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Lernen ohne alltägliche Ablenkung auf dem Walchwilerberg

Viola Schmid und ihr Lebenspartner haben auf dem Hirschenhof in der Untersüren ob Walchwil eine ganz eigene Welt geschaffen. Mit dem Projekt «Lernen im Grünen» soll das auch Studenten zugutekommen.
Carmen Rogenmoser
Viola Schmid teilt ihr Reich auf dem Hirschenhof gerne mit anderen. (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 1. April 2019)

Viola Schmid teilt ihr Reich auf dem Hirschenhof gerne mit anderen. (Bild: Stefan Kaiser, Walchwil, 1. April 2019)

Idyllisch ist es auf dem Hirschenhof hoch oben auf dem Walchwilerberg. Vor allem dann, wenn der April sich von seiner freundlichen Seite zeigt, wie an jenem Tag: Hühner gackern, Katzen und ein Hund schleichen um den Stall. Die Fenster und Türen des Hauses und der Nebengebäude sind offen und lassen die frische Luft rein. Viola Schmid werkelt, wie sie es wohl oft tut, im hinteren Teil des Hofs. «Wir haben die Arbeit zwischen Jung und Alt aufgeteilt», erklärt die Bäuerin. Vorne im grossen Haus leben die Kinder, die bereits wieder eigene Kinder haben. Sie bewirtschaften die Damhirsch- und Schafzucht und das Hirschenbeizli, wo Wanderer gerne einkehren. Auch kümmern sie sich um Gäste, die Ferien auf dem Bauernhof machen, oder Lager.

Viola Schmid und ihr Lebenspartner Marco Kunz haben eigene Projekte: eine Alters-WG etwa, sie bieten Menschen, die eine Auszeit brauchen, Platz und Raum und sie sind Teil des Vereins Kunsti 927, den es seit Jahrzehnten gibt. Das neueste Vorhaben startet im Mai: Studieren im Grünen. Es handelt sich dabei um ein Projekt «ohne Druck», wie Schmid sagt. «Entweder es funktioniert oder nicht.» Es läuft im Rahmen des Agrotourismus, den es auf dem Hirschenhof schon seit vielen Jahren gibt. Die Idee sei wie so oft von Besuchern gekommen. «Man unterhält sich, tauscht sich aus und Ideen entstehen», erklärt sie. «Die jungen Leute leiden unter dem Druck, der durch Prüfungen und schriftliche Arbeiten entsteht.» Wenn der Test dann geschafft ist, seien die Betroffenen oft fix und fertig und müssten sich erholten. So ging es auch Roman Bertschi. Der Student aus Bern erholte sich nach einer anstrengenden Prüfungszeit auf dem Hof. Gemeinsam mit ihm und weiteren Involvierten wurde das Projekt entwickelt.

Die Selbstverantwortung wird hochgehalten

«Wir haben ein so schönes Gelände hier – zu schön nur für uns alleine», erklärt Viola Schmid. «Das müssen wir doch teilen.» So kam der Gedanke auf, dass gestresste Studenten und Absolventen sich auf dem Hirschenhof zurückziehen und sich nur aufs Lernen konzentrieren. «Wir bieten die Umgebung, für den Rest sind die Schüler und Studenten selber verantwortlich», betont Schmid. Generell gelte, dass man sich täglich rund sechs Stunden mit dem Lernstoff beschäftigen sollte. Kontrolliert werde das nicht, aber einfach billig Ferien machen, gehe auch nicht, so Viola Schmid. 22 Franken kostet das Angebot pro Tag. Eingeschlossen sind die Übernachtung im Schlafsack und die Benutzung der Aussenküche. Nahrungsmittel müssen selber besorgt werden, gekocht werden muss ebenfalls eigenständig. Die Outdoor-Küche wird momentan eingebaut, in Eigenregie, wie so manches auf dem Hof. Abgewaschen wird am Trog. Heisses Wasser dafür kommt aus dem Wasserkocher. «Ich werde eine Tafel kreieren, wo man sich als Koch, Abwascher oder Helfer eintragen kann.»

WLAN- Anschluss, Badeteich und Studierstube

Übernachten kann man auch im Zelt, in Jurten oder umgebauten Bauwagen, wenn sie nicht schon von Feriengästen besetzt sind. Der Lebensstil der Studenten wird einfach sein. «Sie sollen sich aufs Wesentliche konzentrieren können, die Sinnesorgane anders nutzen.» Arbeiten kann man fast überall auf dem 12 Hektar grossen Hof. Rund um die Hofgebäude gibt es unzählige lauschige Plätzchen, um sich zurückzuziehen. Liegestühle laden dazu ein, sich zwischendurch zu erholen. Im hofeigenen Teich kann man baden. Es gibt eine Studierstube und momentan wird ein gedeckter Arbeitsplatz eingerichtet. Ein Drucker, sowie WLAN gibt es. Die absolute Ruhe findet man in der Untersüren allerdings nicht. «Wir sind mitten in der Natur, hier ist zudem Verschiedenstes los», so Schmid. In eine andere Welt abtauchen, sich auf etwas Eigenes konzentrieren, das aber kann man auf dem Hof auf jeden Fall.

Infos gibt es unter: www.sueren.ch und www.lebenskunst927.ch

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