut und verkauft wird, ist nicht im Detail bekannt. Zwar ist gesetzlich klar geregelt, welches in den Verkauf gebrachte CBD-Hanfprodukt welche Vorschriften einhalten muss: So fallen beispielsweise Arzneimittel unter das Heilmittelgesetz und Lebensmittel sowie Kosmetika unter das Lebensmittelgesetz – zudem sind alle Betriebe, welche Produkte verarbeiten und in den Handel bringen, die unter das Lebensmittelgesetz fallen, beim kantonalen Amt für Verbraucherschutz meldepflichtig. «Aber CBD-Produkte boomen und die Abgrenzung der in Verkehr gebrachten Produkte ist teilweise schwierig. Die Lebensmittelkontrolle ist deshalb skeptisch, ob sich alle im Kanton Zug tätigen Betriebe ordnungsgemäss melden», erklärt Amtsleiter Rainer Nussbaumer. Aktuell sind beim Amt für Verbraucherschutz fünf Betriebe gemeldet.

Für den Anbau von CBD-Hanf besteht im Kanton Zug keine Meldepflicht, weshalb auch hier der Überblick fehlt. Dem kantonalen Landwirtschaftsamt sind derzeit keine Flächen bekannt, die in diesem Jahr mit CBD-Hanf bepflanzt wurden. Man wisse allerdings von einer Fläche über rund 4,5 Hektaren, auf der diesen Sommer Nahrungsmittelhanf angebaut wurde, teilt das Landwirtschaftsamt mit. Dabei werden die Hanfnüsse geerntet und zu Nahrungsmitteln weiterverarbeitet. Welche Betriebe im laufenden Jahr auf dieser Fläche Nahrungsmittelhanf angebaut haben, ist allerdings nicht bekannt.