Lehrpersonen im Kanton Zug sind stark gefordert

Ab 1. August gilt im Kanton Zug der Lehrplan 21. Vor allem für die Lehrerinnen und Lehrer steht bis dahin viel Arbeit an. Einige neue Lehrmittel fehlen noch immer und bei den Nachqualifikationen übersteigt die Nachfrage das Angebot.

Laura Sibold
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Kompetenzorientiertes Lernen mit dem Lehrplan 21 beginnt schon auf der Kindergartenstufe.

Kompetenzorientiertes Lernen mit dem Lehrplan 21 beginnt schon auf der Kindergartenstufe.

Noch ein paar Wochen, dann starten alle gemeindlichen Schulen im Kanton Zug mit dem Lehrplan 21. Der neue Lehrplan gilt für den Kindergarten, die Primar- und die Sekundarstufe I und umfasst elf Schuljahre (siehe Box). Laut Landammann Stephan Schleiss ist man für die Einführung des neuen Lehrplans grösstenteils auf Kurs. «Wir konnten die Einführung seriös vorbereiten. Die Gemeinden planen das neue Schuljahr seit Januar.»

Wozu der Lehrplan 21?

Bisher gab es in den Kantonen grosse Unterschiede, wie und was die Schüler lernten. Ziel des Lehrplans 21 ist es, den Lehrplan in den 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantonen einheitlich zu gestalten. Seit Jahren wird in der Deutschschweiz der Lehrplan 21 Schritt für Schritt umgesetzt. Ob- und Nidwalden haben ihn auf allen Stufen im Schuljahr 2017/18 eingeführt, im Kanton Luzern wird er gestaffelt umgesetzt. So arbeiten die Luzerner Primarlehrer seit zwei Jahren mit dem Lehrplan 21, nach den Sommerferien folgt die Einführung auf der Sekundarstufe 1.

Der Lehrplan 21 schliesst die neuen Themen «Wirtschaft, Arbeit und Haushalt» mit ein und die Module «berufliche Orientierung», «Medien und Informatik» sowie «Bildung für nachhaltige Entwicklung» rücken stärker in den Mittelpunkt. Der Lehrplan 21 legt über die Kantonsgrenzen hinaus die gleichen Ziele für alle Schülerinnen und Schüler fest und beschreibt für jeden Fachbereich die Kompetenzen, welche die Schüler in der Volksschule erwerben. Die Anwendung des Gelernten rückt demnach stärker in den Fokus. Wie die Stundenpläne aussehen oder die Noten vergeben werden, bleibt allerdings Sache der Kantone.

Wie in anderen Kantonen seien aber noch nicht für alle Fächer die Lehrmittel vorhanden, bedauert Bildungsdirektor Schleiss. Man werde in einem Übergang mit den bisherigen Lehrmitteln arbeiten müssen. Diesen Umstand führt auch der Lehrerinnen- und Lehrerverein Kanton Zug (LVZ) ins Feld. Präsidiumsmitglied Tekla Hahin sagt: «Dass Lehrmittel fehlen, führt für die Lehrpersonen zu einem Mehraufwand. Sie müssen zur Überbrückung selber Unterrichtsmaterial zusammenstellen, das den Vorgaben des Lehrplans 21 Genüge leistet. Das ist ärgerlich.»

Aufwand für den Lehrplan wurde unterschätzt

Konkret fehlen laut LVZ Lehrmittel im neuen Fach «Medien und Informatik» sowie in «Natur und Technik», wo die Unterrichtsmaterialien wohl erst im Laufe des neuen Schuljahrs erscheinen werden. Zudem haben einzelne Fächer wie «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt», «Berufliche Orientierung» und «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» im Lehrplan 21 neue Inhalte definiert.

«Die Vorbereitung für diese Fächer erfordert einen grossen Zeitaufwand für die Lehrpersonen»,

weiss Tekla Hahin. Viel Zusatzarbeit ortet der Lehrerinnen- und Lehrerverein auch bei den überfachlichen Kompetenzen, welche im Zeugnis aufgeführt werden. Mit dem neuen Lehrplan müssen nämlich auch die Beurteilungsraster überarbeitet werden. «Das geschieht zurzeit, die angepassten Vorlagen stehen aber zum Schuljahresstart noch nicht bereit», erklärt Hahin. Generell habe man den Aufwand für den Lehrplan 21 stark unterschätzt – auch bei der Qualifikation der Lehrpersonen.

«Die vielen Neuerungen und Weiterbildungen brauchen mehr Zeit als erwartet. All dies wird neben dem Alltagsgeschäft gemeistert und fordert die Lehrpersonen stark.»

Neben den freiwilligen Weiterbildungen gibt es nämlich auch Nachqualifikationen. Diese müssen Lehrpersonen besuchen, um ein neues Fach – wie etwa «Medien und Informatik», das ab der 5. Primar eingeführt wird – unterrichten zu dürfen. Laut Bildungsdirektor läuft das Programm zurzeit, doch die Nachfrage übersteigt das Angebot. «Die PHs haben zu wenige Plätze, weil die ganze Deutschschweiz zurzeit nachqualifiziert. Deshalb wurde eine Staffelung mit gemeindlichen Kontingenten organisiert», erklärt Schleiss. Der Prozess sei noch nicht abgeschlossen, die Gemeinden könnten aber eine befristete Unterrichtsbewilligung erteilen, sofern Lehrpersonen sich für die Nachqualifikation angemeldet haben.

Besser sieht die Lage bei den Weiterbildungen aus. «Da wir im Gegensatz zu anderen Kantonen mehr Zeit hatten, konnten die Zuger Lehrpersonen ihre Weiterbildung bedarfsgerecht in Angriff nehmen», versichert Stephan Schleiss. Zudem hätten nicht alle Lehrerinnen und Lehrer alle Weiterbildungen besuchen müssen. «Mittels Internet-Tool der Pädagogischen Hochschule Zug konnten die Lehrpersonen ihren Bedarf ermitteln und in Absprache mit ihren Schulleitern die notwendigen Kurse besuchen.»

Neue Fachbereiche und kantonale Akzente

Der Lehrplan 21 ist in die sechs Fachbereiche Sprachen, Mathematik, «Natur, Mensch, Gesellschaft», Gestalten, Musik sowie Bewegung und Sport strukturiert und seit Sommer 2018 unter www.zg.lehrplan.ch aufgeschaltet. Die Zuger Schüler haben auf Sek- und Primarstufe weniger Musiklektionen, dafür mehr Englisch, die Primarschüler zudem auch mehr Gestalten als gemäss Lehrplan 21 empfohlen. «In der Primar konnten wir eine Förderstunde im Umfang von einer Lektion pro Woche erhalten», führt Schleiss aus. «Diese individuelle Förderung soll den Lehrpersonen wie bisher die Möglichkeit bieten, Schüler einzeln oder in Gruppen zu fördern.» Darüber hinaus wird die heutige Stundendotation im Fach Mathematik beibehalten. Der Kanton Zug geht damit um eine Mathematiklektion über die Planungsgrundlage hinaus. Auch das Fach Deutsch wird in der Gesamtdotation um eine Lektion gestärkt. Anpassungen am Lehrplan 21 hat der Kanton Zug auch beim Schwimmunterricht gemacht. Der Bildungsdirektor bestätigt, dass man gewissen Privatschulen und der Gemeinde Steinhausen auf Gesuch hin die Reduktion der Ziele befristet bewilligt habe. Den lebensrettenden Wassersicherheitscheck müssen aber auch sie erfüllen.

«Mit diesen Genehmigungen setzt der Bildungsrat eine Auflage des Regierungsrats von 2014 um. Die Gemeinden sollen nicht via Lehrplan-Beschluss gezwungen werden, Hallenbäder zu bauen»,

so Schleiss. Zudem führt der Zuger Lehrplan 21 auf das neue Schuljahr das Freifach Geometrisches Zeichnen.